Osteopathische Behandlung hilft bei Rückenschmerzen während und nach der Schwangerschaft.

Patienteninformation

Ergebnisse einer Übersichtsstudie

Schmerzen im Bereich des unteren Rückens und des Beckengürtels sind häufig während der Schwangerschaft, vor allem während des 3. Trimesters. Etwa jede zweite schwangere Frau leidet darunter.Untersuchungen zeigen zudem,dass selbst 12 Monate nach der Schwangerschaft Rücken- und Beckengürtelschmerzen bei ca. 67% der Frauen vorhanden sind.

Schmerzen im unteren Bereich des Rückens sind definiert als lokale Schmerzen unterhalb des Rippenbogens und oberhalb der Glutealfalte. Schmerzen im Bereich des Beckengürtels sind als Schmerz im Bereich der Symphysis pubica und/oder in einem oder beiden iliosakralen Gelenken
und Schmerzen in der Glutealregion definiert. Oft unterscheidet die Literatur Rückenschmerzen in der Schwangerschaft nicht von Beckengürtelschmerzen.

Die Ursache für Rückenschmerzen während der Schwangerschaft ist unklar und scheint unspezifisch zu sein,wobei ein Bezug zu Veränderungen in der Körperhaltung diskutiert wird (z.B. die Zunahme der lumbalen Lordose, um das vermehrte Gewicht des Abdomens auszugleichen). Ähnlich unklar sind die Gründe für die Entstehung von Beckengürtelschmerzen, wobei muskulös skelettale Ursachen weit mehr angenommen werden als Störungen der Beckenorgane. Die Europäischen Richtlinien empfehlen bei schwangerschaftsbezogenen Rückenschmerzen eine angemessene Aufklärung der Patientinnen, verbunden mit der Aufforderung, sich aktiv zu bewegen. Wo angezeigt, sollen individuelle Übungen angeboten werden. Ob dies wirklich hilft, ist durch Studien jedoch nur unzureichend belegt.

Osteopathie ist ein Behandlungsansatz, der die Rolle des muskuloskelettalen Systems für die Gesundheit betont und durch verschiedene manuelle Techniken die optimale Funktion des Körpergewebes zu erreichen sucht. Die osteopathische Behandlung basiert auf einer breiten
Palette manueller Techniken. Die Behandlung ist charakterisiert durch eine ganzheitliche Betrachtung des Patienten und kann durchaus Empfehlungen zum Lebensstil und die Berücksichtigung des psychosozialen Hintergrundes enthalten.

Eine Übersichtsstudie, die 2017 im englischen Fachjournal Journal of Bodywork and Movement Therapieserschien, ging nun der
Frage nach, wie wirksam die osteopathische Behandlung bei Frauen mit Rückenschmerzen während und nach der Schwangerschaft ist.
Gemessen wurde der Erfolg an der Schmerzabnahme und dem funktionellen Status, d.h. an der Fähigkeit der Patientinnen, Alltagsverrichtungen ohne Einschränkungen ausüben zu können. Zudem wurde erfasst, ob es bei der osteopathischen Behandlung zu
Nebenwirkungen kam. 8 Studien mit 850 Teilnehmerinnen erfüllten die Einschlusskriterien der Übersichtsstudie. Fünf Studien untersuchten die Wirksamkeit der Osteopathie bei Rückenschmerzen während der Schwangerschaft, drei Studien die therapeutischen
Ergebnissebei Rückenschmerzen nach der Schwangerschaft.

Die Übersichtsstudie belegte einen klinisch relevanten Nutzen der Osteopathie bei der Behandlung von Rückenschmerzen während und nach der Schwangerschaft.Sowohl hinsichtlich des Schmerzes als auch bei der Verrichtung von Alltagstätigkeiten kam es zu spürbaren Verbesserungen.Bis auf gelegentliche Müdigkeit bei einigen Patientinnen nach der Behandlung kam es zu keinen Nebenwirkungen.
Besonders die Osteopathinnenund Osteopathen aus Deutschland zeigten mit sechs von acht Studien ein herausragendes Bemühen und Forschungsinteresse umFrauen mit Rückenschmerzen während und nach der Schwangerschaft, bei dem es sich nach wie vor um ein klinisches Problem handelt, von dem nur wenige Aspekte gut untersucht sind. Die Autoren verweisen darauf, dass weitere Studien können und größere und qualitativ hochwertige klinisch randomisierte Studien wünschenswert wären.

Diese Zusammenfassung bezieht sich auf die folgende Studie: Franke, Helge et al.:
Osteopathic manipulative treatment for low back and pelvic girdle pain during and after pregnancy: A systematic review and meta-
analysis. Journal of Bodywork and Movement
Therapies, Volume 21, Issue 4, 752 -762

Die Erstellung dieser Fachinformation wurde mit Mitteln desVOD und des FOF unterstützt,
die damit aber keinen Einfluss auf den Inhalt nahmen.
Erstellt von: INIOST, Institut für osteopathische Studien, Siegen, www.iniost.de
Download der Studie: http://osteopathie.de/fachinfo_rschw

Frau Salzmann stellt sich vor

Frau Salzmann

Mein Weg zur Osteopathie

Seit Januar 2018 bin ich nun als Therapeutin in der Osteopathiepraxis am Killesberg tätig. Dies möchte ich zum Anlass nehmen, mich über meinen Lebenslauf hinaus vorzustellen.
Nach meiner Schulzeit an einem Sportgymnasium und einer Kindheit und Jugend als aktive Turnerin lag es für mich nahe, nach dem Abitur ein Studium der Sportwissenschaft aufzunehmen.
Im Studium an der Universität Tübingen mit dem Profil Gesundheitsförderung wurden mir dann die biologischen und medizinischen Grundlagen von Gesundheit und Krankheit im Zusammenhang mit Bewegung und Sport vermittelt. In Praxisseminaren wie ‘Sport nach Krebs‘, Hüft- und Herzsport konnte ich parallel zum wissenschaftlichen Studium viel Erfahrungen mit ganz unterschiedlichen Patientengruppen und deren Krankheitsbildern sammeln. Zusätzlich arbeitete ich als Übungsleiterin sowohl im Senioren-, wie im Kinder- und Jugendsport. Auch ein Auslandspraktikum in Auckland, Neuseeland in einem Reittherapiezentrum für Kinder mit Autismus entwickelte mein Interesse an Gesundheitsförderung und Therapie weiter.
So war für mich klar, dass ich über meinen Bachelorabschluss in Tübingen 2013 hinaus noch weiter in den therapeutischen Bereich gehen wollte und schrieb mich für ein Studium an der Osteopathie Schule Deutschland (OSD) in Berlin ein.
Der ganzheitliche Ansatz der Osteopathie erschien mir als die konsequente Fortführung meines bisherigen Weges, der Beschäftigung mit Bewegung und Körper, um den komplexen Krankheitsbildern der heutigen Gesellschaft zu begegnen. In meinen vier Jahren an der Osteopathie Schule in Berlin erwarb ich tatsächlich ein viel tiefer gehenderes Verständnis von Struktur und Funktion des menschlichen Körpers.

Dieses Wissen dient mir nun in der Praxis als Grundlage, um den Ursprung von Beschwerden zu erkennen und gleichzeitig mit speziellen osteopathischen Techniken zu behandeln. Es ist spannend, die Wechselwirkung verschiedener Bereiche des Körpers zu verstehen und bei jedem Patienten wieder neu zu entdecken. Warum ist es manchmal notwendig das Kiefergelenk zu behandeln, um Schmerzen am Knie zu lindern? Solche faszinierenden Zusammenhänge lassen sich mit Hilfe der Osteopathie begreifen.

Osteopathie kennt keine Fachgebiete oder Patientengruppen. Dennoch habe ich über das Thema meiner Abschlussarbeit spezielles Interesse für den Bereich der Frauenheilkunde entwickelt.
Auch die Betreuung von Jugendlichen und Erwachsenen mit sportlichem Background hat für mich auf Grund meines persönlichen Werdegangs einen besonderen Stellenwert.
Es macht mir nun große Freude, als Mitarbeiterin der Osteopathiepraxis am Killesberg, die Patienten auf dem Weg zu mehr Gesundheit und Lebensqualität zu begleiten.

Hinweis

Mit dem Blog möchte ich Sie gerne informieren.

Dennoch möchte ich Sie aus rechtlichen Gründen wird darauf hingewiesen, dass in der Benennung der beispielhaften aufgeführten Anwendungsgebiete selbstverständlich kein Heilversprechen oder die Garantie einer Linderung oder Verbesserung aufgeführter Krankheitszustände liegen kann. Die Anwendungsgebiete beruhen auf Erkenntnissen und Erfahrungen in der hier vorgestellten Therapieeinrichtung osteopathischer Therapie.
Für den Bereich der Wirbelsäule, z.B. beim chronischen Schmerz – Syndrom der Wirbelsäule, geht die Bundesärztekammer in der Regel von einer Wirksamkeit osteopathischer Behandlungen aus. Im übrigen gibt es bislang keine Studien, die in wissenschaftlicher Hinsicht die Wirkweisen der osteopathischen Therapie bei den genannten Krankheitsbildern nachweisen.

Seit 2001 arbeite ich als fertig ausgebildete Osteopathin in eigener Praxis. Meine Abschlussarbeit habe ich über die Kieferorthopädie geschrieben. Die Arbeit mit Kindern hat mich auch als Physiotherapeutin bereits interessiert. Die Osteopathie hat einen erweiterten Blick auf den Menschen und betrachtet viel mehr die ganzheitlichen Zusammenhänge . Wenn man mit Säuglingen arbeitet, erkennt man die Problematiken, die bei den ganz Kleinen schon beginnen und kann verfolgen, zu welchen späteren Problemen dies im Erwachsenenalter führen kann. Da man am Lebensanfang viel effektiver unterstützen kann, ist es mein Anliegen mit einzelnen Beiträgen in diesem Blog junge Eltern zu informieren, damit eine osteopathische Behandlung die größten Chancen für eine gute Entwicklung des Kindes bieten kann.
Natürlich möchten wir Sie auch zu anderen interessanten Theme informieren.

Die weitreichende Bedeutung des Stillens

Stillen

Leben ist Bewegung und Dynamik
Alles hängt von allem ab

Seit der Forschungsarbeit des Embryologen Blechschmidt weiß man, dass die Gene nicht alles bestimmen. Die Kräfte, die auf Strukturen wirken, die chemischen Konzentration zu einem bestimmten Zeitpunkt und der Fluss der Flüssigkeiten bestimmen die Entwicklung eines Menschen, am Lebensanfang und im weiteren Verlauf. Das ist die Epigenetik.

Hier hat das Stillen am Lebensanfang eine wichtige Bedeutung. Wie die Atmung hält es die Flüssigkeiten in Bewegung.

Embryologie

Die embryonale Entwicklung ist von Breiten und Längenwachstum bestimmt.
Das Gehirn mit seinen Bläschen wächst nach hinten und faltet sich ein. Das Gesicht wächst von der Seite über die Kiemenbögen zusammen zu der Mittellinie hin und verbindet sich da.

Das Darmrohr gliedert sich an den Kopfbereich an und wäschst nach unten.

Der Herzbeutel entsteht aus den Hüllgeweben des Halses und setzt auf dem Zwerchfell auf. Das Herz erreicht erst mit 7 Jahren den unteren Pol. Der Kehlkopfdeckel ist noch weit oben, daher kann das Baby atmen und trinken gleichzeitig. Erst wenn der Kehlkopf tiefer gekommen ist, wird der Luft- und Atemweg getrennt.
Die Nieren steigen noch bis zum 4. Lebensjahr nach oben. Die sehnige Platte des Zwerchfells kommt in der Embryologie vom Hals nach unten und verschmilzt mit den muskulären Fasern, die aus der Zwischenrippenmuskulatur entstehen. Dies trennt den Luftraum und den Verdauungstrakt. Oben herrscht Unterdruck, unten Überdruck.
Was einen gemeinsamen Ursprung hat, bleibt immer verbunden. So besteht zeitlebens ein enger Zusammenhang zwischen Mundboden- Halsbereich und dem Brustbein und dem Zwerchfell.
Die Lunge entsteht als Bläschen aus dem Darmtrakt, ebenso die Bauchspeicheldrüse. Nach der Geburt verdaut die Lunge Luft.
Der Nabel bleibt eine Art Mittelpunkt. Der obere Bereich des Verdauungstraktes rotiert weniger, der untere Dünndarmbereich um 270 Grad im Gegenuhrzeigersinn.
Der Magen geht nach links, die Leber nach rechts, die Zwölffingerdarmschlinge um die Bauchspeicheldrüse bleibt relativ fix und wird so zu einer Art Mittelpunkt, dem Taktgeber des Darmes.
Wenn beim Neugeborenen in der Kette vom Mundboden über den Herzbeutel, Zwerchfell zum Magen eine zu hohe Spannung vorliegt, kann dies zu Verdauungsproblemen führen.
Das Kind ist kein kleiner Erwachsener.

Der Geburtsvorgang

Für eine physiologische Entbindung sollte das Kind gut in das Becken eingestellt sein. Das heißt, dass der Kopf nach unten liegen sollte, der Rücken möglichst links (60% aller Kinder) und der Kopf muss stark gebeut sein und quer oval zum Beckeneingang. Während der Geburt dreht sich der Kopf dann nach hinten Richtung Kreuzbein um 90 Grad. Wenn der Kopf geboren ist, werden die Schultern entwickelt von der Hebamme, das heißt der Körper folgt der Rotation des Kopfes. Der restliche Körper wird dann meist schnell geboren. Der erste Atemzug sollte statt finden, wenn das Kind geboren ist, sonst kann dies auf die Atmung negative Folgen haben.
Bei diesem Vorgang wird das Kind ausgewrungen wie ein Schwamm. Die Geburtshilfe spricht von Fruchtwalze.
Es ist 80% Wasser. Zuerst geht die Flüssigkeit Richtung Beine, dann wieder Richtung Kopf wenn es geboren ist. Diese Dynamik schiebt die Atmung, Verdauung, den Lymph- und Liquorfluss an und korrigiert eventuelle Fehlspannungen im Bereich des Kopfes und des Körpers.

Bei problematischen Geburten kann es sein, dass dies nicht ausreichend geschieht.

Schädelasymmetrien

Um Asymmetrien beurteilen zu können benutzt man die Quadranten. Diese werden in der Aufsicht und Ansicht beurteilt. Leider wird darauf zu wenig geachtet. Wenn man so früh die Fehlentwicklungen sieht, kann man sehr viel erreichen. Bitte achten Sie daher auf diese Zeichen.

Genetische Defekte
Ein mögliches Beispiel ist das Down-Syndrom oder nicht angelegte Schädelnähte
Wie ich zu Anfang beschrieben habe, folgt die Entwicklung einem bestimmten Plan. Kommt es in den ersten 12 Wochen zu Störungen wie Infekte, Toxine, Stress usw. kann diese Abfolge gestört werden und es kommt zu genetischen Anomalien. Die Augen kommen nicht gut genug von der Seite zur Mitte, was zu einem breiten Nasensteg führt, der Gaumen findet nicht richtig in der Mittellinie zusammen. Die Bilder können vielfältig sein und minimal aber auch schwerwiegend sein.
Es sollte mehr Prävention im Vorfeld einer Schwangerschaft für das Paar betrieben werden. Ein Beispiel ist die gesunde Vaginalflora der Frau. Beim Mann das Handy in der Hosentasche.

Frühe Asymmetrien

Hier ist z.B. die fliehende Stirn durch den Schub auf das Gesicht des Kindes wenn der Kopf gegen das Kreuzbein geschoben wird. Hier kann dann der Kiefer auch nach hinten verschoben werden, was zu Problemen beim Stillen führen kann.

Der Turmschädel, der durch einen langen Druck im tiefen Becken auf den Kopf des Kindes zurück geführt werden könnte. Eventuell durch ein langes Drehen auf dem Beckenboden. Durch zu viel Zug mit der Saugglocken. Sollte es hier zu einer Ödembildung in der Knochentasche des Schädelknochens kommen ist sehr darauf zu achten, dass sich dieser Erguss zurück bildet und nicht kalcifiziert.

Bei zu wenig Fruchtwasser fehlt des Kind die Bewegung, was zu einer Starre in den Strukturen führen kann. Da die Bewegungen fehlen, wird das motorischen Systeme des Kindes zu wenig aktiviert.

Bei einer Beckenendlage kann es sein, dass die obere HWS einen Bewegungsverlust hat durch die fehlende Beugung des Kopfes. Der Kopfgelenksbereich wird dann zu starr. Dies kann auch das Stillen beeinträchtigen.

Wenn diese Fehlspannungen nicht schon zu diesem Zeitpunkt z.B. osteopathisch gelöst werden, kann sich der Schädel asymmetrisch oder unzureichend entwickeln.

Hier spielen nicht nur die Schädelknochen eine Rolle, sondern vor allem das membranöse System. Die Schädelplatten liegen innerhalb der Dura wie in Taschen. Das ganze Hüllsystem des zentralen Nervensystem setzt sich fort bis zum Kreuzbein und Steißbein. Aber auch die peripheren Nerven nehmen diese Hüllen mit. Der Liquor ist bis zu den Gliedmaßen nachweisbar.

Es kommt relativ häufig zu einer Seitneigung und Rotation im Gesichtsbereich. Das geschieht, wenn die Geburtstorsion des Schädels nicht genügend aufgelöst wird. Die Wirbelsäule folgt der Torsion des Kopfes und wird skoliotisch. Das Aufhängungsystem des Darmtraktes wird ebenfalls asymmetrisch und kann zu einem viel späteren Zeitpunkt zu einer Skoliose führen. Dies kommt dann zum Beginn der Pubertät, wann die großen Wachstumsschübe geginnen. Dann ist die Skoliose vom Himmel gefallen (idiopatisch)

Ein platter Hinterkopf eventuell auch noch einseitig rührt nicht von der Rückenlage her, sondern durch fehlende motorische Impulse. Diese fehlen aus dem Bereich der Mundmotorik aber auch aus dem Bereich der Kopfgelenke. Gerade diese Beweglichkeit braucht das Kind zum Abbau der Grundreflexe. Baut das Kind die Reflexe gut ab und die Willkürmotorik gut auf, dass korrigiert dies auch die Asymmetrie des Schädels.

Von Anfang an muss das Kind die Reflexe abbauen und systematisch willkürliche Bewegungen aufbauen. Hier lernt es Bewegungsprogramme, soziale Programme usw. Diese werden im Kleinhirn gespeichert und später als Erwachsene greifen wir bei komplizierten Tätigkeiten auf diese Grundprogramme zurück. Das Kleinhirn wird vor allem in der Kindheit geformt. Einschränkungen im Bereich der Kopfgelenke und des Hinterhauptbeines stören diese Funktion.
Oberhalb des Hinterhauptbeines liegen die Scheitelbeine. Neben der Mittellinie der Scheitelbeine liegen die Sehareale. Hier muss darauf geachtet werden, dass die Schädelnähte flexibel genug sind.
Wie schon erwähnt muss der Mundboden, die Halsfaszien, die Spannung im Brustbein und Zwerchfell frei sein, damit die Atmung und Verdauung stimmt.
Fehlspannungen gehen hier weiter nach unten über die 12. Rippe, den langen Hüftbeuger, den Nieren, der Blase bis in den Bereich der Hüften.

Stillen/Saugen

Um richtig an der Brust saugen zu können, muss die Zunge beweglich genug sein.
Als erstes sollte kontrolliert werden, ob das Zungenbändchen lang genug ist. Besteht eine Herzzunge und das Kind ist nicht fähig die Zunge aus dem Mund zu stecken, sollte sofort geschnitten werden.
Dann gibt es einen Graubereich, wo man zuwarten kann und zuerst alles im Umfeld am Körper lösen sollte.
Hier zählt vor allem die Beweglichkeit des Mundbodens mit dem Zungenbein. Seitlich am Zungenbein liegen die Schlucknerven. Diese sollten in ihrer Scheide gleiten können. Der Unterkiefer muss nach vorne kommen können, der Kopfwender darf nicht zu fest sein. Er setzt an der Unterseite des Schädels an, gerade da, wo das venöse System den Schädel verläßt und der Vaguskomplex liegt. Dieser steuert die Verdauung, agiert aber auch mit den anderen Hirnnerven für unsere soziale Steuerung.
Nach der Geburt ändert sich viel auch im Herzeingangsbereich und Herz selbst. Die Blutflüsse kehren sich um, damit Atmung möglich wird. Wenn diese Änderungen nicht planmäßig ablaufen kann es hier zu Fehlspannungen führen. Daher treten meist Kopffehlhaltungen mit einer Seitneigung links und Rotation rechts auf.

Über die Zungenmobilität und das korrekte Saugen wird der Oberkiefer geformt. Der Druck nach oben mit der Zunge aktiviert das Gaumensegel und führt hier zu einem guten Lymphfluss und damit zu einer besseren Immunität und aktiviert die Speicheldrüsen für die Verdauung.
Der Speichel produziert Enzyme, Inulin für die gesunde Darmflora und Immunglobuline. Das Baby produziert erheblichen Speichel.
es pumpt die intrakraniellen Flüssigleiten und damit auch das neu entdeckte glymphatische System zur Reinigung des Gehirns
es aktiviert den oberen venösen Austausch des venösen System um das Nervensystem
es aktiviert die Funktion des Nerven Trigeminus als formenden Impuls für den Kopfbereich

Klappt das Stillen und Saugen nicht effizient bleibt der Mund offen, die Lippen haben zu wenig Spannung und das Kind wird Mundatmer
der Oberkiefer bleibt schmal, die seitliche Weitung ist zu gering und die bleibenden Zähne finden zu wenig Platz.

Zungenmotorik

Die Zunge braucht die Bewegung nach oben, aber auch die seitliche Bewegung
Viele Babys, bei denen das Zungenbändchen relativ kurz ist kompensieren mit einer guten Beweglichkeit der oberen Zunge, aber der Mundboden bleibt fest. Dies hat auch Konsequenzen auf die Beweglichkeit der Kopfgelenke. Ein weites Öffnen des Mundes, beim Erwachsenen 3 Querfinger, ist nur mit Überstreckung der Halswirbelsäule möglich. Dies führt zu Fehlspannungen im Schulter- und Nackenbereich. Fehlspannungen im Mundbodenbereich beeinflussen auch den Blutfluss Richtung Kopf . Die chinesische Medizin kennt diesen Zusammenhang. Der Funktionskreis Herz/ Dünndarm und Herzbeutel/Schilddrüse gehören zusammen. Die Zunge gehört diesem Funktionskreis.
Es kann zu Lispeln und anderen Sprachfehlern kommen.

Darmsystem

Der Speichel ist Ernährung für die gesunde Darmflora und stärkt so die Immunität
Das Saugen regt die Peristaltik des Darmrohres an
Ist der Kopfwender zu hyperton stört dies die Abflüsse aus dem Kopfbereich und das System des Vagus. Der Vagus begleitet die Speiseröhre. Ist das Zwerchfell noch in einer Fehlspannung, wird dieser Nerv bereits an zwei Stellen irritiert.
Mobilisation der Kopfgelenke und eine weiche Massage hinter den Ohren regen den Abfluss an. Ebenfalls sollte das Zungenbein leicht mobilisiert werden.

Motorik

Das Neugeborene befindet sich noch in der ersten Beugephase.
STNR Geht der Kopf in Beugung, geht der Körper in Beugung
geht der Kopf in Streckung, geht der Körper in Streckung
das ist normal. Zum Stillen sollte der Kopf unbedingt in einer Beugestellung sein, damit das Kind schlucken kann. In Streckung geht das nicht.
Wenn die Kopfgelenke zu starr sind, der Kopfwender zu fest, die Nackenmuskel hyperton dann können sich die Grundreflexe nicht richtig abbauen und der Aufbau der Willkürmotorik verzögert sich oder ist unbefriedigend.

Die Kinder sind später ungelenk, tapsich, ihre räumliche Wahrnehmung ist nicht stimmig. Die Sehverarbeitung und die Augenmotorik bauen sich nicht adäquat auf.
Die Hörverarbeitung kann beeinträchtigt sein, der Lymphabfluss aus dem Ohrbereich durch fehlende Aktivierung des Saugens
Es können durale Spannungen auftreten, die auch zu Problemen im Becken- und Hüftbereich führen können
Fehlbiss durch unzureichende Aktivierung des Oberkiefers durch die Zunge in der richtigen Position und einer fehlenden Beweglichkeit des Zungenbeins für den Unterkiefer.

Osteopathie

Die Osteopathie zählt zur Heilkunde und darf nur von einem Arzt oder Heilpraktiker verabreicht werden. Der Beruf ist momentan in Deutschland nicht geschützt. Die gesetzlichen Krankenkassen verlangen von den Therapeuten den Nachweis einer Osteopathieausbildung über 1300 Stunden und beteiligen sich dann anteilig. Dem Privatpatienten gegenüber muss der Therapeut keinen Nachweis bringen und kann diese Position abrechnen ohne die nötige Qualifikation. Daher ist dringend anzuraten, sich bei den Verbänden, wie dem VOD und BVO nach den qualifizierten Therapeuten in deren Listen zu erkundigen. Diese Verbände haben die Therapeuten geprüft. Für das Kindersymbol muss man sich noch weiter mit 300 Ausbildungsstunden qualifizieren (VOD).

Die großen Lehrerinnen der Kinderosteopathie sind Viola Fryman, Ann Wales, Jana Carreira und weitere. Diese drei Osteopathinnen waren und sind als „Ärzte“ in Kliniken tätig. Dort gehört die Osteopathie als komplementäre Medizin auch hin.

Die Craniosakrale Therapie ist keine Osteopathie. Die lehrenden Therapeuten sind oft Osteopathen, so auch Upledger. Er hat Teile entnommen und genial vermarktet oftmals in Laienhand gelegt. Zur Osteopathie gehört auch die klinische Krankheitslehre. Das heißt nicht, dass es da nicht gute Therapeuten gibt.

Wie sieht eine Behandlung aus?

Die Finger sind die Verlängerung des Gehirns. Still spricht von wissenden, fühlenden Fingern. Bei der Berührung schaltet man erst einmal ab und spürt nur, um dann das Gespürte mit dem osteopathischen Wissen und den Symptomen in Verbindung zu bringen und um dann eine Behandlungsidee zu entwickeln.
Auch wenn der Kontakt über die Oberfläche des Körpers statt findet, ist man über das gesamte fasziale System mit den inneren Strukturen verbunden. Die Faszien umhüllen alles: die Oberfläche des Körpers, die Muskeln, die Knochen, die Nerven und Gefäße, die Organe, die diversen Abschnitte des Gehirns. Man nimmt an 2 Stellen Kontakt, so kann man mit dem entsprechenden Wissen, den Zwischenraum erfahren. Immer die Frage: Wo kommt die Spannung her, in welchen System liegt sie?

Nach einer ausführlichen Anamnese über Schwangerschaft und Geburt kommt erst einmal die Inspektion des Kindes. Dabei spielen bereits die ganzen äußeren Zeichen eine Rolle wie Atmung, Hautfarbe, Körper- und Gesichtsform wie ich bereits oben erzählt hatte.

Zuerst nimmt man dann das Kleine in die Hinterkopf- Sakrum Haltung. Hier kann man die Vitalität der Gewebe gut beurteilen, den Ausdruck des Nervensystems, die Spannung im Kopfbereich und im Kreuzbein. Gleitet das Nervensystem in der duralen Hülle? Das ist essentiell für die Versorgung des Nervensystems.

Da man noch sehr nah an den Bildekräften der Embryologie ist, kann man bei einem gesunden Neugeborenen die Kräfte gut aktivieren und die Flüssigkeiten korrigieren kleinere Fehlspannungen. Dies ist nicht so bei gravierenderen Problemen. Diese Patienten muss man z.T. über einen längeren Zeitraum behandeln. Es gibt immer wieder pausen und es wird beim nächsten Entwicklungsschritt kontrolliert. Am Anfang sind die Abstände häufiger später werden sie länger und in der Pubertät wieder enger.

Nach einander prüft man die Hüften, das Becken, die Bauchorgane, das Zwerchfell, Magen, Leber, Brustbein, Herz, Schultern, Halsgewebe, den Schädel usw. Beim Schädel interessieren auch die jetzt noch bindegewebigen Verbindungen.

Aus meiner Sicht ist es wichtig auch Strukturen zu behandeln. Je nach Alter des Kindes werden die Regionen therapiert, deren Entwicklung gerade aktuell ist z.B. die Augen und die Sehfelder mit den entsprechenden knöchernen Strukturen wenn das Kind mit der Fortbewegung beginnt. Erst jetzt entwickelt sich das räumliche Sehen und dazu ist die nötige Freiheit der Kopfgelenke, der Augen und des Brustkorbes ( das Kind liegt auf dem Bauch) nötig.

Expertentalk

Baby

Interview mit Frau Betti vom Onlinemagazine www.Babyclub.de

Steckbrief
Name: Petra Gohl-Frohnmayer
Firma: Praxisgemeinschaft Osteopathiepraxis am Killesberg, Stuttgart
Tätigkeiten: Heilpraktikerin Osteopathie
Schreit oder jammert ein Baby sehr häufig, ist es unruhig und fühlt sich nicht wohl oder hat Schlafstörungen, können Verspannungen und Blockaden die Ursache sein. Oft entstehen diese bereits in der Schwangerschaft oder durch die Geburt. Mit Osteopathie können viele Beschwerden sanft und ohne Medikamente oder Geräte behandelt werden. Zu diesem Thema haben wir mit der Osteopathin Petra Gohl-Frohnmayer gesprochen und für euch herausbekommen, was Osteopathie ist, wie sie hilft und wann eine Behandlung beim Baby sinnvoll sein kann.

Die Heilkunde Osteopathie

babyclub.de: Frau Gohl-Frohnmayer, was ist Osteopathie?
Petra Gohl-Frohnmayer: Osteopathie ist eine eigenständige, ganzheitliche therapeutische Fachrichtung, bei der ein Osteopath den Körper des Patienten manuell untersucht und behandelt. Er muss umfassende Kenntnisse der Anatomie, Physiologie, Embryolologie, der Biomechanik sowie der vielfältigen Zusammenhänge im menschlichen Körper erworben haben, um Funktions- und Bewegungseinschränkungen des Skelettes, der Faszien, des Nervensystems (einschließlich des zentralen Nervensystems), des Gefäßsystems und der Organe zu finden, die mit den Beschwerden des Patienten zusammenhängen können. Seine tastenden Hände dienen ihm also als „Erweiterung“ seines Wissens.

Eine Behandlung erfolgt nicht invasiv wie beispielsweise bei einer OP oder beim Einrenken, sondern wirkt impulsgebend und von Außen auf den Organismus ein, um Blockaden zu lösen und seine Selbstheilungskräfte wieder zu aktivieren.

In der Anamnese wird auch nach seelischen Belastungen oder bereits erlebten Traumata, Verletzungen, Erkrankungen gefragt, da körperliche und psychische Aspekte sowie die Lebensumstände sich gegenseitig beeinflussen und so eine Rolle bei der Entstehung von Beschwerden spielen können. Natürlich hält der Osteopath auch Rücksprache mit dem Arzt oder schaut sich schulmedizinische Befunde an, sofern vorhanden.

babyclub.de: Wo liegen die Grenzen der Osteopathie?
Petra Gohl-Frohnmayer: Keine Therapie sollte stur als alleiniges Allheilmittel genutzt werden. Eine osteopathische Behandlung kann jedoch grundsätzlich bei fast allen Beschwerden sinnvoll sein, bei schwereren Störungen und Erkrankungen dann begleitend zur klassischen Schulmedizin. Wir Osteopathen wünschen den Kontakt zu Ärzten und suchen auch den Austausch mit ihnen, um den Patienten möglichst umfassend helfen zu können. Mit immer mehr Ärzten besteht bereits eine gute und enge Zusammenarbeit. Und in eingigen Ländern ist es bereits völlig üblich, dass Osteopathie ergänzend zur ärztlichen Therapie eingesetzt wird.

Osteopathie beim Baby

babyclub.de: Mit dem Baby automatisch zum Osteopathen zu gehen ist fast schon ein Trend geworden. Ist das wirklich nötig?
Petra Gohl-Frohnmayer: Wenn die Eltern es wollen, macht es durchaus Sinn, den Säugling einmal einem Osteopathen vorzustellen und prüfen zu lassen, ob alles in Ordnung ist, denn er kann sich ja noch nicht selber äußern. Und hat er Beschwerden oder verhält er sich auffällig, sowieso. Der Osteopath kann dann vorsichtig erspüren, ob alles so ist, wie es sein soll – beispielsweise am Schädel oder an den Kopfgelenken, im Darm, an den Hüften, im Herzbereich, mit den Lungen, am Zwerchfell usw. Viele Probleme werden auch erst viel später bemerkt, hätten mit einer osteopathischen Untersuchung aber schon „im Frühstadium“ gefunden und behandelt werden können, da sie hier schon als Fehlspannungen oder Veränderungen im Gewebe zu spüren sind.

babyclub.de: Und was machen Sie dann mit einem Neugeborenen?
Petra Gohl-Frohnmayer: Wir versuchen, erst einmal die Spannung aus seinem Körper zu nehmen. Es war neun Monate lang sehr eingeengt und es gibt auch bestimmte Bereiche, die bei der Geburt besonders beansprucht werden. Wir unterstützen zudem die neuen Lebensfunktionen wie Atmung, das Herz, den Darm und helfen natürlich bei konkreten Beschwerden.

babyclub.de: und bei welchen Beschwerden macht Osteopathie Sinn?
Petra Gohl-Frohnmayer: Wenn das Baby Trinkprobleme hat, zum Beispiel durch einen Rückbiss, wenn es übermäßig viel schreit, sehr unruhig ist, sich komisch bewegt, sehr schlecht schläft oder auch, wenn bei der Geburt etwas anders als normal verlaufen ist. Medikamente, eine Saugglocke, eine Zange oder auch mechanischer Druck auf den Bauch der Frau können das Baby nachhaltig stressen.
Später kommen als mögliche Indikationen noch Schädelasymmetrien, Hüftglenksdysplasien, Fehlbildung der Schädelnähte, muskuläre Fehlspannungen und Verdauungsprobleme hinzu. Eine Therapie ist auch bei genetischen Syndromen wichtig wie zum Beispiel bei Trisomie 21. Auf längere Sicht kann man hier eine gute Verbesserung erreichen. Und bei Fehlbildungen oder Anomalien kann der Osteopath die gesunde Entwicklung des Kindes unterstützen.

babyclub.de: Wie läuft eine osteopathische Behandlung beim Baby ab?
Petra Gohl-Frohnmayer: Zuerst findet eine Begrüßung statt und das Kind bleibt bei der Mutter bzw. dem Vater. Sie oder er wird über die Schwangerschaft, die Geburt und den Grund des Besuches befragt, also was bei dem Kind auffällig ist usw. Dann nehme ich über die Hände Kontakt mit dem Kind auf und versuche zu erspüren, wo es Probleme hat und behandele diese. Oft zeige ich auch den Eltern Handgriffe, z.B. beim Rückbiss, durch die sie das Stillen unterstützen können oder wie man den Lymphfluss im Bauch anregt oder die Wirbelsäule und die Kopfgelenke entspannt.

babyclub.de: Worauf achtet der Osteopath bei einer Behandlung?
Petra Gohl-Frohnmayer: Das Baby muss sich wohl führen. Dazu lasse ich immer die vertraute Person in der Nähe und suche eine Ausgangsstellung, in der das Kind ruhig ist. Eventuell kann es dazu gestillt werden.

babyclub.de: Wie lange dauert eine Behandlung und wie oft sollte man diese durchführen lassen?
Petra Gohl-Frohnmayer: Das ist je nach Fall unterschiedlich. Manchmal reichen zwei bis drei Behandlungen aus, manchmal – wie bei stärkeren Asymmetrien – sollte das Baby zwei bis dreimal kurz hintereinander kommen und dann alle vier Wochen während des gesamten ersten Lebensjahres. Bei uns wird das kleine Kind 30 Minuten inklusive Gespräch mit der Mutter oder dem Vater behandelt.

Osteopathie in der Schwangerschaft

babyclub.de: Sollten auch Schwangere sich osteopathisch behandeln lassen?
Petra Gohl-Frohnmayer: Osteopathie kann eine Schwangerschaft (Link) sehr gut unterstützen, da der weibliche Körper durch die wachsende Belastung einiges aushalten muss. Ich betreue zum Beispiel immer wieder Schwangere mit Rückenschmerzen, aber auch mit Frühgeburtstendenzen – diese können aufgehalten werden, da dem Kind durch die Behandlung in seinem „Container“ wieder mehr Raum geschaffen und das Becken entlastet wird. Auch Probleme, wie schwere Beine, Throboseneigung, traumatische frühere Geburten, Narben durch Bauchoperationen wie frühere Kaiserschnitte oder auch Abbrüche entstanden sind, können wir gut therapieren.

Therapeutensuche und Krankenkassen

babyclub.de: Wie finde ich einen guten, seriösen Therapeuten?
Petra Gohl-Frohnmayer: Eine Ausbildung zum Osteopathen können Interessierte haupt- oder nebenberuflich absolvieren, auch als Bachelor- oder Masterstudiengang. Osteopathie darf jedoch rechtssicher nur der ausüben, der dazu noch eine (uneingeschränkte) Heilpraktikererlaubnis erworben hat oder Arzt ist. Dennoch ist „Osteopath“ kein geschützter Beruf und die großen Verbände bemühen sich schon lange um ein Berufsgesetz. Eine Therapeutenliste (Link), auch für die Behandlung von Kindern, findet man beispielsweise auf der Seite des VOD (Verband der Osteopathen Deutschland) und dem Bundesverband der Osteopathen BVO. Um in der Therapeutenliste geführt zu werden, muss man regelmäßige Fortbildungen vorweisen. Kindertherapeuten werden noch einmal extra gekennzeichnet. Die Kinderausbildung wird nach der Gesamtausbildung absolviert und umfasst 300 Stunden. – so bleibt beispielsweise einem Ostopathen sein Listenplatz nur dann erhalten, wenn er sich kontinuierlich weiterbildet.

In den USA und England ist Osteopathie übrigens ein eigenständiger, ärztlicher Beruf und dort wird auch dazu geforscht. Europa und Deutschland legen hier aber sukzessive nach, Interessierte können sich beim VOD (http://www.osteopathie.de/osteopathie-forschung ) informieren.

babyclub.de: was zahlen die Krankenkassen?
Petra Gohl-Frohnmayer: Einige gesetzliche Krankenkassen bezuschussen Osteopathie-Behandlungen, vorausgesetzt, der Therapeut ist qualifizierten (z.B. durch eine Mitgliedschaft im VOD, BVO) und es liegt eine schriftliche Behandlungsempfehlung des Arztes vor. Privatkassen und Zusatzversicherungen übernehmen in der Regel den größten Teil der Kosten. Am besten, man erkundigt sich jedoch bei seiner Kasse, was man tun muss, um einen Teil der geleisteten Zahlungen erstattet zu bekommen.

Weiterlesen: Tipps für interessierte Eltern
Baby-Nöte verstehen: Verblüffend einfache Alltagshilfen aus der osteopathischen Praxis / von Karin Ritter / TRIAS, Juni 2014
Kinder-Osteopathie: Sanfte Berührung in den ersten Lebensjahren / von Torsten Liem und Christof Plothe / Droemer Knaur, Mai 2009
Osteopathie, so hilft sie Ihrem Kind / von Christoph Newiger und Birgit Beinborn / TRIAS, Oktober 2005

Yoga für Kinder

Yoga für Kinder



Ruheinseln im Alltagstrubel

Viele Kinder stehen heute unter einem permanenten Dauerdruck. Ihr Terminkalender ist oft so voll wie der eines Erwachsenen. Bereits früh bleibt ihnen kaum freie Zeit, sondern sie gehen in die musikalische Früherziehung, Sportprogramme, Fremdsprachen, Computerkurse und vieles mehr. Gerade in der Kindheit und Jugend müssen wir Emotionskontrolle und soziale Kompetenzen lernen. Schaffen die Kinder es nicht, mit den überfordernden Umständen umzugehen, kann es zu Symptomen wie Wut, Angst, Lernschwierigkeiten, Verspannungen, Migräne, Magen-DarmBeschwerden, Schlafproblemen und mehr kommen.
Um die innere Spannung abzubauen eignen sich körperzentrierte Therapien mit denen wir die Selbstwahrnehmung und Kontrolle schulen. Hier eignet sich für die Kinder das Yoga.
Die Haupteffekte des Kinderyogas:
Nervensystem und Psyche
Ein besserer Umgang mit Belastungen, reduzierte Stressempfindlichkeit, Abnahme von Ängsten,verringerte Impulsivität, gesteigerte Konzentrationsfähigkeit, Abnahme von Schlafstörungen, erhöhtes Selbstvertrauen usw.
Herz-Kreislaufsystem
Senkung des Blutdrucks, verbesserte Durchblutung,Erhöhung der allgemeinen Fitness.
Atmungsorgane
erhöhte Lungenkapazität, weniger Erkältungen.
Bewegungs- und Stützapparat
bessere Beweglichkeit und Balancefähigkeit, Abnahme eines zu hohen Muskeltonus und von Rückenschmerzen
Innere Organe
Positive Wirkung auf den Stoffwechsel und die Verdauungsorgane, Unterstützung des Immunsystems, Abnahme von Magen- und Darmbeschwerden.

Wie wirkt Kinderyoga

Eine klassische Kinderyogastunde umfasst verschiedene Körperübungen (Asanas), Meditation und verschiedene Atemtechniken (Pranayama), es wird aber auch über positives Denken und die Ernährung gesprochen.

Asanas
Die Asanas sind kindgerecht gestaltet und die Namen der Körperübungen regen bereits die Fanatsie der Kinder an. Durch die Konzentration auf die Ausführung und das Wahrnehmen der eigenen Bewegung wie Atmung und Herzschlag setzt bereits eine Entspannung ein. Da die Ansanas Spannen und Entspannen enthalten, können sich mit den muskulären Spannungen auch die innere Anspannung von Angst und Unruhe lösen. Die Übungen beanspruchen sämtliche Gelenke, ein Großteil der Muskeln wird effektiv gedehnt und gestärkt.So wird ihr Körper mit der Zeit immer kräftiger, Koordinationsfähigkeit, Balance und Körperhaltung verbessern sich.

Meditation
Mit den Kindern werden abwechslungsreiche Phanatsiereisen durchgeführt. Ihre Aufmerksamkeit wird dabei auf innere Körperempfindungen und Gefühle gelenkt, die sie aus der Perspektive des Beobachters kennen lernen, ohne sie dabei zu bewerten oder darauf zu reagieren. So wird eine neue Bewertung von Reiz-Reaktionsketten möglich und eine Änderung von Haltungen und Verhaltensweisen. Durch das regelmäßige Ausüben findet mit der Zeit eine Konditionierung statt und die Kinder können in den stressigen Situationen durch das Aufrufen der inneren Bilder gelassener reagieren.

Pranayama
Bei den älteren Kindern sind gezielte Atemtechniken möglich. Das Ziel ist die Ausatmung zu verlängern. Das hilft dabei zur Ruhe zu kommen und in Stresssituationen Anspannung abzubauen. In unserem Sprachgebrauch kennen wir den gut gemeinten Ausdruck „Erst einmal tief durchatmen“.

Es ist sicherlich schön, wenn das Yoga eventuell auch mit den Eltern durchgeführt werden kann. Bei dieser Auszeit profitieren beide Seiten und stärken das Miteinander, das hier nicht mit der Organisation des Alltags verbunden ist.

Weitere Hinweise:

Sollte in Ihrer Nähe kein passendes Angebot sein, möchte ich auf die App und das Buch von Frau Gabriele Hella Bucher (Yogalehrerin) verweisen.
In der App hat sie folgende Gliederung:
Lockerungsübungen
Übungsreihen
Augenübungen
Entspannungsübungen
Bewegungsspiele
Die App ist mit vielen Bildern selbsterklärend und auch für Kinder ansprechend gestaltet. In die App fließen auch Erkenntnisse aus dem Brain-Gym ein, das in der Kinesiologie zur Förderung von Lese- und Rechtschreibeproblemen eingesetzt wird.

Natur und Heilen September 2017 S.30-37
Leila Kadri Oostenforp, Elsa Mrozievicz Bahia, Yoga für Kinder: Fröhliche Tier-Asanas, Prestel Verlag 2016
Markus Stück: Wissenschaftliche Grundlagen zum Yoga mit Kindern und Jugendlichen., Schibri-Verlag, 2011
Familienyoga-Wochenende bei: www.yogahaus-ganesha.de
Yoga für Kinder, Aufmerksam Lernen, App und Buch erhältlich unter www.gi-yoga.de

Wie entsteht Bewegung

Lachende Kinder

Wie baut sich Bewegung auf

Die Bedeutung des Rhythmus

Der Körper ist eine lebendige Matrix. Die Information zwischen verschiednen Teilen passiert nicht nur über Nervensignale, sondern auch durch elektromagnetische Impulse unterschiedlicher Frequenzen. Die Faszien, die alles im Körper verbinden, alles umhüllen bis in den Interzellularraum sind Überträger dieser Schwingungen.
Die rhythmischen Bewegungen verursachen eine periodische, sich ständig verändernde Stimulation des Gehirns, die vom Gleichgewichtssinn, dem Tastsinn und der Tiefeinsensibilität ausgeht. Bei diesem Prozess werden Nervensignale durch Transmitterstoffe wie Dopamin, Glutamat, Gaba usw. übertragen. Solche wechselnden, oszillierenden Stimulationen sind wesentlich wirksamer. Die kontinuierlichen
Nervenreize führen zur sogenannten Gewöhnung und werden dann nicht mehr wahr genommen.
Informationen werden auch durch unterschiedliche Arten von Energie durch das gesamte System des Körpers übertragen und zwar in Form von Licht oder elektromagnetischer Strahlung, Geräuschen, chemische oder mechanischer Energie. Viele der wichtigsten Bestandteile der Muskeln und des Skeletts liegen spiralförmig vor. Dadurch erhalten sie Elastizität und eine gute Resonanzfähigkeit. Die Muskelketten sind spiralförmig angelegt und folgen den Meridianen der chinesischen Medizin. Die Knochen verformen sich unter Belastung spriralförmig. Unsere Bewegungsprogramme sind spiralförmig. Das Blut fließt spiralförmig, die DNA ist spiralförmig.

Das Stammhirn

ist der älteste Teil des Gehirns. Dort sind alle lebenswichtigen Vorgänge organisiert und ist für die Selbsterhaltung der Art wichtig. Es ist das neuronale Fahrgestell.
Beim Fötus entwickelt sich das Stammhirn schrittweise. Über das retikuläre Aktiviertungssystem (RAS) erhält es aus allen Teilen des Körpers Informationen: Gleichgewicht, Tiefensensibilität, Proprioception (Eigenwahrnehmung), Seh-, Hör- und Tastsinn. Es steuert damit die Herz- und Atemtätigkeit. Den Muskeltonus. Wird das Stammhirn zu wenig angeregt, kommt es zu einem zu schwachen Muskeltonus.

Die motorische Aktivität des Fötus beruht auf den primitiven Reflexen. Das sind automatische, stereotype,vom Stammhirn gesteuerte Bewegungen. Diese Reflexe entwickeln sich nach und nach in unterschiedlichen Stadien der Schwangerschaft, müssen reifen und müssen schließlich durch die Basalganglien gehemmt und in das gesamte Bewegungsmuster des Babys integriert werden.
Ein Kind, dessen primitive Reflexe bei der Geburt nicht richtig entwickelt und reif waren, hat es schwerer, diese rechtzeitig zu hemmen, als wenn die Reflexe voll ausgereift waren. Dies gilt für Frühgeburten und Kaiserschnittkinder.

Das Kleinhirn

ist eine Ausbuchtung des Stammhirns. Es erhält Signale von den Rezeptoren der Tiefensensibilität und dem Tastsinn. Zwischen dem Kleinhirn und dem motorischen Kortex gibt es wichtige Nervenverbindungen, so dass es eine Rolle bei der Bewegungskoordination spielt. Gemeinsam mit den Vestibularkernen (Gleichgewichtssinn) bestimmt das Kleinhirn unsere Orientierung im Raum. Seine Aufgabe besteht darin, für geschmeidige, leichte und koordinierte Bewegungen zu sorgen und Abweichungen der ausgeführten Bewegung zu korrigieren.
Das Kleinhirn hat auch eine starke Verbindung:
-zum präfrontalen Kortex. Er ist verantwortlich für Aufmerksamkeit, Planung, Urteilsvermögen und Impulskontrolle.
-zum Sprachzentrum (Wernecke- und Brocazentrum)
-zum Sehareal im Frontallappen für die Augenfolgebewegung

Das reptilienhafte Gehirn

liegt neben dem Stammhirn und ist evolutionär neuer. Es steuert die soziale Interaktion, die durch Rituale, Routineabläufe und strenge hierarchische Unterordnung gekennzeichnet ist. Hier liegen die Basalganglien. Sie steuern automatische Haltungsreflexe im Gravitationsfeld. Sie sind Mittler der Bewegungssteuerung zwischen Stammhirn und Neokortex. Hier werden die Haltungsreflexe gebildet, die uns ein Leben lang erhalten bleiben und nicht der Willkür unterliegen. Diese Haltungsreflexe sind für unsere Stabilität wichtig, dass wir im Vierfüßlerstand, beim Sitzen, Stehen und Gehen das Gleichgewicht behalten und wir diese Funktionen automatisch ausüben können.
Wenn wir den Entschluss fassen, uns zu bewegen, schickt der motorische Kortex Signale an die Basalganglien, damit die Hemmung reduziert wird.

Die motorische Entwicklung des Babys

Die Motorik des Neugeborenen wird von primitiven Reflexen gesteuert. Wenn es spontane rhythmische, altersentsprechende Bewegungen macht, werden die primitiven Reflexe gehemmt und die Haltungsreflexe ausgeprägt. Es gibt ein inneres Programm für diese Entwicklung.
Bei den Kindern, wo diese primitiven Reflexe nicht genügend integriert werden, kommt es zu vielfältigen Störungen wie ADS, ADHS, Seh- und Hörprobleme, Muskeltonusprobleme, emotionale Probleme usw.

Der Tonische Labyrinthreflex TLR

Ist der Kopf des kleinen Kindes gebeugt, dann beugen sich auch die Gliedmaßen wie Arme und Beine.
Wird der Kopf gestreckt , strecken sich Arme und Beine. Der rückwärtige Teil wird während der Scheidengeburt durch die starke Streckung des Kindes beim Austritt aktiviert und hilft, dass die Rückenstrecker einen Tonus aufbauen, der dann für das Heben des Kopfes in Bauchlage wichtig ist.
Wird der TLR nicht richtig integriert, verändert sich der Muskeltonus durch die Kopfbewegung nach hinten oder vorn und bringt das Gleichgewichtszentrum durcheinander. Diese Kinder haben Schwierigkeiten damit, Raum, Entfernung, Abstand, Tiefe und Geschwindigkeit abzuschätzen.
Anzeichen für einen aktiven TLR
-Schwierigkeiten, den Kopf hochzuhalten
-schwache Nackenmuskeln
-zusammengesunkene Haltung
-schwacher Muskeltonus, hypermobile Gelenke
-Probleme beim Heben der Arme, beim Klettern
-Augenmuskeln arbeiten nicht korrekt, Tendenz zum Schielen
-angespannte Muskeln, Tendenz zum Spitzengang
-Gleichgewichtsprobleme beim Schauen nach unten und oben
-Koordinationsprobleme

Der Landau-Reflex

im Alter von 4 Wochen beginnt ein Baby in Bauchlage den Kopf zu heben, nach 1-2 weiteren Monaten hebt es den Oberkörper und Kopf (oberer Landau). Mit 4 Monaten hebt es zusätzlich noch die Beine (unterer Landau) und sieht aus wie ein Fisch auf dem Trockenen. Der Landau-Reflex sollte bis zum 4 Lebensjahr abgebaut sein. Wenn das Kind den Oberkörper heben kann, werden die Arme frei für die Greiffunktion. Dies dient der Entwicklung des Nachsehens, Augenintegration und 3 dimensionales Sehen. Wenn der Landau nicht ordnungsgemäß entwickelt wird, kann sich der TLR nicht abbauen.
Folgen sind ein schwacher Tonus der Rückenmuskeln und eine effiziente Zusammenarbeit des Ober- und Unterkörpers wird gestört.

Der symmetrisch tonische Nackenreflex STNR

Er entwickelt sich mit 6 Monaten und sollte bis vom 9 -11 Monat abgebaut sein. Dieser Reflex ermöglicht dem Kind den 4-Füßler Stand zu entwickeln. Noch bevor es zum Krabbeln kommt, muss er integriert sein. Strecken sich die Arme, beugen sich die Beine, Beugen sich die Arme, stecken sich die Beine. Integriert wird er durch das Schaukeln im 4-Füßler-Stand.
Ist er nicht integriert, sitzt das Kind wie ein Kartoffelsack, es fehlt die Kraft in den Armen. Er ist wichtig für das binokulare Sehen (Koordination der beiden Augen) und der Akkommodation (Weit- und Nahsehen). Dies kann später zu Leseproblemen führen.

Der Spinale Galantreflex

Streicht man rechts oder links der Lendenwirbelsäule entlang, dreht sich die Hüfte der gleichen Seite. Der Reflex entwickelt sich 20 Wochen nach der Empfängnis und sollte sich zwischen dem 3-9. Monat abbauen. Im Mutterleib ist der wichtig für die Weiterleitung der Körpervibration zur Entwicklung des Gleichgewichtssinnes. Während der Entbindung unterstützt er den Weg durch den Geburtskanal. Wird dieser Reflex nicht integriert, so ist die Entwicklung des Amphibienreflexes gestört, was zu Schwerfälligkeit des Unterkörpers und Anspannung in den Beinen führt. Diese Kinder sind hyperaktiv und unruhig. Ältere Kinder fixieren die Lendenwirbelsäule mehr und werden dort unbeweglich, was im Erwachsenenalter zu Rückenproblemen führen kann.

Der Spinale Perez-Reflex

Er tritt bei der Geburt auf und sollte zwischen dem 3-6. Lebensmonat integriert sein. Streicht man mit dem Finger entlang der Wirbelsäule von der Brustwirbelsäule bis zum Steiß streckt das Kind die Wirbelsäule und Arme und Beine. Er unterstützt die Entwicklung des Landau und des STNR und ist für die Entwicklung des 4-Füßler-Stand wichtig.
Baut sich der Reflex nicht ab, kommt es zur Empfindlichkeit im Bereich der BWS.

Der Amphibienreflex

Er ist lebenslang erhalten. Ausgeprägt wird er im Alter von 4-6 Monaten. Das Heben des Beckens auf einer Seite verursacht die automatische Beugung von Arm,Hüfte und Knie derselben Seite. Er entwickelt sich zuerst in Bauchlage und dann in Rückenlage. Seine Ausprägung beginnt erst, wenn der ATNR einigermaßen integriert ist. Bevor das Kind Überkreuzbewegungen machen lernt, muss der Amphibienreflex vorhanden sein.

Der Furcht und Lähmungsreflex

Der Furcht-Lähmungsreflex ist einer der frühsten Rückzugsreflexe, die bereits im 2 Monat nach der Empfängnis auftreten. Er ist kein primitiver Reflex, da er nicht über Sinne ausgelöst wird. Der Reflex sollte als Stressreaktion der fötalen Zellen betrachtet werden. Bei Auslösung entstehen Stressproteine, die die Zellwand weniger durchlässig machen und den aktiven Zelltransport behindern. Gleichzeitig ist der Fötus starr und bewegt sich nicht. Er wird meist durch äußere Faktoren ausgelöst wie z.B. elektromagnetische Strahlung, Gifte usw. Manchmal kann sich die Überempfindlichkeit auf den Geruch und den Geschmack erstrecken. Stress kann bei diesen Menschen nicht gut integriert werden.

Moro-Reflex

Er beginnt in der 12 Schwangerschaftswoche und sollte in der 30 Woche abgebaut sein. Wird der Furcht-Lähmungsreflex nicht gehemmt, kann es zur Blockade der Entwicklung und der Integration des Moro-Reflexes kommen. Der Moro-Reflex wird ausgelöst durch starke und unangenehme Stimulation des Gleichgewichts-, Gehör-, Sehsinn oder der Tiefensensibilität, durch eine rasche Änderung der Kopfposition, einem lauten Ton oder visuellen Reiz.
Zuerst nimmt das Kind einen tiefen Atemzug und streckt Arme und Beine
dann beugt es diese wieder und beginnt zu weinen.
Im Mutterleib dient es die Atemmuskeln zu trainieren
Wird er nicht abgebaut kann es zu Auffälligkeiten mehrerer Sinne kommen:
-Sehsinn: große Pupillen mit langsamer Reaktion auf Licht, dadurch schlechtes Dämmersehen und -Lichtüberempfindlichkeit
-Gehörsinn: Geräuschüberempfindlichkeit, Schwierigkeit Hintergrundlärm auszublenden
-Gleichgewichtssinn: Reisekrankheit, Probleme mit dem Gleichgewichtssinn
-Tastsinn: Überempfindlichkeit auf Berührung
-Tiefensensibilität: Überempfindlichkeit auf plötzlichen Lagewechsel

Reflexe zur Koordination über die Mittellinie

Das Baby bewegt seine Körperhälften noch unabhängig von einander. Die Verbindung über die Mittellinie, das Corpus callosum (Balken) muss sich noch entwickeln. Dazu dient unter anderem der

Der Asymmetrisch Tonische Nackenreflex ATNR

Er entwickelt sich 18 Wochen nach der Empfängnis und sollte bis zum 6. Monat integriert sein. Dreht das Kind den Kopf zu einer Seite, werden Arm und Bein dieser Seite gestreckt, die der anderen Seite gebeugt. Der ATNR löst beim Fötus Kickbewegungen aus, die die Mutter spürt. Er trainiert das Sehen mit beiden Augen, beim Lesen die Bewegung der Augen über die Mittellinie.

Babkin-Reflex

Ein leichter Druck in die Handflächen eines Babys löst ihn aus. Das Kind öffnet den Mund neigt den Kopf vor oder zur Seite und macht Saugbewegungen. Er entwickelt sich im 2. Monat nach Empfängnis und sollte zwischen dem 3-4. Monat integriert sein. Er steuert die Handbewegungen. Seine Integration ist später für die Feinmotorik wie Schreiben wichtig. Handkoordination und Sprechen hängen zusammen. Der Hand- Mundkontakt des Kindes wird durch diesen Reflex aktiviert. Ist er nicht ausgeprägt, dann findet zu wenig sensorische Reizung des linken Scheitellappens statt, und die Sprachbildung kann sich verzögern.

Greifreflex

Fasst man das Baby an den Fingern, wird der Greifreflex ausgelöst. Zieht man es hoch, strecken sich die Arme. Er entwickelt sich im 3. Schwangerschaftsmonat und sollte während des 1. Lebensjahres integriert werden. Er ist wichtig für die Hand- Augen-Koordination, das beidäugige Sehen und die Zusammenarbeit der Gehirnhälften. Später ist er für die Ohrkoordination wichtig. Wenn es den Greifreflex integriert, lernt es gleichzeitig die Richtung und Entfernung eines Geräusches abzuschätzen. Durch das Wegwerfen übt das Kind dies. Ein persistierender, aktiver Greifreflex verursacht Verspannungen im Schulterbereich, das Kind kann Bewegungen der Schulter und der Hände nicht unterscheiden.

Hochziehreflex

Man fasst das Kind an den Händen und zeiht es heran. Es beugt die Arme und unterstützt das Heranziehen. Er erscheint in der 28. Schwangerschaftswoche und sollte zwischen dem 2-5 Monat integriert werden. Er vermischt sich mit den Greifreflex.

Der Babinskireflex

Er entwickelt sich im 1. Monat nach der Geburt und sollte bis zum 2. Lebensjahr integriert sein. Er ist für den Muskeltonus des Unterkörpers wichtig. Ist er wenig ausgeprägt sind die Kinder oft „plattfüßig“ und mögen nicht laufen. Sie laufen auf der Innenkante der Füße.

Der Plantarreflex

Drückt man mit dem Daumen zwischen den Zehen und dem Fußgewölbe auf die Sohle des Kindes, kommt es zur Beugung der Zehen. Dieser Reflex erscheint in der 11. Schwangerschaftswoche und sollte im 7-8. Monat integriert sein. Auch er ist für die phonologische Integration wichtig.

Das limbische System

Es ist im mittleren Bereich des Gehirns lokalisiert und ist bei den Säugetieren vorhanden. Seine wichtigste Aufgabe ist die Steuerung der Emotionen.
Für unser Überleben ist das limbische System entscheidend
-es steuert und reguliert unser Innenleben
-es hat eine wichtige Rolle für die Beziehung der Individuen zu seiner Umgebung und erhält entsprechend Informationen vom Tastsinn, der Tiefensensibilität, dem Gleichgewichts-, Seh-, Geschmacks- und Geruchssinn.
-Durch den Vagusnerven erhält es Informationen der inneren Organe wie Magen, Herz usw.
-Hier wird Stress verarbeitet, Flucht und Fliehen
-es hat engen Kontakt zu unserer Gedankenwelt wie „Schmetterlinge im Bauch“
-es ist wichtig für die Gedächtnisbildung. Daher lernen wir besser, wenn wir emotional beteiligt sind.

Bleibt der Mororeflex erhalten drückt sich diese Spannung auch im Körper aus durch ein angespannte Zwerchfell und Atemmuskeln und er Muskeln von Brust und Hals. Die Beugemuskeln werden kontrahiert und die Wadenmuskeln verkürzen sich. Nacken- und Rückenmuskeln sind verspannt. Wilhelm Reich prägte den Begriff „Muskelpanzer“.
Bei andauerndem Stress werden im Gehirn Enkephaline gebildet. Sie vermindern Schmerzen und erhöhen die Aktivität.
Persönliche Erfahrungen sind es, die uns als Individuen ausmachen, was wir sehen, hören und spüren.

Bis zum Alter von 3 Jahren sollte das reptilienhafte Gehirn im Großen und Ganzen vernetzt sein. Danach kann das Kind seine Individualität ausprägen. Es kommt in die Trotzphase.
Im Alter von 8-9 Jahren machen die Kinder einen weiteren Entwicklungsschritt in der Verknüpfung zum präfrontalen Kortex. Das logische Denken gewinnt auf Kosten des symbolischen, fantasievollen Denkens die Oberhand. Kinder werden fähig, sich die Zukunft vorzustellen und sich mit anderen zu vergleichen. Sie verstehen, dass ihre Eltern nicht alles bewerkstelligen können, erfahren ihre eigenen Grenzen und müssen viele ihrer Träume aufgeben.
Wenn die neuronalen Netze zwischen dem präfrontalen Kortex und dem limbischen System nicht genügend entwickelt wurde oder der präfrontale Kortex vom Kleinhirn oder den Basalganglein nicht genügend stimuliert wird, haben wir ein größeres Risiko von unseren Emotionen überwältigt zu werden, es kommt zu Ausbrüchen von Wut und Angst.

Die Kinesiologie, die Lehre der Bewegung, hat sich mit diesen Problemen intensiv beschäftigt. In Kirchzarten im Institut für angewandte Kinesiologie gibt es viele Kurse zu diesen Themen. Seit 30 Jahren werden dort führende Dozenten zu vielfältigen Themen eingeladen.

Im Verlag für angewandte Kinesiologie wurden viele der englischsprachigen Bücher übersetzt und angeboten. Aus diesem Angebot möchte ich zu dem obigen Thema einige empfehlen:

Bewegungen die heilen, Dr. Harald Blomberg
Greifen und BeGreifen, Sally Goddard Blythe
Bewegung-Das Tor zum Lernen, Carla Hannaford
Superfaktor Bewegung, Dr. John Ratey, Eric Hagermann
Brain Gym- Das Handbuch, Paul E. Dennison, Gail E. Dennison

Die rhythmischen Übungen zur Stimulation des Stamm- und Kleinhirns finden Sie im Buch von Dr. Blomberg
Übungen zur Reflexintegration können Sie unter Youtube finden

Rückbiss

Als Osteopathen haben wir das Glück mit allen Altersstufen arbeiten zu dürfen und durch unsere Hände zu erfahren, wie die Strukturen sich im Laufe des Lebens verändern und zu welche Problemen sie im Laufe der Jahre ausbilden können.
Bei unserer Arbeit mit Säuglingen begegnen wir immer wieder Neugeborenen, die mit dem Saugen Probleme haben. L.Haller (1) beschreibt die Funktion des Stillens und seine physiologischen Voraussetzungen. Der Säugling muss fähig sein die Brustwarze der Mutter mit seinen Lippen zu umfassen und mit der Zunge in einer melkenden Bewegung diese gegen den Oberkiefer auszustreichen. In seinem Artikel beschreibt L.Haller einige mögliche Ursachen. Die Problematik des Rückbisses, der allermeist durch ein zu kurzes Zungenbändchen hervorgerufen wird, fehlt in diesem Artikel. Leider wird heutzutage viel zu wenig auf diese Problematik eingegangen und dies hat weit reichende Folgen. Diese möchte ich gerne darstellen. Früher wurde viel häufiger das Zungenbändchen sofort durchtrennt und damit konnte der Säugling ein physiologisches Schluckmuster entwickeln. Ein kleiner Eingriff im Verhältnis zu den möglichen Folgen.
Ich möchte darauf hinweisen, dass nicht nur ein zu kurzes Zungenbändchen zu einem Rückbiss führt. Es gibt eine genetische Disposition dazu. Eine traumatische Geburt bei der viel Schub auf das Gesicht statt findet, wäre auch eine mögliche Ursache.

Kindliche Entwicklung

Wenn sich das physiologische Schluckmuster nicht einstellt, bei der die Zunge den Oberkiefer „massiert“, findet zu wenig Mobilisation der Kopfgelenke, der Kopfschwarte und des Occiput statt. Das Hyoid bleibt bewegungseingeschrängkt. Meist flacht sich in Folge das Occiput ab , die Halsfaszien sind restrikt, die Mobilität der beiden Claviculae schränkt sich ein und der Herzbeutel ist rigide. Die linke Zwerchfellkuppel hat oft eine erhöhte Spannung. Diese Kinder haben häufig auch eine Neigung zur Strecktendenz.
Im 3. Lebensmonat müssen die Säuglinge (4,5) die Grundreflexe wie ATNR, STNR usw. abbauen, damit sich die höheren Funktionen wie Gleichgewicht, Hören, Sehen, Proprioception aufbauen können. Hier ist eine gute Mobilität der oberen Kopfgelenke von höchster Bedeutung.
Prof. Breul wies in einem Faszienkurs darauf hin, dass die externe Kopfschwarte gegenüber den duralen Einscheidungen im Bereich der Kopfgelenke wie die Falx Cerebri, dem Duralsack des Rückenmarks wie eine Wippe funktioniert. In der Osteopathie besteht über den Core link eine enge Verbindung zwischen den Falxen und den unteren Anheftungen des Duralschlauchs im Bereich des Beckens. Beim kleinen Kind sind die inneren und äußeren Hirnhäute noch nicht getrennt. Um so wichtiger ist dann eine ausreichende Dynamik der inneren und äußeren Bedeckungen des Gehirns. Graham Scarr (7) weist in seinem Artikel in der Zeitschrift DO auf diese Zusammenhänge hin. Eine fehlende Mobilität hier kann ganz vielfältige Probleme in der Gehirnentwicklung zur Folge haben, sich aber auch noch in ganz anderen Bereichen zeigen wie die Entwicklung des Kiefers, des Nasen- und Mundraumes, den Augenhöhlen, dem Zwerchfellbereich mit Manubrium, Sternum und Rippen, den Hüften usw. (8)

Herz

Direkt nach der Geburt finden im Bereich des Herzeingangs Umgestaltungen statt. In der Wand der Vorhöfe muss sich das Foramen ovale schließen. Im Bereich der Aorta, den Lig. teres, den Lig. umbilicalia kommt es zu Umstrukturierungen. Durch die Festigkeit des Mundbodens, der Halsfaszien, der zentralen Sehnen bleiben hier in den sensiblen Zonen wie der Aorta, den beiden Art. brachiocephalica eine erhöhte Spannung. Die praktische Erfahrung zeigt, dass eine Entspannung im Bereich des Thoraxeingangs den Säugling unterstützt, dass diese Umbildungen sich entwickeln können und dass sich das Foramen ovale in den Atrien schließt. Für die explosionsartige Entwicklung des Gehirns ist eine gute Durchblutung wichtig. (9)

Durchblutung Gehirn

Stecco (10) und Meert (11) stellen die Verhältnisse im Bereich des Mundbodens und seiner Beziehung zu den arteriellen Zuflüssen zum Gehirn dar. Fehlspannungen im Mundbodenbereich können zu Durchblutungsstörungen des Gehirns führen. Meert weist ebenfalls auf die Bedeutung der syhphonartigen Schlingen der Art. vertebralis und der Art. carotis int. hin. Diese sollen den Blutfluss in den Arterien verlangsamen, so dass im Bereich des Gehirns die Nährstoffe besser abgegeben werden können. Lemcke und Meier Ärzte der Neurochirurgie im Unfallkrankenhaus Berlin stellen in ihrem Artikel dar, dass unelastische Hirnschlagadern zu zu heftig pulsierenden Blutfluss im Gehirn führt und möglicherweise die das Ventrikelsystem schädigen können, dass es möglicherweise zu einem inneren Hydrocephalus kommt. Die Veränderungen im Ventrikelbereich führen ihrer Ansicht nach eventuell zu Demenz. Spannungen im Mundbodenbereich machen die Carotis und Vertebralisarterie vulnerabel und können so die Entstehung von Plaques fördern.

Lymphe

Erst vor sehr kurzer Zeit wurde von Knipis entdeckt, dass das Gehirn doch über ein Lymphsystem verfügt. Nach Aussagen des Forscherteams folgt das Lymphsystem den Arterien in den Schädel, fließt in den Hirnhäuten und wird entlang den Venen wieder abtransportiert. Der Transport wird durch Hilfszellen, so genannte Astrozyten, unterstützt: Sie verbinden Zu- und Ableitung und verfügen vor allem an den Kontaktpunkten mit den Blutgefäßen über Wasserkanäle (Aquaporine), die Wasser in den interzellulären Raum gelangen lassen. Als die Forscher diese Aquaporine hemmten, ließ die Leistung des Abtransports erheblich nach.
In den Kursen Tiefencranio weist Neumann darauf hin, dass sie in Präparationskursen mit Prof. Breul darstellen konnten, dass die einzelnen Gehirnstrukturen wie Thalamus, Hypothalamus usw. mit Faszien umscheidet sind. Gerade für uns Osteopathen erklären diese Entdeckungen einige Phänomene, denen wir bei unserer Arbeit begegnen, zeigen aber auch die Wichtigkeit der Arbeit mit dem faszialen System des Schädels.
Bei der Arbeit mit Kleinkindern, bei denen der Schädelknochen noch nicht von den Hirnhäuten getrennt sind, begegnen wir immer wieder Kinder mit einem sehr harten, kompakten Schädel. Gerade hier ist die Arbeit mit dem gesamten faszialen System des Schädels, den Falxen, der Dura, dem Bereich der Sutura occipitomastoida, dem M. sternocleido und dem Mundboden von großer Bedeutung um die Gesamtdynamik des Schädels zu aktivieren.
In der Osteopthie gibt es das Konzept der Diaphragmen, die alle zusammenarbeiten. Für mich stellt sich der Mundboden ebenfalls als Diaphragma dar, das mit der Atembewegung wie auch der Beckenboden mitschwingt. Über das fasziale System ist der Mundboden mit der Achselhöhle verbunden. Herrscht hier zwischen Mundboden, Platysma, Schlüsselbeine und dem Pectoralis major und minor zu viel Spannung, kann die Lymphe über den venösen Rappel nicht genügend abtransportiert werden.

Venöses System

Meert (14) zeigt sehr anschaulich die Funktion des venösen Systems. Thon (15) weist auf die Bedeutung des Venensystems um das Rückenmark herum hin. Kavales, portales und vertebrales Ve- nensystem funktionieren eher parallel zueinander als aufeinanderfolgend und repräsentieren die 3 embryologischen Gewebederivate Mesoderm , Entoderm und Ektoderm Das vertebrale Venensys- tem ist mit allen venösen Systemen (außer dem koronaren) verbunden und ihm kommt dadurch eine vermittelnde Rolle zu. Es besitzt keine Klappen und auch keine festgelegte Flussrichtung. Vielmehr kann es Druck aus dem portalen oder kavalen System aufnehmen und umleiten und dient dadurch dem Erhalt der inneren Homöostase. Das darin enthaltene Blut bewegt sich ebbe- und flutartig auf und ab und erneuert sich durch den regelmäßig Zu- und Abstrom. Dies widerspricht der Vorstellung eines sich ständig im Kreis bewegenden Systems.
Unser Augenmerk sollten wir auf die Orte der Anastomosen zwischen den 3 Systemen legen. Diese liegen im Bereich des Beckendiaphragmas und des abdominalen Diaphragmas, wo sich portales, kavales und vertebrales System treffen, und im kranialen Bereich in der Region um den Sinus cavernosus und Plexus venosus pterygoideus, wo das vertebrale System über die kranialen Sinus die zentrale Achse verlässt und weiter peripher in das kavale System einmündet.
Ein Stau oder Fehlspannungen im Bereich der Anastomosen führt zu einem verminderten Abtransport der Metaboliten. Eine verstärkte Füllung führt zu einer mangelnden Flexibilität der Wirbelsäule.

Nerven
Meert beschreibt ausführlich die Lage der Nerven im Bereich des Mundbodens und mögliche Entrapment-Syndrome. Ich möchte das Augenmerk noch auf eine weitere Region lenken, deren Bedeutung von Porges in seinem Konzept „Die Polyvagale-Theorie (17,18) dargestellt wurde. Er zeigt wie stark diese Region für unseren emotionalen Ausdruck wichtig ist. Wenn bei dem kleinen Kind es hier bereits zu Funktionsstörungen kommt und der sprachliche Ausdruck, der Gesichtsausdruck, die Steuerfähigkeit von Herz und Lunge eingeschränkt sind, braucht das auch im späteren Leben immer eine erhöhte Kraft um gegen die Widerstände anzuarbeiten. Bei unserer täglichen Arbeit begegnen wir vielen Patienten mit einem hohen Tonus im Bereich des Nackens, dem Gesicht und Mundbereich. Sich mimisch nicht genügend ausdrücken zu können, oder Stress im Mundbereich abbauen zu können wird sich auf den psychischen Bereich auswirken. Diese Spannung saieht man den Meschen oft schon im Gesicht an.

Fasziales System
Myers zeigt in seinem Buch Anatomy trains im Anhang den engen Zusammenhang der myofaszialen Ketten mit den Meridianen der chinesischen Medizin. In der TCM gehören der Funktionskreis Herz und Dünndarm, zusammen mit dem 3 facher Erwärmer (Schilddrüse) und dem Herzbeutel . Diese Zusammenhänge kann man in der faszialen Arbeit bei den kleinen und großen Patienten nachvollziehen. Bei den Kleinen, die einen Rückbiss haben, findet man Spannungen vom Mundboden über die Halsfaszien, Schlüsselbeine, Herzbeutel bis in den Bereich der linken Zwerchfellkuppel. Bei diesen Kindern ist dann nach kranial eine erhöhte Spannung im Bereich des gleichseitigen Occiput und Temporale. Durch die erhöhte intraossäre Spannung im Os temporale kann es möglicherweise zu Ohrproblemen kommen.
Eine weitere wichtige myofasziale Kette ist die oberflächliche Frontallinie. Die Spannungen aus dem Mundbodenbereich übertragen sich unter anderem auf das Brustbein. Viele dieser Kinder haben die Tendenz zu einer Trichterbrust. Gerade der Bereich des Processus xyphoideus wird hier resrikt. In diesem Bereich (20) kreuzen viele Kraftlinien innerhalb des faszialen Systems. Über das Zwerchfell ist dieser Bereich mit den Zwerchfellschenkeln verbunden. Diese Patienten ob groß oder klein neigen hier zu Bewegungseinschränkung in Lateralflexion und Rotation. Bei den Kleinen drückt sich dies oft durch ein verspätetes Krabbeln aus. Diese Region ist durch die zentrale Sehne mit der Vorderseite der WS verbunden bis zum Foramen major und kaudal bis zum Os coccsys. Wie im Bereich der Kopfgelenke die äußeren und inneren Strukturen zusammen wirken müssen, so auch hier.
Durch die Spannungen im Bereich des Herzeingangs, im Bereich der Zwerchfellschenkel, aber auch im Bereich des Leistenbandes kann hier möglicherweise der Blutfluss und Abfluss Richtung Bein gestört werden. Bei vielen Kleinen findet man eine fehlende Moblilität der ISG, Beckenboden, Membrana obturatoria (Blutzufluss zur Hüfte) und Adduktoren. Diese Spannungen hier können im Blutsystem aber auch in der Propreoception (Gangbild)sich ausdrücken.

Zunge

G. Meert (3) beschreibt in seinem Buch Veno-lymphatischer kraniosakrale Osteopathie den Aufbau der Zunge und ihre Zusammenhänge. Bei den Kindern mit dem zu kurzen Zungenbändchen wird im Laufe der Entwicklung oft der obere Anteil der Zunge hypermobil, während der untere Anteil wie der M. mylohyoideus, M. digastricus verkürzt bleiben. Diese Spannung setzt sich über die Zentrale Sehne in das Mediastinum fort. Bei diesen Kindern ist die Zunge nicht beweglich genug, um alle Buchstaben gut formen zu können. Oft werden sie für Jahre in die Logopädie geschickt. Oft wird das zu kurze Zungenbändchen übersehen, da nicht zwischen oberen Anteil der Zunge und dem Mundboden unterschieden wird. Um dies differenzieren zu können muss man die HWS im Liegen in eine neutrale Stellung bringen, den Patienten bitten, den Mund zu öffnen. Dies ist in dieser Position schon für viele dieser Patienten schwierig. Dann ergreift man die Zungenspitze mit einem Küchenkrepp und zieht sie zuerst nach vorne, dann zu beide Seiten und nach kranial. Dies kann für den Patienten schmerzhaft sein. Bewegt man dann noch den Platysma, die Clavicula, die Schulter, die oberen Rippen, dann ist eine deutliche Erhöhung der Spannung in den Strukturen zu spüren. Bei manchen der Patienten wird die Zunge breiter, wenn man sie bittet diese nach vorne zu schieben.
Oft ist es diesen Patienten nicht möglich bei neutraler HWS den leicht geöffneten Kiefer nach links oder rechts zu verschieben und dabei die Zunge gegengleich zu bewegen. Um die tägliche Kaufunktion, hier vor allem die Mahlbewegungen ausüben zu können, werden diese Patienten die HWS in eine Überstreckung bringen, was dann einen Hypertonus der kurzen Nackenmuskulatur und der Kaumuskulatur zur Folge hat.

Sprachentwicklung (21)

Sprachentwicklungsströungen können folgende Ursachen haben:
Organisch-somatische Ursachen
Hierzu zählen Anomalien der Sprachwerkzeuge wie anatomische Veränderungen der Lippen, des Kiefers, des Gaumens und der Zunge.
Hörstörungen
wie Schwerhörigkeit, chron. Ohrentzündungen. Zentrale Hörstörungen wie auditive Wahrnehmungsstörungen ( mögliche Ursache einer Legasthenie)
Hier spielen die auditive Aufmerksamkeit, die Beeinträchtigung der Lautdifferenzierung, eine verkürzte Hör-Merk-Spanne, eine Beeinträchtigung der akustischen Figur-Grund-Wahrnehmung, oder eine Beeinträchtigung des Richtungshören statt.
Neurologische Störungen
u.a. durch neuromuskuläre Störungen im Bewegungsablauf.
kognitive Beeinträchtigung, Mehrsprachigkeit, Soziale Beeinträchtigung und weitere.
Näseln
Hierfür sind meist die Wucherungen oder Schwellungen in den Nasengängen verantwortlich. Wie ich bereits oben beschrieben habe, haben diese Kinder oft Lymphabflussstörungen, auch verursacht durch Spannungen im Bereich des Gaumensegels.

Das kleine Kind muss seine Umwelt mit allen Sinnen wahr nehmen. Greifen ermöglicht das begreifen. Bewegung, Wahrnehmen und Lernen sind unmittelbar verbunden. Durch eine fehlende Mundraumerfahrung durch zu viel Spannung in diesem Bereich und damit auch zu wenig propreoceptive Erfahrung und Aufbau der sensorischen Felder im Gehirn führen zu Problemen im Laufe der Entwicklung.
Bei den betroffenen Kindern ist auffällig, dass sie oft eine erhöhte Spannung im Bereich der Os temporale aufweisen. Hier liegen das Broca und Werneckezentrum für die Sprache. Im Bereich der Os parietale wo die sensorischen Felder und sensorischen Assoziationsfelder hat ebenfalls oft Spannung.
Auch die zu hoher Tonus im Bereich des Zwerchfells und im Schlundbereich kann hier zu Problemen führen. Sprechen ist eine aktive Ausatmung.
Sprache zu lernen ist ein äußerst komplexer Vorgang, der viele Sinne mit einbezieht und für unsere sozialen Beziehungen entscheidend ist.

Wir sollten als Osteopathen, die mit kleinen Kindern haben von Anfang an dem Mundraum und seiner Entwicklung die nötige Bedeutung zumessen. So können wir helfen, dass sich die Durchblutung des Gehirns gut aufbaut, die Kopfgelenke als Sinnesorgane für die räumliche Orientierung entwickeln, dass Sprechen und Hören gut funktioniert und sich die Wirbelsäule gut in die Achse stellt.

1 Lynn Haller, DO 2013, 11 (3) 25-30 Osteopathische Diagnostik und Behandlung bei Stillproblemen
2 Stecco, Urban & Fischer Atlas des menschlichen Fasziensystems
3 Guido Meert, Urban & Fischer, Veno- lymphatische kraniosakrale Osteopathie S.252 ff
4 Lise Eliot, Berlin Verlag, Was geht da drinnen vor
5 Torsten Liem, Hippokrates, DO 1/2009, Auswirkung persistierender Reflexe auf die auditorische und visuelle Wahrnehmung
6 Prof. Reiner Breul, Faszienkurs Alexanderbad, Kursaufzeichnungen
7 Graham Scarr, DO 10/2010, Das Schädeldach als Tensegrity-Struktur
8 Guido Meert, Urban & Fischer, Veno- lymphatische kraniosakrale Osteopathie, S 254- 262
9 www.embryology.ch, Blutfluss vor und nach der Geburt, Animation
10 Carla Stecco, Urban & Fischer, Atlas des menschlichen Fasziensystems, S. 132- 138
11 Guido Meert, Urban & Fischer, Veno- lymphatische kraniosakrale Osteopathie S. 191-196 und 213-215
12 Geist und Gehirn, Spektrum Verlag, Nr. 6/2013, S. 66-71
13 http://www.spektrum.de/news/neu-entdecktes-kanalsystem-reinigt-das-gehirn/1159748
14 Guido Meert, Urban & Fischer, Veno- lymphatische kraniosakrale Osteopathie S 198-208
15 Thon N. Stimmt unsere Vorstellung vom venösen System? DO – Deutsche Zeitschrift für Osteopathie 2014; 3: 21–23
16 Guido Meert, Urban & Fischer, Veno- lymphatische kraniosakrale Osteopathie S 347-363
17 M.Harris, DO 2016; 14(02): 11-13, Die Polyvagal-Theorie
18 Stephen Porges, Auditorium, Neurophysiologie der Selbstregulation
19 Thomas Myers, Urban&Fischer, Anatomy trains, S.341-349
20 Carla Stecco, Urban & Fischer, Atlas des menschlichen Fasziensystems, S. 157
21 Hessisches Sozialministerium, Sprachentwicklung und Sprachförderung bei Kindern

Weiterführende Links:

Current Info on Tongue  and Lip Tie

Adult Frenectomy For Pain Relief: Osteopathic Considerations


http://www.ankyloglossiabodyworkers.com
http://www.bodywork.org.uk/parents.html

Biodynamische Osteopathie

Dynamik

Dynamik

Die biodynamische Osteopathie basiert auf der Arbeit von W.G. Sutherland, D.O..
Er entwickelte ein physiologisches und therapeutisches Model, welches auf klinischer Anatomie, den Kräften der Embryologie, der direkten Wahrnehmung der Naturgesetze, der unwillkürlichen Autokorrektur und der Selbstheilungskräfte im Körper basiert.
Die embryologische Basis hierfür hat in einer geradezu perfekten Weise der deutsche Embryologe Prof. Erich Blechschmidt erforscht und geschaffen.
Als der amerikanische Osteopath Dr. James S. Jealous D.O. 1982 einen Vortrag über Embryologie für die „Sutherland Cranial Teaching Foundation“ vorbereitete, fiel ihm das Buch „Biokinetik und Biodynamik der menschlichen Entwicklung“ der Embryologen Dr. Blechschmidt und Dr. Gasser in die Hände.
Dr. Jealous las Dr. Blechschmidt’s Beschreibung der embryologlischen Entwicklung der metabolischen Felder und verknüpfte dies mit dem, was Dr. Sutherland, Begründer der Craniosacralen Osteopathie, als die Flüssigkeitsfelder beschrieben hatte: Dr. Blechschmidt sah den ganzen Embryo in einem morphogenetischen Feld, während Dr. Sutherland einen physischen Körper in Kommunikation mit einem Flüssigkeitskörper beschrieben hatte.
Dr. Jealous vereinte dieses Wissen und bereitete mit der Entwicklung feiner Wahrnehmungs- und Behandlungstechniken einen neuen Weg in der Osteopathie, die Biodynamische Craniale Osteopathie war geboren.
Diese Arbeit ist noch sanfter und subtiler als die traditionelle Osteopathie.
Ziel biodynamischer „Techniken“ ist es, den Patienten in seiner Gesamtheit zu behandeln und ihn mit den Gesundungsprozessen im Körper in Kontakt zu bringen.
So wird nicht ein Segment im Patienten zum Neutralpunkt, sondern dessen gesamter Körper – mit Erreichen dieses Neutralzustandes entsteht ein Gleichgewicht im vegetativen Nervensystem – Homöostase.
Wendet man nun an diesem Punkt bestimmte Prinzipien an, kommt ein therapeutischer Prozess in Gang, der den Menschen als Ganzheit erreicht.
Der Osteopath benützt seine Hände zur Wahrnehmung, Diagnosestellung und Behandlung.
Die Aufmerksamkeit richtet sich hierbei nicht auf die Suche nach Symptomen und Dysfunktionen, sondern auf das Erkennen von Prioritäten, welche die innewohnende Gesundheit vorgibt und welche unterstützt werden sollen.

Verfasst von Claudia Biesinger

Forschung im Bereich der Osteopathie

Immer wieder wird von Medizinern der Osteopathie vorgeworfen, dass es keine wissenschaftlichen Nachweise über ihre Wirksamkeit gäbe. Dies stimmt so nicht. Größere validierte Studien sind als Privatmann kaum zu leisten. Da die Osteopathie immer mehr auch als Bachelor und Masterstudiengang angeboten wird, ist es jetzt möglich, Arbeiten im Bereich der universitären Forschung zu erstellen.

In den Vereinigten Staaten ist Osteopathie ein ärztliches Studium und hier gibt es eine Vielzahl an Forschungsarbeiten. Diese Arbeiten sind in den entsprechenden Suchmaschinen zu finden wie z.B. medline. Exemplarisch möchte auf eine Studie von Frau Belinda Coulton verweisen: „Osteopathische Forschung bei Kindern“. Diese Arbeit ist bei www.thieme-connect.de/ejournals unter http://dx.doi.org/10.1055/s-0035-1557854 einsehbar.

Eine Gruppe russischer Ärzte in Sankt Petersburg hat mehrere Studien im Kinderbereich verfasst.

www.rusosteopathy.com/rvsom/stat202.doc

Hier in Deutschland werden wissenschaftliche Arbeiten durch den “Förderverein für osteopatische Forschung“ unterstützt. Es existiert eine Studie zu chronischen Rückenschmerzen. Diese ist unter folgendem Link herunter zu laden:

www.foerderverein-osteopathie.de/

Weitere wissenschaftliche Arbeiten sind gegen eine Unkostenentschädigung unter folgender Adresse zu erhalten:

http://www.german-afo.de/diplom.html
Hier handelt es sich um Diplomarbeiten, die von der „Akademie für Osteopathie“ gefördert wurden.

Um den Wissenschaftler Robert Schleip wird an der Uni Ulm zum Bereich der Faszien geforscht. Die Faszien stellen eines der großen Arbeitsfelder der Osteopathie dar.

https://www.uni-ulm.de/med/…/faszienforschung.html