Das Gehirn kennt keine Muskeln

Faszien des Rückens
Ansicht der Rückenfaszien

Das Gehirn kennt keine Muskeln

Das Neugeborenen bringt bereits reflexhafte Bewegungsmuster mit (1). In diesen Mustern sind bereits die späteren Bewegungen erhalten, die wir für die Fortbewegung benötigen wie Umdrehen, Kriechen usw. Diese Grundbewegungsmuster sind die Grundlage für die komplexen Bewegungen, die wir später lernen.

Diese Grundmuster an Bewegung werden in der Kindheit vor allem im Kleinhirn gespeichert. Das Kleinhirn lernt vor allem in der Kindheit. Ähnlich wie der Thymus für das Immunsystem hört das Kleinhirn mit dem „großen“ Lernen am Ende der Kindheit auf(2).

Das Baby muss auch ein eigenes Körperbild aufbauen (3). Über Berührung, Ansprache und eigenes Tun bildet sich in den Assoziationsfeldern des Temporalhirns ein Selbstbild. 80 % der Informationen fließen Richtung Gehirn, nur 20 % fließen vom Gehirn weg und erzeugen Efferenz. Das Kind muss sich bewegend selbst erfahren. Die erlernten Bewegungsprogramme werden im Kleinhirn gespeichert und bei unseren alltäglichen Tätigkeiten angesteuert. Die Vielfalt an Rezeptoren in der Haut, den Gelenken, Hörsinn, Sehen, Gleichgewicht, Körperhaltung usw. tragen dazu bei, dass im Gehirn eine fein angepasste Bewegung und Anpassung an momentane Situationen in und außerhalb unseres Körpers, statt finden kann.

Ein ebenfalls sehr wichtiges System über das unsere Bewegungen gesteuert werden sind die faszialen Systeme. Stecco und Mayers beschreiben, dass ein Muskel nur über seine faszialen Einscheidungen wirksam sein kann. Beide Autoren beschreiben und stellen auch in Präpationen dar, dass es keine einzelnen Muskeln gibt, sondern Muskelschlingen, die vom Kopf bis zu den Füßen und Händen reichen. Faszien besitzen Rezeptoren und Schmerzfasern und können so auch Ursache für Schmerzsyndrome wie Rückenschmerzen sein.

Faszien sind Sinnesorgane. Ihre Kontinuität dient der Kraftübertragung. Die Verbundenheit betrifft allerdings nicht nur Muskeln und Knochen, sondern auch die inneren Organe, Arterien, Nerven, Hirn- und Rückenmarkshäuten und die Haut. Gerade durch diese Verbundenheit stellt dieses Netz für die Osteopathie einen wichtigen Ansatz zur Behandlung dar.

1 Robby Sacher, Angeborene Fremdreflexe, Elsevier

2 Joachim Retzbach, Geist und Gehirn 11/1017 S. 40-45, Kleines Hirn ganz groß

3 Christian Wolf, Geist und Gehirn 7/2018 S. 43-47 , Die Verkörperung des Geistes

4 Jakob Bellmund und Christian Doeller, Geist und Gehirn 11/2019 S. 12-19, Gedankenräume im Kopf

5 Luigi und Antonio Stecco, Odnova-Med, Fasziale Manipulation

6 Thomas Mayers, Urban und Fischer, Anatomy Trains

7 Klaas Stechmann, Faszien Selbst behandeln, KVM Medizinverlag

Wie funktioniert unser Vegitativum?

Vernetzungen des Gehirns

Wie steuert uns das vegitative Nervensystem. Seit dem Altertum, durch die Forschungen von Galen wurde gelehrt, dass wir 2 Systeme haben, den Sympaticus, der für Kampf und Flucht steht und mit Stress verbunden ist und der Vagus,unser Ruhenerv, der unter anderem unseren Verdauungstrakt steuert. Beide Systeme stehen sich gegenüber, der Sympaticus bringt uns in Aktivität und der Vagus entspannt uns und sorgt daher für Verdauung und Erholung. Beide sollten sich abwechseln.

Stephen Porges stellte 1994 das Polyvagale System vor. Durch seine Forschungen stellte er fest, dass es 3 Systeme gibt. Den hinteren Vagus , das ältere System,das den Verdauungstrakt versorgt, aber auch für das Abschalten bei großer Gefahr verantwortlich ist. Er kann zu einer Immobilisierung führen. Das kann ohne oder mit Angst passieren. Der Winterschlaf bei Säugetieren ist ein Beispiel für Immoblisierung ohne Angst. Bei einer Aktivierung des hinteren Vagusastes kommt es zu einer Minderdurchblutung des Stirnhirnbereichs, wo unser bewußtes Denken liegt.

Dann der Sympaticus, der für Kampf oder Flucht steht. Er wird in Stresssituationen mobilisiert und ermöglicht uns zu verteidigen. Diese Mobilisierung ist lebensnotwendig, sollte aber nach der belastenden Situation zurück gefahren werden. Es hat auch eine positive Seite, die uns befähigt aktiv und entschlossen ein Problem zu bewältigen.

Der vordere Vagus ist entwicklungsgeschichtlich das neueste System.Es hat einen eigenen Ursprung im Stammhirn, wo es eine Verbindung mit weiteren Hirnnerven eingeht, wie den Trigeminus (Sensibilität des Kopfes), den Fascialisnerven für die Motorik der Gesichtsmuskeln, den Acessorius, der die Nackenmuskeln innerviert, den Glossopharyngeus und Hyoglossus, die für den Schluckakt verantwortlich sind und Nervengeflechte im Halsbereich innervieren, die das Herz und die Lungen mit steuern. Diese Nerven machen uns zu einem sozialen Wesen, das sich über die Stimme, seine Mimik und Zugewandtheit ausdrückt. Mit dem vorderen Ast arbeitet auch die Eigenwahrnehmung des Körpers zusammen. Die vielfältigen Informationen aus dem Körper und der Umgebung befähigen uns adäquat auf die Reize der Umwelt zu reagieren.

Der vordere Vagusast steht in seiner Kompetenz über den beiden anderen und seine Aktivierung holt uns in einen physiolgischen Zustand zurück. Eine Störung dieser 3 Systeme kann viele schulmedizinische Namen haben. So kann eine Aktivierung des vorderen Systems bei vielen Erkrankungen eine hilfreiche Unterstützung bieten.

Was aktiviert diesen vorderen Vagus Ast?

Die Aktivierung des hinteren Vagussystems mit Abschalten, aber auch Dauerstress führen zu verspannter Muskulatur des Schultergürtels und des Nackens, der Gesichtsmuskulatur, des Zwerchfells, der Schlundmuskulatur, des Kappenmuskels. Genau hier kann durch eine Entspannung angesetzt werden. Hierfür bieten verschiedene Therapieformen wie die Osteopathie, das Rolfing, Qi Gong, Yoga usw. Ansätze der Behandlung.

Wichtig dabei ist immer die Eigenwahrnehmung und die Atmung.

In die Therapie sollte immer auch die Zusammenarbeit der Sinnesorgane fließen wie Sehen, Hören und die Gesamtkörperkoordination. Diese Funktion wird vor allem im Bereich der oberen Halswirbelsäule organisiert.

Eine einfache Grundübung:

Legen Sie sich auf den Rücken. Falten Sie Ihre Hände und legen diese unter den Kopf, dass die Damen die Schädelkante berühren. Dort liegt der N. acessorius. Halten Sie den Kopf in der Mitte. Wenden Sie langsam die Augen nach rechts außen und verharrenSie dort etwas. Wenden Sie die Augen wieder zur Mitte und machen das Gleiche nach links. Sie werden merken, dass dies oft gar nicht so einfach ist. Er öffnet ihr Wahrnehmungsvermögen.

4 Füßler Stand

Machen Sie die Katze, schwenken Sie den Po nach rechts und links. Drehen Sie den Kopf in der neutralen Position ganz nach rechts, verharren und dann über die Mitte ganz nach links und gehen wieder zurück in die Mitte.

Literatur: Stanley Rosenberg, Vagus, Der Selbstheilungsnerv, VAK

Ist dem Magen zu helfen ?

Magen

Die Forschergruppe um Galateja Jordakieva von der Universität Wien haben fest gestellt, dass die Magensäureblocker nicht ganz unproblematisch sind. Bei längerem Gebrauch können sie vor allem bei Frauen zu Allergien führen. Sie werden gerne in Kombination mit Schmerzmitteln gegeben. Wir brauchen die Magensäure um Eiweiße gut aufspalten zu können. Nur so werden die Eiweiße in Aminosäuren aufgespalten, die auf der Blutseite nicht als fremd erkannt werden.

Im Embryo bildet sich das Darmrohr, das an das Gehirn anschließt. Aus den Kiemenbögen entsteht das Gesicht und der Schlund. Aus diesem Rohr bilden sich dem Blumenkohl ähnliche Bläschen, die sich zu den Lungen und unterhalb des Zwerchfells zum Pankreas ausbilden. Dazwischen sackt sich die Röhre aus und wird zum Magen.

Im oberen Bereich liegen die Speiseröhre und die Luftröhre in einer gemeinsamen Halbröhre. In der Mitte des Halses haben Sie Kontakt mit dem Schildknorpel und der Stimmritze und im Bereich des Brustkorbeingangs mit dem Schlüsselbein und der ersten Rippe beidseits. Wenn es hier bereits zu Spannungen im skelettalen und muskulösen Bereich kommt, wird dieser Zug an die Speiseröhre weiter gegeben. Begleitet wird die Speiseröhre von den beiden Vagusnerven, die ebenfalls eingeengt werden können.

Hier kann die Osteopathie mit faszialen Techniken den Bereih des Mundbodens, der Halsfaszien lösen. Manuelle Gelenktechniken können die Beweglichkeit der Hals- und Brustwirbelsäule und der Rippen verbessern. Ebenfalls hilfreich ist den gesamten Mundraum mit Kiefer, Zunge und Nasenraum zu behandeln. Im Bereich der Kopfgelenke hat der Vagus seinen Ursprung. Ein Lösen der Kopfgelenke und der kurzen Nackenmuskeln verbessert hier die Funktion des Nerven. Zwischen dem 3 und 4. Halswirbel verlässt der Nervus phrenicus die Wirbelsäule. Die oben genannten Techniken verbessern seine Funktion als Nerv, der das Zwerchfell versorgt und sich dann an den nervösen Geflechten des Darmes beteiligt.

Eine weitere Problemstelle ist der Durchtritt der Speiseröhre durch das Zwerchfell. Besteht hier zu viel Spannung, weil das Zwerchfell und die unteren Rippen zu wenig Beweglichkeit haben, kann die peristaltische Welle der Speiseröhre den Mageneingang nicht richtig öffnen. Dieser bleibt eventuell dann immer etwas offen und die Salzsäuregase können kopfwärts austreten und hier den Atemtrakt irritieren. Dies kann zu Allergien und Überempfindlichkeiten des Nasenraums führen.

Menschen mit einem langen schmalen Brustkorb besitzen,haben gerne im Bereich des Zwerchfells Probleme, da sie hier nicht sehr mobil sind. Dies kann sich bei Ihnen auf die Organe des Oberbauch auswirken. In der chinesischen Medizin spricht man dann von einem schwachen Verdauungsfeuer.

In diesem Bereich kann die Osteopathie die Funktion des Zwerchfells verbessern. Über viszerale Techniken kann Einfluss auf die Oberbauchorgane genommen werden. Es ist ebenfalls sehr hilfreich, den venösen Rückfluss aus dem Bauchbereich zur Leber hin und durch die Zwerchfellschenkel zu unterstützen.

Der Magen mag keinen Zug auf seine Wände. Wenn die Speise in den Magenraum eintritt, findet ein Zug statt. Dies aktiviert die Salzsäurebildung und die Bildung von Verdauungsenzymen. Sollte der Magen zu seinen Nachbarn zu stark fixiert sein, kann dies aber auch ohne Nahrungsaufnahme statt finden und stört dann den Magen.

Sollte im Dünndarmbereich Stagnation herrschen, macht hier ein Lösen der Schichten und des großen Bauchfells Sinn, um die Spannungen auf den Magen zu nehmen, der diesem Bereich aufliegt.

Die Fortsetzung des Magens ist der Zwölffingerdarm, der sich eng um die Bauchspeicheldrüse schlingt. Zwischen Magen und Bauchspeicheldrüse und Zwölffingerdarm gibt es eine Verschiebeschicht. Hier ist eine Gleitfähigkeit erforderlich. Es ist der „Mittelpunkt“ des Körpers. Hier liegt auch das Sonnengeflecht, das den Darmbereich steuert. Zwischen der inneren Magenkurve und der Leber liegt das kleine Bauchfell. Hier sind die zuführenden Venen aus dem Dünndarmbereich zur Leber und es müden hier die Gallengänge und die Bauchspeicheldrüsengänge in den Dünndarm. In diesem Bereich liegen oft Verspannungen.

Hier gilt es vor allem den knöchernen und muskulären Übergang zwischen Lenden und Brustwirbelsäule zu lösen. Effektiv sind hier Seitneigungs- und Rotationsmobilisation, wie man sie auch im Yoga kennt. Hilfreich sind hier auch , die viszeralen Techniken für Leber, kleines Bauchfell, dem Gallengang und dem Magen. Sollte der Magen zu hoch stehen, kann dieser nach unten mobilisiert werden um Hernien vorzubeugen.

Immer auch wichtig ist den Patienten in seinen Heilungsprozess einzubinden. Über Eigenmobilisationen kann er die obigen Bereiche positiv beeinflussen.

Wichtig ist auch eine Ernährungsanpassung an das Magenproblem. Zur Verdauung der Eiweiße erfordert es Salzsäure. Daher sollten tierische Eiweiße reduziert werden. Obst sollten wir eher am Morgen essen, da es hier gut verdaut werden kann. Nicht zu viel Rohes und vor allem nicht am Abend, da dies dann oft unverdaut im Darmtrakt bleibt und hier zu Fuselgasen führt. Bitterstoffe, ob als Tee, Frischpresssaft oder Tinktur unterstützen die Funktion von Leber, Magen und der Bauchspeicheldrüse.

Mit einer solchen Herangehensweise kann die Region des Magens unterstützt werden.

Wie lernt das Kind sehen

Sehbahnen
Sehbahnen

Im Mutterleib hat der Embryo kaum die Möglichkeit Sehen zu schulen. Daher ist der Sehsinn der Sinn, der bei der Geburt am wenigsten entwickelt ist. Das Neugeborene sieht unscharf und am besten im Stillabstand, das sind 30 bis 40 cm Abstand. Es hat noch Doppelbilder. Die Merkmale eines Gesichtes kann es erkennen. Das ist für das Überleben eines Neugeborenen wichtig. Das Stillen oder Füttern hilft dem Kleinen mit den Augen in der Mittellinie zu fixieren. So lernt es dann mit 3 Monaten, wenn sich die Grundreflexe abbauen, Gegenstände willkürlich in der Mittellinie zu greifen und diese zum Mund zu führen. Alles was das Kind lernt wird in somatischen Körperkarten gespeichert. Im Gehirn gibt es große Areale, wo all die Informationen, die aus dem Körper kommen gespeichert werden. Diese Areale liegen im Gehirn um das motorischen Feld herum und sind die Grundlage, auf der Willkürmotorik basiert. Auch das Sehen hat im Bereich des Hinterkopfes seine Areale, wo die ganz verschiedenen Funktionen des Sehens gespeichert werden.

Im Bereich des Stammhirns liegt die 4 Hügelplatte. Die oberen Hügel steuern das Sehen, die unteren das Hören. Die Kopfgelenke sind ein Sinnesorgan. Die Informationen aus dem gesamten Körperbereich, dem Sehen und dem Hören müssen hier koordiniert werden, damit wir eine räumliche Wahrnehmung entwickeln.

Das räumliche Sehen entwickelt sich erst, wenn das Kind sich selbst fortbewegt. Es muss mit dem Körper den Raum erfahren, damit das Sehen dreidimensional wird. Das ist etwa mit 9 Monaten.

Bereits in den Grundreflexen wie der symmetrisch tonische Nackenreflex und der asymmetrisch tonische Nackenreflex sind die Muster, auf denen später unsere komplizierte Motorik aufbaut, enthalten. Am Anfang geht das Kind in Streckung wenn der Kopf in Streckung geht und umgekehrt. Das ist kein erhöhter Tonus und lässt sich beheben, wenn der Körper des Kleinen wieder in eine Beugung gebracht wird.

Ab dem 3. Lebensmonat circa beginnt die Willkürmotorik. Ein Bewegungsstein baut auf den anderen auf und es bilden sich immer mehr und kompliziertere Bewegungsmuster, wie Drehen, Robben, Krabbeln usw. Die großen Muskelketten, die uns steuern sind in diesen Mustern angelegt. Diese Ketten verlaufen diagonal und kreuzen von vorne nach hinten und umgekehrt. Sie reichen vom Kopf bis in die Arme und Beine. Einige der Muskelketten entsprechen den Meridianverläufen der chinesischen Medizin.

Das Kleinhirn lernt in der Kindheit am meisten und wird hier geprägt. Ähnlich wie beim Thymus stellt das Kleinhirn das Lernen nach der Pubertät weitestgehend ein. Daher muss das Kind sich bewegen, damit es hier einen großen Erfahrungsschatz sammelt, auf dem es im Erwachsenenalter zurückgreifen kann. Heute kann dies in fMRT Aufnahmen sichtbar gemacht werden. Unser Gehirn funktioniert in Schleifen. Verschiedene Areale arbeiten für bestimmte Funktionen zusammen. Hier wird dann auch immer das Kleinhirn angefragt. Bis zum 7. Lebensjahr muss das Kind seine Motorik stabil aufbauen für die höheren Funktionen, die in der Schule und später folgen werden.

Beim Sehen werden 2 Systeme unterschieden, das Sehen von Licht und die Koordination der Augenbeweglichkeit (Optometrie). Die motorische Koordination der Augen ist mit der gesamten Körpermotorik verbunden. Wenn ein Auge weniger beweglich ist, dann hat dies für die gesamte Haltung Konsequenzen. Dies kann man besonders gut beobachten, bei Menschen, die nur ein Auge haben. Dies hat für die räumliche Orientierung Konsequenzen, aber auch für Lesen, Rechnen und Schreiben.

Wenn wir etwas vergessen haben, schließen wir die Augen und blicken nach oben. Erinnerungen sind teilweise an Augenbewegungen gebunden. Dies nutzt man z.B. im Brain Gym um Stress beim Lernen abzubauen, indem man das Lernende an eine Augenbewegung ankert.

Aus dem Sprachgebrauch kennen wir aber auch noch weitere Formulierungen wie weitsichtig im Sinn von umsichtig, wenn wir das gesamte Spektrum (180 Grad) des Sehens nutzen.

Zeigt ein Baby eine Schädelasymmetrie auf, sollte diese unbedingt korrigiert werden. Wenn sich die Körperketten asymmetrisch entwickeln hat dies auf unsere wahrnehmende Sinne wie Sehen und Hören auch eine Auswirkung. Selbst wenn sich beim Baby die Asymmetrie ausgleicht muss diese im Laufe der Entwicklung kontrolliert werden. Bei Entwicklungsschüben können alte Muster wieder auftauchen. Wenn im Bereich der hinteren Schädelnähte , wo die Sehzentren liegen, Spannungen bestehen, kann dies zu Schielen führen.

Wenn der Zahnwechsel beginnt, muss sich der Oberkiefer weiten, damit er für die bleibenden Zähne genügend Platz bietet. Das Mittelgesicht wächst bis zum Ende der Zahnung noch einmal um ein Drittel. Wenn sich hier eine Seite des Schädels weniger nach seitlich entwickelt, ist dies für den Kieferorthopäden ein Kreuzbiss. Die Höcker der Backenzähne treffen nicht außen auf die der unteren Backenzähne. Auf der Seite des Kreuzbisses ist auch das Auge betroffen und meist weniger mobil.

Während der Pubertät entwickelt sich vor allem der Stirnhirnbereich, wo unser soziales Bewusstsein verankert ist. Dies entwickelt sich stark über die Dopaminschaltungen. Am Ende steht die Reifung dieses Bereiches, der uns dann erwachsen macht. Häufig bestehen in der Pubertät hier auch Spannungen im Augenbereich, was uns dann „engstirnig“ macht. Eine Entspannung hier tut auch dem Jugendlichen gut um wieder umsichtiger zu werden.

Osteopathische Säuglingsstudie

ABSCHLUSSBERICHT ÜBER EINE DER WELTWEIT GRÖSSTEN STUDIEN ZUR OSTEOPATHISCHEN BEHANDLUNG VON SÄUGLINGEN IM ERSTEN LEBENSJAHR

OSTINF-STUDIE Hintergrund

Seit Ende der 1980er Jahre die ersten deutschen Ableger vorwiegend französischer und belgischer Osteopathie-Schulen eine fundierte Ausbildung zum Osteopathen auch in Deutschland möglich machten, hat die Osteopathie sich in Deutschland etabliert. Schon 2013 ließen sich in inzwischen rund 4000 Praxen bis zu 5,6 Millionen Menschen therapieren. Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge hat sich mittlerweile etwa jeder Fünfte schon in osteopathische Behandlung begeben, einer anderen aktuellen Umfrage zufolge sind 6 von 7 Patienten in einer osteopathischen Praxis nicht zum ersten Mal dort. Immer mehr Osteopathen arbeiten zutage vor allem mit Säuglingen und Kindern. Immer häufiger schicken auch Hebammen Säuglinge zur Kontrolle zum Osteopathen. Die zunehmende Popularität der Osteopathie in der Bevölkerung in Deutschland spiegelt sich auch in einer zunehmenden Thematisierung in den Medien wider (z.B. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, Artikel in der Zeitung „Die ZEIT“ 2016).

Neben fundiert analytischen Beiträgen zur sog. „Kinderosteopathie“ finden sich auch positiv wie negativ voreingenommene Beiträge. Ein immer wieder vorgebrachtes Argument ist allerdings bei unvoreingenommener Betrachtung grundsätzlich nicht ganz von der Hand zu weisen: Es gibt nur wenige, bestenfalls ansatzweise aussagekräftige Therapiestudien, die die klinische Wirksamkeit osteopathischer Behandlungen bei Säuglingen wissen- schaftlich untersucht haben und deshalb einigermaßen verlässliche Schlüsse zulassen. Nicht nur das, es ist wissenschaftlich bislang nicht zufriedenstellend untersucht, was denn überhaupt die „typischen“ Gesundheitsstörungen sind, mit denen Eltern mit ihrem Säugling in einer kinderosteopathischen Praxis vorstellig werden. Die Akademie für Osteopathie (AFO) sah deshalb eine dringende Notwendigkeit herauszufinden, mit welchen Problemen sich Eltern besonders häufig an Osteopathen wenden, da sich daraus u.a. Rückschlüsse ziehen lassen können, welche aus Sicht der Eltern relevanten Gesundheitsstörungen ihrer Säuglinge in der „normalen Versorgung“ nicht zufriedenstellend bedient werden. Dazu sollten Eltern zumindest „vorläufige“ Anhaltspunkte gegeben werden, was sie tatsächlich im Verlaufe einer osteopathischen Behandlung ihres Säuglings an (positiven?) Veränderungen erwarten können – und es sollte sich eine osteopathische Forschungsagenda entwickeln lassen, welchen Fragestellungen im Bereich der Säuglingsosteopathie die größte Priorität zukommt. Zusammen mit dem Deutschen Institut für Gesundheitsforschung (DIG) unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. med. habil. KL Resch führte die AFO eine Beobachtungsstudie zur osteopathischen Behandlung von Säuglingen im ersten Lebensjahr durch. Dadurch, dass sicher- gestellt wurde, dass auch tatsächlich von allen behandelten Säuglingen die Daten für die Auswertung zur Verfügung standen, sollte auf die Ergebnisse Verlass sein. Gezielte Voruntersuchungen sollten ebenfalls dazu beitragen, dass die Ergebnisse tatsächlich verlässlich und relevant sein konnten. In Vorbereitung dieser Studie wurde zunächst im Februar 2017 eine Umfrage unter 80 erfahrenen Osteopathen mit explizitem Schwerpunkt Kinderbehandlung durchgeführt. Dabei ging es darum herauszufinden, was tatsächlich die häufigsten Gesund- heitsstörungen bzw. Probleme/Anliegen sind, mit denen sich Eltern von Säuglingen an eine kinderosteopathische Praxis wenden. Das Ergebnis war denn auch ziemlich überraschend. Es zeichnete sich nicht etwa eine herausragende Gesundheitsstörung ab, vielmehr lagen nicht weniger als fünf Störungen fast gleichauf:

Die Asymmetrie im Säuglingsalter ist ein klinischer Zustand mit einer großen Bandbreite an Erscheinungen (Form, Haltung und Bewegung), Ätiologie, Lokalisierung und Schwere. In der Literatur gibt es keinen Konsens bezüglich Definition, Nomenklatur oder Klassifikation, die Angaben sind uneinheitlich. Häufig verwendete Begriffe sind „infantile Skoliose“ oder „Säuglings- Skoliose“. Die Asymmetrie ist in aller Regel idiopathisch. Plagiozephalie ist eine allgemeine Bezeichnung für eine Schädelasymmetrie bei Säuglingen, die sich vereinfacht in zwei Bereiche einteilen lässt: Die pathologische Plagiozephalie, auch Kraniosynostose ge- nannt, sowie die (sekundäre) Plagiozephalie, die postnatale lagebedingte Deformation des Schädels. Diese lagebedingte Plagiozehpalie ist eine erworbene, asymmetrische Abflachung des kindlichen Schädels durch längeres Liegen auf dem Hinterkopf und ist heutzutage ein häufiges Problem, mit dem Eltern mit ihrem Säugling beim Kinderarzt vorstellig werden. Eine Studie aus den USA schätzt, dass bis zu 20% der annähernd 4 Millionen 2013 dort geborenen Säuglinge eine Form der lagebedingten Schädel- deformation aufwiesen. Säuglinge, die ungewöhnlich viel schreien und nur schwer zu beruhigen sind, werden umgangssprachlich als „Schreibabys“ bezeichnet. Der simultan verwendete Begriff „Dreimonatskolik“ beruhte auf der Annahme, dass der Grund für die Schreiattacken in Störungen des Magen-Darm-Bereichs (z.B. Krämpfe, Blähungen, Reflux) zu suchen ist. Im englischsprachlichen Raum werden die Schreibabys mit den Begriffen „excessive crying” und „infantile colic“ beschrieben. In Deutschland wird die Problematik zusammen mit Schlaf- und Fütterstörungen unter dem Oberbegriff Regulationsstörungen im Säuglingsalter eingeordnet.

OSTINF-STUDIE Fragestellung

Die aktuelle Studie sollte die wesentlichen Aspekte des Behandlungsverlaufs doku- mentieren, um verlässliche Zahlen für die beiden folgenden, grundsätzlichen Frage- stellungen zu bekommen: –  Welche Veränderungen werden bei Säuglingen in Folge der osteopathischen Behandlung von den Eltern wahrge- nommen und wie sind sie zu bewerten?

Die häufigsten 5 Gesundheitsstörungen:

▪ Säuglingsasymmetrie:
▪Plagiozephalie: 18%
▪ Fütterstörung: 15%
▪ Schreibaby: 12,5%
▪ Schlafstörung: 11,5%


  • –  Welche Veränderungen werden bei Säuglingen in Folge der osteopathischen Behandlung von den Eltern wahrgenommen und wie sind sie zu bewerten?
  • –  Welche möglicherweise korrespondierenden Nebenwirkungen sind in diesem Zeitraum aufgetreten und wie sind sie zu bewerten?
  • OSTINF-STUDIE Methoden
  • Aufbauend auf den Ergebnissen der Voruntersuchung wurden Säuglinge mit den fünf genannten Gesundheitsstörungen in den teilnehmenden osteopathischen Praxen behandelt. Alle Osteopathen mussten eine spezielle Zusatzqualifikation vorweisen können und Erfahrung in der Behandlung von Kindern haben (die teilnehmenden Osteopathen hatten im Durchschnitt 12 Jahre Berufserfahrung).

In der geplanten „multizentrischen Beobachtungsstudie“ sollte die Behandlung von mindestens 500 Säuglingen dokumentiert werden. Zentrale Messgröße war die Beurteilung der Eltern, z.B. durch Bewertung der Symptomenstärke mit Hilfe von Numerischen Rating Skalen (NRS 0-10). Bei der Plagiozephalie wurde mit einem „Craniometer“ der Kopfumfang des kindlichen Schädels gemessen und daraus der klinisch übliche Cranial Vault Index (CVAI) errechnet.

OSTINF-STUDIE Ergebnisse

230 Praxen hatten Interesse an einer Teilnahme bekundet. 151 Praxen haben tatsächlich teilgenommen und insgesamt 1196 Säuglinge in die Studie aufgenommen. Damit wurde die geplante Teilnehmerzahl um gut das Doppelte überschritten . Es waren im Durchschnitt 2-3 Behandlungen nötig.

Die idiopathische Säuglingsasymmetrie war mit 48% die am häufigsten behandelte Gesundheitsstörung, gefolgt von den Schreibabys (18%), der Fütterstörung (15%) und der Plagiozephalie (14%).

Idiopathische Säuglingsasymmetrie?

Abefragt wurde hier die Stärke der Asymmetrie

  • –  Blickkontakt zur bevorzugten Seite
  • –  Drehung zu bevorzugten Seite und die
  • –  Asymmetrische Lage Die prozentuale Verbesserung zwischen Beginn und Ende der Behandlungen lag zwischen 78% und 82%.
  • Plagiozephalie
  • Der Cranial Vault Index verbesserte sich um 51%. Allerdings erwiesen sich hier die Messungen mit dem Craniometer als problematisch, da es bei einem unruhigen Baby manchmal schwer ist, genau an den vorgegebenen Bezugspunkten zu messen.
  • Fütterstörung
    Die Stärke der Symptome verbesserte sich im Laufe der Behandlungen um 77%. ▪ ▪ Schreibabys Die Problematik „Schreibabys“ war der zweithäufigste Konsultationsgrund in der osteopathischen Praxis. Die Symptomatik „exzessives“ Schreien verbesserte sich um 70%, was für die Eltern eine erhebliche Erleichterung war.
  • Schlafstörungen
    Schlafstörungen traten in dieser Studie mit 4% am wenigsten auf. Auch hier wurde eine beträchtliche Verbesserung um 56 % beobachtet beträchtliche Verbesserung beobachtet.

Ist Osteopathie gefährlich?

Bei 3,5 % der Säuglinge wurden nach der osteopathischen Behandlung „Auffälligkeiten“ dokumentiert, durchweg geringfügige und kurzzeitige Symptome wie Müdigkeit, Unruhe, kurze Verschlechterung des ursprünglichen Befundes. Der zeitliche Bezug kann als „Reaktion“ auf die Behandlung gesehen werden, es kann sich aber auch um natürliche Schwankungen im Verlauf der Gesundheitsstörung handeln.

Bemerkenswert ist, dass bei den insgesamt über 3200 Behandlungen in keinem einzigen Fall eine ernsthafte, für die Gesundheit des Säuglings potenziell relevante und/oder länger andauernde Nebenwirkung beobachtet wurde.

Osteopathie als „zweite Chance“? In Deutschland wie in den meisten anderen Ländern der westlichen Welt mit grundsätzlich gut funktionierenden Gesund- heitsversorgungssystemen kann davon aus- gegangen werden, dass Eltern sich mit auffälligen möglichen Gesundheitsstörungen ihres Säuglings zunächst an die „zuständigen Instanzen“ wenden und eine im Rahmen der Versorgung bestmögliche diagnostische Abklärung und ggf. Behandlung erfolgt. Ist die Osteopathie nicht integraler Bestandteil des Primärversorgungssystems (wie in Deutschland), ist die Konsultation eines Osteopathen in der Regel ein Schritt seitens der Eltern, wenn die „übliche Versorgung“ nicht den erwarteten Erfolg gezeitigt hat. Die vorliegende Untersuchung gibt konkrete Anhaltspunkte dafür, dass sich mit der osteopathischen Behandlung der unter- suchten Gesundheitsstörungen relevante zusätzliche positive Wirkungen erzielen lassen.

OSTINF-STUDIE Fazit

  • ▪  Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung unterstreichen ganz offensichtlich die Empirie von professionellen Protagonisten wie Hebammen und Kinderärzten, die den medizinischen Ansatz der Osteopathie zu einer für die Gesundheitsversorgung von Säuglingen im ersten Lebensjahr viel versprechenden Option bei den hier untersuchten Störungen macht, wenn die übliche Versorgung nicht zu einem für die Eltern zufrieden stellenden Ergebnis geführt hat.
  • ▪  Auf der Basis der Ergebnisse dieser bislang weltweit größten, methodisch sorgfältig geplanten und durchgeführten Beobachtungsstudie sollen perspektivisch sogenannte Interventionsstudien geplant und realisiert werden, voraussichtlich primär mit der jeweiligen Standardtherapie als Vergleichsintervention oder im Vergleich zur Entscheidung gegen andere „typische“ Behandlungen (um Aussagen möglichst nahe an der Realität zu generieren).

OSTINF-STUDIE Informationen

▪Zahlenmäßig exakte Ergebnisse zur OSTINF-STUDIE sollen im Laufe dieses Jahres in einem international renommierten wissenschaftlichen Fachjournal veröffentlicht werden und stehen dann allen als zusätzliche Information und Entscheidungshilfe zur Verfügung

  • ▪  Die Studie wurde von den Osteopathieverbänden VOD, ROD, BVO, BAO und dem Förderverein für osteopathische Forschung (FOF) finanziell unterstützt.
  • ▪  Die Studie wurde erstellt durch die:
    Akademie für Osteopathie e.V. (AFO), Römerschanzweg 5, 82131 Gauting, Studienleiter: Florian Schwerla MSc, D.O. und dem
    Deutschen Institut für Gesundheitsforschung gGmbH (DIG), Kirchstr. 8, 08645 Bad Elster Leitung: Univ-Prof Dr. med. habil. K.L. Resch



Neue Informationen

Bei Jameda habe ich 2 Expertenartikel veröffentlicht. Über die folgenden Links können Sie sich zudem Thema informieren.

Osteopathie im Alter

https://www.jameda.de/gesundheit/naturheilkunde/osteopathie-im-alter/

Osteopathie beim Baby

https://www.jameda.de/gesundheit/naturheilkunde/ist-osteopathie-bei-einem-neugeborenen-sinnvoll/

Säuglingsstudie

Von Februar bis April habe ich an der osteopathischen Säuglingsstudie teilgenommen. In diesem Zeitraum wurden alle neuen Säuglinge, die den Einschlusskriterien entsprachen und deren Eltern einwilligten in der Studie aufgenommen. Die Ergebnisse der Studie habe ich als Beitrag im Blog veröffentlicht.

Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom (RDS), auch Colon irritabile oder Irritable Bowel Syndrom (IBS) genannt, gehört mit einer Häufigkeit von 10–15% zu den meist vorkommenden Erkrankungen des Verdauungstrakts.

Definition der Kriterien

Drei Kriterien hat man für das RDS definiert:

  1. länger als 3 Monate bestehende chronische Darmbeschwerden (zum Beispiel Bauchschmerzen und Blähungen), die mit einer Stuhlveränderung einhergehen
  2. Die Beschwerden sind so stark, dass der Patient einen Arzt aufsucht und sich in seiner Lebensqualität beeinträchtigt fühlt.
  3. Es liegen keine anderen für die Symptomatik verantwortlichen Erkrankungen vor.

Bei Kleinkindern und Kindern werden noch speziellere Kriterien herangezogen, da die Anamnese bei ihnen teilweise schwer zu erfragen ist. Von einem RDS geht man bei ihnen aus, wenn Schmerzen oder Unbehagen im Abdominalbereich für mindestens 3 Tage pro Monat in Assoziation mit mindestens 2–3 der folgenden Faktoren auftreten:

■ Besserung der Beschwerden nach dem Stuhlgang

Individuelle Ausprägung der Symptome RDS-Patienten haben häufig viele verschiedene Symptome. Je nach Hauptsymptomatik wird die Erkrankung in verschiedene Formen unterteilt:

■ Diarrhödominantes RDS (ca. ein Drittel der Fälle)

■ Obstipation-dominantes RDS (ca. ein Drittel der Fälle)

■ gemischtes RDS (Diarrhö und Obstipation im Wechsel)

■ Schmerz- / Meteorismus-dominantes RDS

Typische gastrointestinale Symptome des RDS sind:
■ intermittierende, krampfartige Bauchschmerzen wechselnder Intensität
■ Stuhlunregelmäßigkeiten (Diarrhö,Obstipation)
■ Blähungen
■ Völlegefühl
■ Nahrungsmittelunverträglichkeiten
■ Schleim im und auf dem Stuhl Daneben berichten Patienten häufig auch über verschiedene Beschwerden, die nicht auf den Verdauungstrakt bezogen sind:
■ Kopfschmerzen und Migräne
■ Rücken- und Gelenkschmerzen
■ Müdigkeit und Leistungsschwäche
■ Schlafstörungen
■ Menstruationsbeschwerden
■ Angststörung, Depression
Häufigkeit und Intensität der Symptomatik variieren von Patient zu Patient. Sie können durch Umwelteinflüsse wie Reisen, Stress, belastende Lebenssituationen und Ernährungsveränderungen verstärkt werden.

Osteopathisch findet man bei Betroffenen oft viszerale, fasziale und parietale Dysfunktionen, die einen Zusammenhang mit einigen der typischen RDS-Beschwerden wie Rücken- und Kopfschmerzen verdeutlichen.

Diskutierte Auslöser

Die Ursachen des RDS können bis heute nicht umfassend erklärt werden. Man vermutet ein multifaktorielles Zusammenspiel von physiologischen (zum Beispiel eine gestörte Darmmotilität) und psychosozialen Ursachen sowie Umweltfaktoren.

In einigen Studien trat das RDS häufiger nach einer vorangegangenen Gastroenteritis auf, insbesondere nach einer Clostridieninfektion in der Folge einer Antibiotikaeinnahme. Das Vorkommen eines RDS 3–24 Monate nach Infektion betrug nach einer Studie von Spiller et al. zwischen 3,7 % und 36 %. Damit erhöht sich das Risiko für ein RDS nach bakterieller Enteritis um das 8- bis 15-Fache.

Mikrobiom und Darmpermeabilität

In den letzten Jahren wurde eine Veränderung der Darmflora beziehungsweise des Mikrobioms als Ursache oder Folge des RDS diskutiert.

Das Mikrobiom verändert sich insbesondere nach bakterieller Darminfektion oder Antibiotikagabe und kann zu enteralen Entzündungsprozessen und zu einer veränderten Darmpermeabilität führen. Es wird vermutet, dass dem RDS eine intestinale Barrierestörung zugrunde liegt. Die Darmpermeabilität kann auch etwa durch psychischen Stress, Medikamente, Alkohol, Nikotin oder Allergene empfindlich gestört werden. Als Folge des Barrieredefekts in der Darmmukosa (Leaky Gut) können Inhaltsstoffe, vor allem pathogene Mikroorganismen und Antigene, aus dem Lumen in die Darmwand hineindiffundieren. Das führt dort unter anderem zur Mastzell- und Immunaktivierung. Es werden Interleukine und andere Botenstoffe wie Histamin freigesetzt und beeinflussen die Zusammensetzung und Konzentration der Neurotransmitter des enterischen (Darm-)Nervensystems. Diese Barrierestörung wird nicht nur als Auslöser des RDS diskutiert, sondern auch zum Beispiel mit Allergien, Unverträglichkeiten und Autoimmuner- krankungen in Verbindung gebracht.

Neuronale Prozesse und Psyche

Bei einem RDS sind jedoch nicht nur die gastrointestinale Motilität, Permeabilität und Sekretion gestört, sondern auch zentrale sensorische Prozesse und die viszerale Sensibilität unter Einfluss einer Veränderung des Mikrobioms .

Bei einigen RDS-Patienten finden sich genetische Veränderungen, die man auch bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen nachgewiesen hat. Außerdem kann die Psyche die Verdauungsfunktion beeinflussen und spielt so direkt oder indirekt eine Rolle bei der Ausprägung der Symptome. Viele RDS-Patienten berichten über stärkere Symptome, wenn sie unter Stress stehen. Der Forschungszweig der Psychomikrobiotik beschäftigt sich mit möglichen Wechselwirkungen zwischen Darmzustand und psychischen

Osteopathisch unterstützen

Einige Studien und Untersuchungen haben ergeben, dass eine osteopathische Behandlung bei RDS insbesondere Bauchschmerzen lindern und weitere funktionelle Beschwerden verbessern kann. 2012 zeigte Florance et al. in einer Pilotstudie , dass eine viszerale Behandlung im Vergleich zu einer Massagetherapie deutlich positivere Effekte auf subjektive Parameter wie die Lebensqualität und die Schwere der RDS-Symptomatik hatte. 2014 veröffentliche Müller et al. ein systematisches Review fünf verschiedener Studien über die Auswirkungen von osteopathisch manipulativen Therapien auf die Symptome bei RDS. Darin konnten sie einen signifikant positiven Effekt auf Bauchschmerzen oder funktionelle Beschwerden im Vergleich zu Scheinbehandlung oder Standardtherapie verdeutlichen. Ein Review (Übersicht) von Krüger zu vier anderen Studien zur osteopathischen Behandlung bei RDS kam zu ähnlichen Ergebnissen. Die osteopathischen Behandlungen mittels lokalen viszeralen Mobilisationstechniken und der Behandlung des Vegetativums erzielten positive und mehrheitlich signifikante kurz- und mittelfristige Effekte auf Lebensqualität, abdominale Schmerzen und zum Teil auf weitere reizdarmspezifische Krankheitssymptome.

Diese Studien zeigen, dass eine osteopathische Behandlung als Begleittherapie zur schulmedizinischen Herangehensweise sinnvoll ist.

Osteopathische Behandlung hilft bei Rückenschmerzen während und nach der Schwangerschaft.

Patienteninformation

Ergebnisse einer Übersichtsstudie

Schmerzen im Bereich des unteren Rückens und des Beckengürtels sind häufig während der Schwangerschaft, vor allem während des 3. Trimesters. Etwa jede zweite schwangere Frau leidet darunter.Untersuchungen zeigen zudem,dass selbst 12 Monate nach der Schwangerschaft Rücken- und Beckengürtelschmerzen bei ca. 67% der Frauen vorhanden sind.

Schmerzen im unteren Bereich des Rückens sind definiert als lokale Schmerzen unterhalb des Rippenbogens und oberhalb der Glutealfalte. Schmerzen im Bereich des Beckengürtels sind als Schmerz im Bereich der Symphysis pubica und/oder in einem oder beiden iliosakralen Gelenken
und Schmerzen in der Glutealregion definiert. Oft unterscheidet die Literatur Rückenschmerzen in der Schwangerschaft nicht von Beckengürtelschmerzen.

Die Ursache für Rückenschmerzen während der Schwangerschaft ist unklar und scheint unspezifisch zu sein,wobei ein Bezug zu Veränderungen in der Körperhaltung diskutiert wird (z.B. die Zunahme der lumbalen Lordose, um das vermehrte Gewicht des Abdomens auszugleichen). Ähnlich unklar sind die Gründe für die Entstehung von Beckengürtelschmerzen, wobei muskulös skelettale Ursachen weit mehr angenommen werden als Störungen der Beckenorgane. Die Europäischen Richtlinien empfehlen bei schwangerschaftsbezogenen Rückenschmerzen eine angemessene Aufklärung der Patientinnen, verbunden mit der Aufforderung, sich aktiv zu bewegen. Wo angezeigt, sollen individuelle Übungen angeboten werden. Ob dies wirklich hilft, ist durch Studien jedoch nur unzureichend belegt.

Osteopathie ist ein Behandlungsansatz, der die Rolle des muskuloskelettalen Systems für die Gesundheit betont und durch verschiedene manuelle Techniken die optimale Funktion des Körpergewebes zu erreichen sucht. Die osteopathische Behandlung basiert auf einer breiten
Palette manueller Techniken. Die Behandlung ist charakterisiert durch eine ganzheitliche Betrachtung des Patienten und kann durchaus Empfehlungen zum Lebensstil und die Berücksichtigung des psychosozialen Hintergrundes enthalten.

Eine Übersichtsstudie, die 2017 im englischen Fachjournal Journal of Bodywork and Movement Therapieserschien, ging nun der
Frage nach, wie wirksam die osteopathische Behandlung bei Frauen mit Rückenschmerzen während und nach der Schwangerschaft ist.
Gemessen wurde der Erfolg an der Schmerzabnahme und dem funktionellen Status, d.h. an der Fähigkeit der Patientinnen, Alltagsverrichtungen ohne Einschränkungen ausüben zu können. Zudem wurde erfasst, ob es bei der osteopathischen Behandlung zu
Nebenwirkungen kam. 8 Studien mit 850 Teilnehmerinnen erfüllten die Einschlusskriterien der Übersichtsstudie. Fünf Studien untersuchten die Wirksamkeit der Osteopathie bei Rückenschmerzen während der Schwangerschaft, drei Studien die therapeutischen
Ergebnissebei Rückenschmerzen nach der Schwangerschaft.

Die Übersichtsstudie belegte einen klinisch relevanten Nutzen der Osteopathie bei der Behandlung von Rückenschmerzen während und nach der Schwangerschaft.Sowohl hinsichtlich des Schmerzes als auch bei der Verrichtung von Alltagstätigkeiten kam es zu spürbaren Verbesserungen.Bis auf gelegentliche Müdigkeit bei einigen Patientinnen nach der Behandlung kam es zu keinen Nebenwirkungen.
Besonders die Osteopathinnenund Osteopathen aus Deutschland zeigten mit sechs von acht Studien ein herausragendes Bemühen und Forschungsinteresse umFrauen mit Rückenschmerzen während und nach der Schwangerschaft, bei dem es sich nach wie vor um ein klinisches Problem handelt, von dem nur wenige Aspekte gut untersucht sind. Die Autoren verweisen darauf, dass weitere Studien können und größere und qualitativ hochwertige klinisch randomisierte Studien wünschenswert wären.

Diese Zusammenfassung bezieht sich auf die folgende Studie: Franke, Helge et al.:
Osteopathic manipulative treatment for low back and pelvic girdle pain during and after pregnancy: A systematic review and meta-
analysis. Journal of Bodywork and Movement
Therapies, Volume 21, Issue 4, 752 -762

Die Erstellung dieser Fachinformation wurde mit Mitteln desVOD und des FOF unterstützt,
die damit aber keinen Einfluss auf den Inhalt nahmen.
Erstellt von: INIOST, Institut für osteopathische Studien, Siegen, www.iniost.de
Download der Studie: http://osteopathie.de/fachinfo_rschw

Frau Salzmann stellt sich vor

Frau Salzmann

Mein Weg zur Osteopathie

Seit Januar 2018 bin ich nun als Therapeutin in der Osteopathiepraxis am Killesberg tätig. Dies möchte ich zum Anlass nehmen, mich über meinen Lebenslauf hinaus vorzustellen.
Nach meiner Schulzeit an einem Sportgymnasium und einer Kindheit und Jugend als aktive Turnerin lag es für mich nahe, nach dem Abitur ein Studium der Sportwissenschaft aufzunehmen.
Im Studium an der Universität Tübingen mit dem Profil Gesundheitsförderung wurden mir dann die biologischen und medizinischen Grundlagen von Gesundheit und Krankheit im Zusammenhang mit Bewegung und Sport vermittelt. In Praxisseminaren wie ‘Sport nach Krebs‘, Hüft- und Herzsport konnte ich parallel zum wissenschaftlichen Studium viel Erfahrungen mit ganz unterschiedlichen Patientengruppen und deren Krankheitsbildern sammeln. Zusätzlich arbeitete ich als Übungsleiterin sowohl im Senioren-, wie im Kinder- und Jugendsport. Auch ein Auslandspraktikum in Auckland, Neuseeland in einem Reittherapiezentrum für Kinder mit Autismus entwickelte mein Interesse an Gesundheitsförderung und Therapie weiter.
So war für mich klar, dass ich über meinen Bachelorabschluss in Tübingen 2013 hinaus noch weiter in den therapeutischen Bereich gehen wollte und schrieb mich für ein Studium an der Osteopathie Schule Deutschland (OSD) in Berlin ein.
Der ganzheitliche Ansatz der Osteopathie erschien mir als die konsequente Fortführung meines bisherigen Weges, der Beschäftigung mit Bewegung und Körper, um den komplexen Krankheitsbildern der heutigen Gesellschaft zu begegnen. In meinen vier Jahren an der Osteopathie Schule in Berlin erwarb ich tatsächlich ein viel tiefer gehenderes Verständnis von Struktur und Funktion des menschlichen Körpers.

Dieses Wissen dient mir nun in der Praxis als Grundlage, um den Ursprung von Beschwerden zu erkennen und gleichzeitig mit speziellen osteopathischen Techniken zu behandeln. Es ist spannend, die Wechselwirkung verschiedener Bereiche des Körpers zu verstehen und bei jedem Patienten wieder neu zu entdecken. Warum ist es manchmal notwendig das Kiefergelenk zu behandeln, um Schmerzen am Knie zu lindern? Solche faszinierenden Zusammenhänge lassen sich mit Hilfe der Osteopathie begreifen.

Osteopathie kennt keine Fachgebiete oder Patientengruppen. Dennoch habe ich über das Thema meiner Abschlussarbeit spezielles Interesse für den Bereich der Frauenheilkunde entwickelt.
Auch die Betreuung von Jugendlichen und Erwachsenen mit sportlichem Background hat für mich auf Grund meines persönlichen Werdegangs einen besonderen Stellenwert.
Es macht mir nun große Freude, als Mitarbeiterin der Osteopathiepraxis am Killesberg, die Patienten auf dem Weg zu mehr Gesundheit und Lebensqualität zu begleiten.

Hinweis

Mit dem Blog möchte ich Sie gerne informieren.

Dennoch möchte ich Sie aus rechtlichen Gründen wird darauf hingewiesen, dass in der Benennung der beispielhaften aufgeführten Anwendungsgebiete selbstverständlich kein Heilversprechen oder die Garantie einer Linderung oder Verbesserung aufgeführter Krankheitszustände liegen kann. Die Anwendungsgebiete beruhen auf Erkenntnissen und Erfahrungen in der hier vorgestellten Therapieeinrichtung osteopathischer Therapie.
Für den Bereich der Wirbelsäule, z.B. beim chronischen Schmerz – Syndrom der Wirbelsäule, geht die Bundesärztekammer in der Regel von einer Wirksamkeit osteopathischer Behandlungen aus. Im übrigen gibt es bislang keine Studien, die in wissenschaftlicher Hinsicht die Wirkweisen der osteopathischen Therapie bei den genannten Krankheitsbildern nachweisen.

Seit 2001 arbeite ich als fertig ausgebildete Osteopathin in eigener Praxis. Meine Abschlussarbeit habe ich über die Kieferorthopädie geschrieben. Die Arbeit mit Kindern hat mich auch als Physiotherapeutin bereits interessiert. Die Osteopathie hat einen erweiterten Blick auf den Menschen und betrachtet viel mehr die ganzheitlichen Zusammenhänge . Wenn man mit Säuglingen arbeitet, erkennt man die Problematiken, die bei den ganz Kleinen schon beginnen und kann verfolgen, zu welchen späteren Problemen dies im Erwachsenenalter führen kann. Da man am Lebensanfang viel effektiver unterstützen kann, ist es mein Anliegen mit einzelnen Beiträgen in diesem Blog junge Eltern zu informieren, damit eine osteopathische Behandlung die größten Chancen für eine gute Entwicklung des Kindes bieten kann.
Natürlich möchten wir Sie auch zu anderen interessanten Theme informieren.