Die Bedeutung der Lymphe im Kopfbereich und wie die Osteopathie dies unterstützen kann

Version für den Laien

Bis vor kurzer Zeit ist man davon ausgegangen, dass das Gehirn kein eigenes Lymphsystem hat. 2013 entdeckte eine Forschergruppe um Nedergaard, dass die Stützzellen des Gehirns eine Röhre um die Gefäße des Gehirns bilden, über welches vor allem während dem Schlaf eine rhytmisches Absaugen der Schadstoffe aus der Hirnflüssigkeit statt findet. Die gewonnene Flüssigkeit wird in das Lymphsystem abgegeben. Ein weiteres Labor um Knippis hat eine Gefäßnetzwerk in den Hirnhäuten gefunden, das einen direkten Zugang zu den Hirnhäuten mit seinen Gefäßen hat. Sie weisen auch auf die Bedeutung des Lymphsystems im Bereich des Siebbeins mit dem Riechnerven und den Schlemmschen Kanälen für das Auge hin. Diese stellen ein wichtiges Reinigungssystem für die Augen dar.

Die Lymphe erfüllt eine wesentliche Immun- und Entsorgungsfunktion. Daher liegt nahe, dass es zu Problemen kommen kann, wenn dieses System nicht mehr gut genug funktioniert. Hierzu gehören die neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, MS, Apoplex aber auch Augenprobleme wie der Graue Star, virale Belastungen im zentralen Nervensystem und viele weitere Krankheiten.

Osteopathische Überlegungen

Berücksichtigt man diese neuen Erkenntnisse hinsichtlich der Versorgung und Reinigung des Gehirns, so gewinnen Herangehensweisen über das flüssigen System eine weitere wichtige Perspektive. In der Osteopathie hat dieses System schon immer eine große Rolle gespielt und bietet hier viele Techniken zur Therapie an:

Therapie des Ventrikelsystems

In den Ventrikeln wird die Hirnflüssigkeit gebildet, die das zentrale Nervensystem umfließt und dann über den 4. Ventrikel den Schädel verläßt und bis in die Peripherie das Nervensystem begleitet.

Eine gute Fluktuation und ein gutes Abfließen sind hier von großer Bedeutung. Die Mobilität der Rippenköpfchen ist für die Resorption dann wichtig.

Entspannung der Kopfschwarte, an der die großen Muskelketten ankern. Einschränkungen der faszialen Ketten haben hier einen Einfluss. Die Kopfschwarte hat 7 Schichten. Zwischen den Schichten fließt Lymphe. Hier gibt es Gefäß- und Nervenverbindungen von außen nach innen. Diese Verbindung dient der Homöostase (Gleichgewicht der Flüssigkeiten). Einschränkungen hier haben vielfältige Einflüsse und können zu verschiednen Störungen führen wie z.B. Kopfschmerzen.

Entspannung der inneren Hirnhäute. In den Öffnungen der Hirnhäute zum Schädel hin fließt venöses Blut zusammen.Dieser Bereich hat mit der Kopfschwarte Beziehungen. Durch die einzelnen Hirnhäute werden möglicherweise Engpässe für Nerven und Gefäße gebildet. Diese Engpässe können den Durchfluss stören und die Nerven beeinträchtigen.

– Behandlung des Nasenwurzelbereichs. Über den Riechnerv und die Schlemmschen Kanäle des Auges fließt Lymphe ab. Oberhalb der Augen liegt das Stirnbein. Die Innenseite ist ausgegleitet mit Hirnhaut. Hier setzt die sichelförmige vordere Hirnhaut an. Fehlspannungen hier haben Einfluss auf die Augen, den Nasenbereich, dem Oberkiefer und dem Stirnhirnbereich. Im Stirnhirn liegt unsere bewußte Verarbeitung. Diese Region ist auch für die Gesundheit der Augen wichtig.

– Behandlung des gesamten Schlundbereich. In diesen sind die großen Gefäße zum Kopf hin eingebettet, das Lymphsystem u.a. der Waldeyersche Rachenring und ein Teil der Hirnnerven. Eine gute Beweglichkeit des Mundbodens wirkt wie eine Pumpe auf den Rachenring. Hier spielt auch die Beweglichkeit des Kiefergelenkes eine Rolle.

– der Thoraxeingang mit seiner Verbindung zum Herzeingang. Hier liegen zum einen die großen Gefäße, die zum Herzen führen, vergitative Nerven, die Einmündung des Lymphsystems in die Unterschlüsselbeinvenen. Eine gute Beweglichkeit der oberen Brustwirbelsäule, der Schlüsselbeine, der Schultergelenke, des Brustbein, der Rippen sind hier von großer Bedeutung. In diesem Bereich müssen auch die vielfältigen faszialen Zusammenhänge therapeutisch bedacht werden.

Dies ist ein Teil der osteopathischen Arbeit um den Kopf frei zu machen.

Lymphsystem des Kopfes

Bis vor relativ kurzer Zeit wurde davon ausgegangen, dass das ZNS kein eigenes Lymphsystem hat und das periphere Lymphsystem mit dem Waldeyer-Rachenring bzw. den Tonsillen, Polypen und Lymphknoten im zervikalen Bereich an der Schädelbasis endet. Ab der Dura mater gäbe es kein Lymphsystem.

Die Blut-Hirn-Schranke und die Blut-Liquor-Schranke wurden unter physiologischen Bedingungen als unüberwindliche Grenze betrachtet,nur wenige Stoffe seien durchgängig.

2013 entdeckte die Forschergruppe um Nedergaard einen physiologischen Mechanismus im Bereich der Gliazellen (Stützzellen des Gehirns )des ZNS, den sie in Anlehnung an das lymphatische System glymphatisches System tauften. Sie waren die Ersten, die diese funktionelle Einheit beschrieben. Ähnlich dem lymphatischen System wird das glymphatische System als fließendes Durchlaufsystem zum Abtransport von überflüssigem und schädlichem Material verstanden.

Die Transportflüssigkeit wird in das lymphatische System abgegeben. Louveau und Kipnis sowie Aspelund et al. entdeckten später auf der Suche nach Zugangswegen für T‑Zellen (Immunzellen) die Arteriolen und Venolen begleitende Lymphgefäße.

Das Kipnis-Labor hat ein Gefäßnetzwerk in der Hirnhaut mit direkter Verbindung zu den zervikalen Lymphgefäßen gefunden. Die Drainage erfolgt in den Kanälen entlang der venösen Zusammenflüsse in den Hirnhäuten, Meningealarterien und Hirnnerven sowie dem Siebbein und über eine Absorptiondes Liquors. Das Abflusssystem der Augen sehen sie auch als Teil dieses Systems. Dies dient der Reinigung der Augen.

Hirnnervenwasser ( Liquor cerebrospinalis)

Im Liquor cerebrospinalis sammeln sich alle Stoffe, die nicht über die Blut-Hirn-Schranke gelangen und ausgeschieden werden können. Lange ging man davon aus,dass dies durch Diffusion geschieht, doch bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass dieser Vorgang viel zu langsam wäre. Da das Gehirn eine extrem hohe Stoffwechselaktivität hat, muss es andere Mechanismen geben. Heute weiß man, dass es einen schwallartigen Abfluss im Liquor gibt,der am schnellsten im Bereich der weißen Materie und um die Gefäße herum ungefähr genauso schnell wie der Lymphfluss in der Peripherie fließt.

Lymphsystem des Gehirns

Die Lymphe erfüllt eine wesentliche Immun- sowie eine Entsorgungsfunktion. Die Lymphgefäße verlaufen parallel zu den Blutgefäßen und transportieren interstitielle Flüssigkeit, Proteine und Stoffwechselprodukte. So kommt es zur Reinigung über das venöse System und die Abbauprodukte werden über Leber und Nieren entsorgt. Sie verbinden Immun- und Nervensystem und könnten daher eine Rolle bei Autoimmun- und neurodegenerativen Erkrankungen spielen.

Immunaufgaben des Lymphsystems

Das Lymphsystem hat mit grundlegenden Aspekten der Organfunktion wie interstitielle Flüssigkeit zwischen den Zellen, Gleichgewicht der Lipide und Proteine sowie Transport von Lymphozyten und antigenpräsentierenden Zellen zu den Lymphknoten zu tun. Das scheint auch im Gehirn entsprechend zu sein. Ebenso wie das periphere Lymphsystem hat das Lymphsystem der Hirnhäute eine Immunzellfunktion mit B- und T-Lymphozyten und drainiert das Gewebe.

Schlaf

Das Gehirn, dessen Masse nur 2% des Körpergewichts beträgt,verbraucht ca. 25% der Energie. Das heißt, es fallen auch entsprechend Metabolite an, die abtransportiert werden müssen. Dass glymphatische System entsorgt gemeinsam mit dem lymphatischen System die Metabolite des ZNS. Die Hauptaktivitätszeit ist nachts. 90–95% der Entsorgung finden während der Tiefschlafphasen statt. Außerdem ist der Fluss nachts schneller, vermutlich auch dadurch bedingt, dass die Zellen nachts schrumpfen und somit bis zu 60–65%mehr Platz zum Durchspülen (Bulkflow) gegeben ist. Dies zeigt die Bedeutung eines gesunden Schlafes an. Die Annahme, dass nicht nur Vorgänge im Zellinneren,sondern auch im Interstitium an degenerativen und neurologischen Erkrankungen wie z.B. Morbus Alzheimer beteiligt sind, verdeutlicht, wie wichtig eine gute Reinigung

Osteopathische Überlegungen

Berücksichtigt man diese neuen Erkenntnisse hinsichtlich der Versorgung und Reinigung des Gehirns, so gewinnen Herangehensweisen über das flüssigen System eine weitere wichtige Perspektive. In der Osteopathie hat dieses System schon immer eine große Rolle gespielt und bietet hier viele Techniken zur Therapie an:

– Therapie des Ventrikelsystems, Hier kommt dem 4. Ventikel eine große Bedeutung zu, da die Hirnflüssigkeit von hier nach unten das Rückenmark umspült bis in die peripheren Nerven.

– Entspannung der Kopfschwarte ( 7 Schichten, zwischen denen die Lymphe fließt) An ihr ankern die großen Muskelketten. Spannungen im Bereich des Körpers können hier zu Störungen führen. Hier liegen Gefäß- und Nervenverbindungen die das Kopfäußere mit dem innenen Liquorsystem verbinden . Diese Verbindung dient der Homöostase (Gleichgewicht der Flüssigkeiten). Da der Schädel beengt ist, spielt dies eine Rolle z.B. bei Kopfschmerzen.

-Entspannung der inneren Hirnhäute. Mit diesen ist auch das Gefäßsystem verbunden. Durch Fehlspannung kann es zu Engpässen im Flussvolumen kommen.

– Behandlung des Nasenwurzelbereichs. Über den Riechnerv und die Schlemmschen Kanäle des Auges fließt Lymphe ab. Von oben her ist hier der knöcherne Deckel oberhalb der Augen, wo die vordere Hirnhautsichel ansetzt. Die Hirnhäute öffnen sich zum knöcheren Schädel hin und führen venöses Blut. Hier liegt der Teil unseres Gehirn, der unser Bewusstsein ausmacht. Die Region ist auch für die Gesundheit der Augen wichtig.

– Behandlung des gesamten Schlundbereich. In diesen sind die großen Gefäße zum Kopf hin eingebettet, das Lymphssystem u.a. der Waldeyersche Rachenring und ein Teil der Hirnnerven. Eine gute Beweglichkeit des Mundbodens wirkt wie eine Pumpe auf den Rachenring und aktiviert den Lymphfluss.

– der Thoraxeingang mit seiner Verbindung zum Herzeingang. Hier liegen zum einen die großen Gefäße zum Herzen hin führen, vergitative Nerven und der Rückfluss des Lymphsystems aus dem gesamten Körper in die Unterschlüsselbeinvenen.

Dies ist ein Teil der osteopathischen Arbeit um den Kopf frei zu machen.