Begrüßung Mónica Sohrbeck Campo

Interview:

Frau Sohrbeck Campo, was hat sie von Madrid nach Stuttgart geführt?

In Stuttgart bin ich mehr oder weniger zufällig gelandet! Mein Mann hat hier in der Region seine erste Arbeitsstelle nach dem Studium gefunden. Nach einer gewissen Zeit bin ich dann von Madrid nach Stuttgart nachgezogen.

Stuttgart ist eine sehr internationale Stadt, die kulturell viel zu bieten hat. Auch die vielen Wälder und Naturschutzgebiete in der Umgebung gefallen mir sehr.

Hier sind meine zwei Kinder geboren und hier gehen sie auch zur Schule. Somit sind wir in Stuttgart sesshaft geworden.

Was hat sie dazu bewogen, die Ausbildung zur Osteopathin zu machen und wo sehen Sie für sich den Unterschied zur Physiotherapie?

Im Laufe meiner physiotherapeutischen Tätigkeit begegnete ich immer wieder Patientinnen und Patienten, die über Therapieerfolge durch osteopathische Behandlungen berichteten. Zusätzlich befanden sich Arbeitskollegen von mir in der Osteopathieausbildung. Wir haben uns oft ausgetauscht und ich wurde neugierig! Da ich ein großes Interesse am menschlichen Körper habe und meine therapeutischen „Werkzeuge“ erweitern wollte, beschloss ich, die Osteopathieausbildung zu beginnen.

Die Individualität der Behandlungen hat mich schnell begeistert, man behandelt keine Krankheitsbilder sondern Menschen. Zudem fand ich beeindruckend, in wie vielen Bereichen Osteopathie einsetzbar ist.

Die Frage zu den Unterschieden zwischen Physiotherapie und Osteopathie stellen auch Patientinnen und Patienten oft. Im Bereich der parietalen Osteopathie, die sich überwiegend mit den Bewegungsapparat beschäftigt, gibt es einige Gemeinsamkeiten zwischen beiden Disziplinen. Den wesentlichen Unterschied sehe ich in der holistische Betrachtung des Menschen in der Osteopathie und in der Annahme, dass der Körper in der Lage ist, sich selbst zu regulieren. Er hat die Tendenz zu Harmonie und Gesundheit. Oft braucht es nur einen Impuls in die richtige Richtung, um zu dem bestmöglichen Gesundheitszustand zu gelangen. Osteopatische Techniken bewirken dafür eine optimale Beweglichkeit und einen funktionierenden Stoffwechsel im Gewebe.

Natürlich ist dabei auch ein gesunder Lebensstil enorm wichtig, Dazu zählen ausreichender Schlaf, eine gesunde Ernährung, aktive Bewegung und psychosoziale Ausgeglichenheit.

Haben sie bestimmte Schwerpunkte in der Osteopathie?

Mich interessiert die Arbeit mit Kindern. Bei der Deutsche Gesellschaft für Osteopatische Medizin (DGOM) in Mannheim, am Institut für Osteopathie Frankfurt und beim AVT College in Nagold habe ich mich zu diesem Thema intensiv fortgebildet und will dieses auch noch weiter vertiefen.

Die Betreuung von Frauen in der Schwangerschaft, nach der Geburt, vor und während der Wechseljahre oder nach gynäkologischen operativen Eingriffen (z.B. Kaiserschnitt, Mamma Carcinom, Histerectomie, etc..) liegt mir ebenfalls sehr am Herzen. Ich bin überzeugt dass man Frauen in diesen besonderen Situationen mit Osteopathie sehr gut unterstützen kann. Mit dem zusätzlichen Wissen aus Präparationskursen während meiner Ausbildung habe ich meine Abschlußarbeit über Kaiserschnitt und Adhäsionen (Verklebungen zwischen verschieden Gewebeschichten) geschrieben.

Das Thema Darm finde ich genauso interessant. Es wird immer deutlicher, dass der Darm nicht nur die Nahrung verdaut und resorbiert, sondern dass er auch eine große Rolle in unseren Immunsystem spielt. Eine nicht ausgeglichene Zusammensetzung des Mikrobioms (Darmflora) kann die Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ 1 oder von Hauterkrankungen wie Neurodermitis begünstigen. Auch spannend ist die rege Kommunikation zwischen Darm und Gehirn über das enterische Nervensystem, die Darm-Hirn-Achse.

Wo sehen sie die Besonderheiten der Osteopathie mit denen den Patienten geholfen werden kann?

Ein großer Vorteil der osteopathischen Behandlung ist die längere Behandlungsdauer. Ich bin sehr dankbar, dass wir OsteopathInnen in unseren Sitzungen Zeit haben um umfassend zu untersuchen und zu behandeln.

Osteopathie kann umfassend eingesetzt werden, Kinderheilkunde, Frauenheilkunde, Traumatologie, Orthopädie, etc.. Manchmal ist sie als alleinige Therapie genügend, oft auch eine sehr hilfreiche Begleittherapie.

Haben Sie Bereiche in den Sie die noch weiter vertiefen möchten?

Ja, auf jeden Fall! Das ist das schöne an unserer Arbeit. Es gibt immer viele Wege und Richtungen in die man sich weiter entwickeln kann. Ich möchte u.a. das Thema Frauenheilkunde noch weiter vertiefen. Hier gibt noch einen Berg interessanter Literatur und natürlich Fortbildungen.

Wir beschäftigen uns täglich mit Faszien, auch hier gibt es immer mehr neue Erkenntnisse und Zusammenhänge, die für unsere Arbeit als OsteopathInnen von großer Bedeutung sind.

befragt von Petra Gohl-Frohnmayer

Leserbrief an die Stuttgarter Zeitung

Osteopathie bei Babys liegt im Trend vom 7.5.2021

Wie im Artikel beschrieben gibt es die Ausbildung in Deutschland seit Ende der 1980 Jahre. In Amerika ist Osteopath ein Beruf, der dem „medical doctor“ (hier Arzt) gleichgestellt ist. Osteopathie findet in den USA Anwendung in vielen Kliniken neben der Schulmedizin. Viola Fryman, die große Dame der Kinderosteopathie war ärztliche Leiterin einer Kinderklinik, die heute als Stiftung weiter geführt wird. Sie hat jahrelang klinische Studien zu der Therapie bei Kindern durchgeführt und die Wirksamkeit der Osteopathie in der Kinderbehandlung aufgezeigt. Diese Studien sind in den entsprechenden Internetbibliotheken abrufbar. Durch die Integration der Osteopathie in den klinischen Betrieb ist es erst möglich, entsprechende Studien durchzuführen. Solche Studien sind für Absolventen einer universitären Osteopathieausbildung in Deutschland nur schwer möglich. Die klinischen Erfahrungen der Osteopathie in den angelsächsischen Ländern sind durchaus auf Deutschland übertragbar. Nachbarländer wie die Schweiz, England usw. haben den Beruf des Osteopathen eingeführt und damit auch eine geregelte Ausbildung und Qualifizierung der Therapeuten erreicht. In der Qualifizierung und damit der Rechtssicherheit für den Patienten sehe ich das größte Problem. Hierzu braucht es eine geregelte Berufsbild und Ausbildung.

Die Grundlage der osteopathischen Behandlung sind die normalen Grundlagenfächer der Medizin, wie Anatomie, Physiologie, Krankheitslehre usw. Ein wesentlicher Teil der Ausbildung bildet die Embryologie. Gerade diese ist für die Behandlung der Säuglinge wesentlich. Osteopathie ist eben keine manuelle Therapie,in der ein einzelner Muskel gedehnt wird, sondern arbeitet mit einem wesentlich erweitertem Konzept. Es geht nicht um Krankheit, sondern um die Unterstützung der normalen Entwicklung des kindlichen Körpers, um die Unterstützung der noch nicht beendeten „embryonalen“ Entwicklung und um einen Abbau des Geburtsstress.

Die Bedeutung der Sinusse in der Osteopathie

Thieme Anatomie

Im Moment tauchen in den Medien die venösen Sinusse des Schädels immer wieder im Zusammenhang mit Thrombosen nach einer Impfung mit Astracenica als mögliche Impffolge auf.

Kaum ein Laie weiß wahrscheinlich so richtig was es mit diesen „Venen“ auf sich hat. In der Osteopathie kennt man sie und sie haben dort eine große Bedeutung. Eigentlich sind es keine Venen im eigentlichen Sinne mit einer Gefäßwand und Klappen. Das Gehirn besitzt „Trennscheiben“ zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte und dem Groß- und Kleinhirn. Das sind jeweils Doppelblätter, die sich zum Schädeldach hin öffnen wie ein Y. In diesen Öffnungen fließt das venöse Blut oberhalb der Schädelbasis. Es gibt ein vertikales System zwischen rechtem und linkem Gehirn. Von vorne reicht es von der Siebbeinplatte mit den Riechnerven in einem großen Bogen bis nach hinten in den Bereich des Hinterhauptbeines . Hier trennt es die Kleinhirnanteile . Dann gibt es das horizontale System zwischen Groß- und Kleinhirn. Im Bereich der Hypophyse kreuzt das äußere Ende des Blattes mit dem inneren und setzen jeweils an den Höckern des Türkensattes an. Auf diesem Sattel sitzt die Hypophyse. Hier öffnet sich ein Raum, in dem sich das venöse Blut sammelt und die Hormone der Hypophyse aufnehmen kann. Auf dieser Höhe entstehen dann die uns bekannte Form von Venen, die Vena jugularis, die im inneren Winkel des Unterkiefers mit den Halsschlagadern zum Thoraxeingang zieht.

Für einen guten Rückfluss Richtung Herz spielen die Beweglichkeit des Mundbodens und Kiefers und die Halsfaszien eine Rolle.

Da, wo das vertikale System der Trennscheiben mit dem horizontalen zusammentrifft liegt ein Fulcrum. von hier aus setzt sich die Spannung der Falxen (Trennscheiben) bis zum Ansatz der Rückenmarkshäute am Kreuz- und Steißbein forts. Die Hirnhäute sgehen in die Rückenmarkshäute über. Fehlspannungen im gesamten Bereich der Wirbelsäule können sich auf dieses membranöse System auswirken.

Der Körper besitzt ein tiefes venöses System, das vom Enddarm netzstrumpfartig um das Rückenmark liegt und bis in den Schädel zu den Sinussen Kontakt hat. Im Bereich des Enddarms hat das tiefe System mit dem oberflächlichen Richtung Leber einen Kurzschluss. Da die Leber gerne wie ein Schwamm ist, staut sich hier das Blut und behindert die Rückflüsse Richtung Herz.

Wo setzt die Osteopathie an.

– Eine der wichtigsten Ansätze ist der freie Fluss im gesamten Blutsystem, sowohl im arteriellen, venösen, Lymph- und im Liquor.

Im kranialen Bereich gibt es viele Techniken, um die Hirnhäute zu entspannen. Damit verbessert man den Lymph- und Liquorfluss im Bereich des Schädels. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse haben ein Lymphsystem entlang der großen Gefäße im Schädelbereich gefunden.

– Verbesserung der Spannungen im Bereich des Mundbodens und der Halsfaszien. Hiermit wird auch die Pumpwirkung im Bereich des lymphatischen Rachenbereich verbessert. Dieser hat eine wichtige Immunitätsfunktion.

– Behandlung des Ventrikelsystems des Schädels. Der Liquor ist ein Teil des venösen Systems und dient vor allem der Ernährung des Nervensystems bis in den Bereich der peripheren Nerven.

– Behandlung des Throraxeingang und der Rückflüsse Richtung Herz. Die Lymphe fließt im Bereich der Unterschlüsselbeinvene zurück ins venöse System. Fehlspannungen im Bereich der Schlüsselbeine können diesen Rückfluss behindern. Hier kehren auch die Venen des Schädels zurück zum Herzen.

Dieser Thoraxeingang ist ebenso für das arterielle System von Bedeutung. Fehlspannungen der oberen Brustwirbelsäule, der Bänder des Herzens zum Brustbein hin, Spannungen der Brustmuskeln, können den Fluss in der Aorta beeinflussen.

Ich habe hier sicherlich noch nicht alle Kontexte genannt, die in der Osteopathie gelehrt werden. Aber ich konnte vielleicht vermitteln, welchen Stellenwert dieser Bereich in der osteopathischen Therapie zugeordnet wird.

20 jähriges Jubiläum als Osteopathin

Ein Rückblick

2001, vor 20 Jahren habe ich die Osteopathie an der Internationalen Akademie für Osteo pathie (IAO) in Gent abgeschlossen.

Der Weg zum Abschluss in der Osteopathie war lang. 1990 habe ich die Ausbildung an der IAO in Deggendorf begonnen. Nach 5 Jahren Ausbildung stellte sich heraus, dass das noch nicht alles war und wir nochmals 600 Ausbildungsstunden absolvieren mussten um eine Anerkennung zu erreichen. Da nicht klar war, ob wir als Studenten der IAO in Deutschland den Abschluss machen können, haben wir uns entschlossen die Prüfung in Belgien vor dem dortigen Ausschuss abzulegen. So habe ich 2001 mit anderen Kollegen aus dem Stuttgarter Raum die Prüfung in Gent abgelegt und die Abschlussarbeit vorgestellt.

In der Zwischenzeit hat sich die Osteopathie in Deutschland mehr formiert und der Verband der Osteopathen Deutschland wurde (VOD) gegründet um politisch die Ausbildung zu strukturieren und um langfristig eine Anerkennung als eigenes Berufsbild zu erreichen.

Um auch in Deutschland anerkannt zu werden, haben wir eine Abschlussprüfung auch in Deutschland noch einmal abgelegt.

Die Osteopathie ist populär geworden und heute kennen sie viele Menschen persönlich. Eine berufliche Anerkennung gibt es leider noch nicht. Da Osteopathie Heilkunde ist, muss man eine Anerkennung als Heilpraktiker haben.

Zum damaligen Zeitpunkt gab es noch wenig deutsche Literatur zur Osteopathie. Das hat sich geändert. Auch werden mittlerweile viele Kurse für Postgraduierte angeboten. Mittlerweile kann die Osteopathie auch studiert werden.

Damals war alles neu und damit auch spannend. Auch heute noch gibt es viel Neues und Interessantes in der Osteopathie zu entdecken. So blicke ich zurück auf viele spannende Dozenten, die mir die Essenz der Osteopathie näher gebracht haben.

So kann Osteopathie der Brustgesundheit helfen

Bei folgenden Problemen ist eine Osteopathie sinnvoll.

Es gibt vielfältige Gründe woran die weibliche Brust erkranken kann.

Stillen

Am bekanntesten sind die Stillprobleme nach der Geburt. Durch das Einschießen der Milch und eventuell Saugproblemen des Säuglings kann es zu Stauungen der Brust und damit auch zu Entzündung der Brust kommen.

Chirurgische Eingriffe an der Brust

Brustprobleme nach einer Brustamputation mit Bestrahlung und oder Chemotherapie. Bei Brustvergrößerung und Verkleinerung.

Hormonell abhängige Probleme im Verlauf des Zyklus.

Das Brustgewebe ist faszial verbunden mit der Bedeckung des Brustkorbes und seiner Muskulatur. Für die Brust spielt daher ihre Verbindung zum knöchernen Brustkorb eine Rolle,wie die Beweglichkeit der Rippen und der Wirbelgelenke. Die hinteren Rippengelenke der Brustwirbelsäule 1-4 haben Kontakt zum sympathischen Grenzstrang. Dieser regelt die Durchblutung des Brustkorbes und zum Kopf hin.

Der Brustkorbeingang.

Hier spielt die Beweglichkeit der Schlüsselbeine und ihr Kontakt zu den Venen Richtung Herz eine große Rolle. Hier fließt auch die Lymphe zurück in das venöse System. Im Bereich der Achsel liegen die Wächterlymphknoten der Brust. Dieser Bereich ist für die Lymphabflüsse von Bedeutung.

Restriktionen im Bereich der Lunge,. Diese können zu Bewegungseinschränkungen des Brustkorbes führen und beeinflussen so indirekt den Bereich der Brust. Die Lungenbeutel gehen in die faszialen Halsbedeckungen über. Restriktionen in diesem Bereich wirken sich ebenfalls auf die Brust aus.

Das Zwerchfell ist die größte Venen-Lymphpumpe. Sollte es hier zu Beweglichkeitseinschränkungen kommen, wird sich dies auch auf den Lymphfluss im Brustbereich auswirken.

Die Brust liegt wie eine Grapefruit auf dem Brustkorb und sollte in alle Richtungen verschieblich sein. Die Milchschläuchchen sind zur Brustwarze hin fixiert. Hier kann durch Techniken geholfen werden diese zu entstauen.

Über die Hormone der Hypophyse wird die Brust beeinflusst. Hier kann über eine craniale osteopathische Arbeit regulierend Einfluss genommen werden.

Die Schilddrüse liegt eingebettet in den faszialen Halsgeweben. Spannungen hier wirken sich auf die Schilddrüse aus. Die Schilddrüse ist auch für den hormonellen Bereich von Bedeutung.

Die Osteopathie bietet für die Probleme der Brust vielseitige Therapiemöglichkeiten und kann so die Brustgesundheit unterstützen.

Die Bedeutung der Lymphe im Kopfbereich und wie die Osteopathie dies unterstützen kann

Version für den Laien

Bis vor kurzer Zeit ist man davon ausgegangen, dass das Gehirn kein eigenes Lymphsystem hat. 2013 entdeckte eine Forschergruppe um Nedergaard, dass die Stützzellen des Gehirns eine Röhre um die Gefäße des Gehirns bilden, über welches vor allem während dem Schlaf eine rhytmisches Absaugen der Schadstoffe aus der Hirnflüssigkeit statt findet. Die gewonnene Flüssigkeit wird in das Lymphsystem abgegeben. Ein weiteres Labor um Knippis hat eine Gefäßnetzwerk in den Hirnhäuten gefunden, das einen direkten Zugang zu den Hirnhäuten mit seinen Gefäßen hat. Sie weisen auch auf die Bedeutung des Lymphsystems im Bereich des Siebbeins mit dem Riechnerven und den Schlemmschen Kanälen für das Auge hin. Diese stellen ein wichtiges Reinigungssystem für die Augen dar.

Die Lymphe erfüllt eine wesentliche Immun- und Entsorgungsfunktion. Daher liegt nahe, dass es zu Problemen kommen kann, wenn dieses System nicht mehr gut genug funktioniert. Hierzu gehören die neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, MS, Apoplex aber auch Augenprobleme wie der Graue Star, virale Belastungen im zentralen Nervensystem und viele weitere Krankheiten.

Osteopathische Überlegungen

Berücksichtigt man diese neuen Erkenntnisse hinsichtlich der Versorgung und Reinigung des Gehirns, so gewinnen Herangehensweisen über das flüssigen System eine weitere wichtige Perspektive. In der Osteopathie hat dieses System schon immer eine große Rolle gespielt und bietet hier viele Techniken zur Therapie an:

Therapie des Ventrikelsystems

In den Ventrikeln wird die Hirnflüssigkeit gebildet, die das zentrale Nervensystem umfließt und dann über den 4. Ventrikel den Schädel verläßt und bis in die Peripherie das Nervensystem begleitet.

Eine gute Fluktuation und ein gutes Abfließen sind hier von großer Bedeutung. Die Mobilität der Rippenköpfchen ist für die Resorption dann wichtig.

Entspannung der Kopfschwarte, an der die großen Muskelketten ankern. Einschränkungen der faszialen Ketten haben hier einen Einfluss. Die Kopfschwarte hat 7 Schichten. Zwischen den Schichten fließt Lymphe. Hier gibt es Gefäß- und Nervenverbindungen von außen nach innen. Diese Verbindung dient der Homöostase (Gleichgewicht der Flüssigkeiten). Einschränkungen hier haben vielfältige Einflüsse und können zu verschiednen Störungen führen wie z.B. Kopfschmerzen.

Entspannung der inneren Hirnhäute. In den Öffnungen der Hirnhäute zum Schädel hin fließt venöses Blut zusammen.Dieser Bereich hat mit der Kopfschwarte Beziehungen. Durch die einzelnen Hirnhäute werden möglicherweise Engpässe für Nerven und Gefäße gebildet. Diese Engpässe können den Durchfluss stören und die Nerven beeinträchtigen.

– Behandlung des Nasenwurzelbereichs. Über den Riechnerv und die Schlemmschen Kanäle des Auges fließt Lymphe ab. Oberhalb der Augen liegt das Stirnbein. Die Innenseite ist ausgegleitet mit Hirnhaut. Hier setzt die sichelförmige vordere Hirnhaut an. Fehlspannungen hier haben Einfluss auf die Augen, den Nasenbereich, dem Oberkiefer und dem Stirnhirnbereich. Im Stirnhirn liegt unsere bewußte Verarbeitung. Diese Region ist auch für die Gesundheit der Augen wichtig.

– Behandlung des gesamten Schlundbereich. In diesen sind die großen Gefäße zum Kopf hin eingebettet, das Lymphsystem u.a. der Waldeyersche Rachenring und ein Teil der Hirnnerven. Eine gute Beweglichkeit des Mundbodens wirkt wie eine Pumpe auf den Rachenring. Hier spielt auch die Beweglichkeit des Kiefergelenkes eine Rolle.

– der Thoraxeingang mit seiner Verbindung zum Herzeingang. Hier liegen zum einen die großen Gefäße, die zum Herzen führen, vergitative Nerven, die Einmündung des Lymphsystems in die Unterschlüsselbeinvenen. Eine gute Beweglichkeit der oberen Brustwirbelsäule, der Schlüsselbeine, der Schultergelenke, des Brustbein, der Rippen sind hier von großer Bedeutung. In diesem Bereich müssen auch die vielfältigen faszialen Zusammenhänge therapeutisch bedacht werden.

Dies ist ein Teil der osteopathischen Arbeit um den Kopf frei zu machen.

Lymphsystem des Kopfes

Bis vor relativ kurzer Zeit wurde davon ausgegangen, dass das ZNS kein eigenes Lymphsystem hat und das periphere Lymphsystem mit dem Waldeyer-Rachenring bzw. den Tonsillen, Polypen und Lymphknoten im zervikalen Bereich an der Schädelbasis endet. Ab der Dura mater gäbe es kein Lymphsystem.

Die Blut-Hirn-Schranke und die Blut-Liquor-Schranke wurden unter physiologischen Bedingungen als unüberwindliche Grenze betrachtet,nur wenige Stoffe seien durchgängig.

2013 entdeckte die Forschergruppe um Nedergaard einen physiologischen Mechanismus im Bereich der Gliazellen (Stützzellen des Gehirns )des ZNS, den sie in Anlehnung an das lymphatische System glymphatisches System tauften. Sie waren die Ersten, die diese funktionelle Einheit beschrieben. Ähnlich dem lymphatischen System wird das glymphatische System als fließendes Durchlaufsystem zum Abtransport von überflüssigem und schädlichem Material verstanden.

Die Transportflüssigkeit wird in das lymphatische System abgegeben. Louveau und Kipnis sowie Aspelund et al. entdeckten später auf der Suche nach Zugangswegen für T‑Zellen (Immunzellen) die Arteriolen und Venolen begleitende Lymphgefäße.

Das Kipnis-Labor hat ein Gefäßnetzwerk in der Hirnhaut mit direkter Verbindung zu den zervikalen Lymphgefäßen gefunden. Die Drainage erfolgt in den Kanälen entlang der venösen Zusammenflüsse in den Hirnhäuten, Meningealarterien und Hirnnerven sowie dem Siebbein und über eine Absorptiondes Liquors. Das Abflusssystem der Augen sehen sie auch als Teil dieses Systems. Dies dient der Reinigung der Augen.

Hirnnervenwasser ( Liquor cerebrospinalis)

Im Liquor cerebrospinalis sammeln sich alle Stoffe, die nicht über die Blut-Hirn-Schranke gelangen und ausgeschieden werden können. Lange ging man davon aus,dass dies durch Diffusion geschieht, doch bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass dieser Vorgang viel zu langsam wäre. Da das Gehirn eine extrem hohe Stoffwechselaktivität hat, muss es andere Mechanismen geben. Heute weiß man, dass es einen schwallartigen Abfluss im Liquor gibt,der am schnellsten im Bereich der weißen Materie und um die Gefäße herum ungefähr genauso schnell wie der Lymphfluss in der Peripherie fließt.

Lymphsystem des Gehirns

Die Lymphe erfüllt eine wesentliche Immun- sowie eine Entsorgungsfunktion. Die Lymphgefäße verlaufen parallel zu den Blutgefäßen und transportieren interstitielle Flüssigkeit, Proteine und Stoffwechselprodukte. So kommt es zur Reinigung über das venöse System und die Abbauprodukte werden über Leber und Nieren entsorgt. Sie verbinden Immun- und Nervensystem und könnten daher eine Rolle bei Autoimmun- und neurodegenerativen Erkrankungen spielen.

Immunaufgaben des Lymphsystems

Das Lymphsystem hat mit grundlegenden Aspekten der Organfunktion wie interstitielle Flüssigkeit zwischen den Zellen, Gleichgewicht der Lipide und Proteine sowie Transport von Lymphozyten und antigenpräsentierenden Zellen zu den Lymphknoten zu tun. Das scheint auch im Gehirn entsprechend zu sein. Ebenso wie das periphere Lymphsystem hat das Lymphsystem der Hirnhäute eine Immunzellfunktion mit B- und T-Lymphozyten und drainiert das Gewebe.

Schlaf

Das Gehirn, dessen Masse nur 2% des Körpergewichts beträgt,verbraucht ca. 25% der Energie. Das heißt, es fallen auch entsprechend Metabolite an, die abtransportiert werden müssen. Dass glymphatische System entsorgt gemeinsam mit dem lymphatischen System die Metabolite des ZNS. Die Hauptaktivitätszeit ist nachts. 90–95% der Entsorgung finden während der Tiefschlafphasen statt. Außerdem ist der Fluss nachts schneller, vermutlich auch dadurch bedingt, dass die Zellen nachts schrumpfen und somit bis zu 60–65%mehr Platz zum Durchspülen (Bulkflow) gegeben ist. Dies zeigt die Bedeutung eines gesunden Schlafes an. Die Annahme, dass nicht nur Vorgänge im Zellinneren,sondern auch im Interstitium an degenerativen und neurologischen Erkrankungen wie z.B. Morbus Alzheimer beteiligt sind, verdeutlicht, wie wichtig eine gute Reinigung

Osteopathische Überlegungen

Berücksichtigt man diese neuen Erkenntnisse hinsichtlich der Versorgung und Reinigung des Gehirns, so gewinnen Herangehensweisen über das flüssigen System eine weitere wichtige Perspektive. In der Osteopathie hat dieses System schon immer eine große Rolle gespielt und bietet hier viele Techniken zur Therapie an:

– Therapie des Ventrikelsystems, Hier kommt dem 4. Ventikel eine große Bedeutung zu, da die Hirnflüssigkeit von hier nach unten das Rückenmark umspült bis in die peripheren Nerven.

– Entspannung der Kopfschwarte ( 7 Schichten, zwischen denen die Lymphe fließt) An ihr ankern die großen Muskelketten. Spannungen im Bereich des Körpers können hier zu Störungen führen. Hier liegen Gefäß- und Nervenverbindungen die das Kopfäußere mit dem innenen Liquorsystem verbinden . Diese Verbindung dient der Homöostase (Gleichgewicht der Flüssigkeiten). Da der Schädel beengt ist, spielt dies eine Rolle z.B. bei Kopfschmerzen.

-Entspannung der inneren Hirnhäute. Mit diesen ist auch das Gefäßsystem verbunden. Durch Fehlspannung kann es zu Engpässen im Flussvolumen kommen.

– Behandlung des Nasenwurzelbereichs. Über den Riechnerv und die Schlemmschen Kanäle des Auges fließt Lymphe ab. Von oben her ist hier der knöcherne Deckel oberhalb der Augen, wo die vordere Hirnhautsichel ansetzt. Die Hirnhäute öffnen sich zum knöcheren Schädel hin und führen venöses Blut. Hier liegt der Teil unseres Gehirn, der unser Bewusstsein ausmacht. Die Region ist auch für die Gesundheit der Augen wichtig.

– Behandlung des gesamten Schlundbereich. In diesen sind die großen Gefäße zum Kopf hin eingebettet, das Lymphssystem u.a. der Waldeyersche Rachenring und ein Teil der Hirnnerven. Eine gute Beweglichkeit des Mundbodens wirkt wie eine Pumpe auf den Rachenring und aktiviert den Lymphfluss.

– der Thoraxeingang mit seiner Verbindung zum Herzeingang. Hier liegen zum einen die großen Gefäße zum Herzen hin führen, vergitative Nerven und der Rückfluss des Lymphsystems aus dem gesamten Körper in die Unterschlüsselbeinvenen.

Dies ist ein Teil der osteopathischen Arbeit um den Kopf frei zu machen.

Tiefencranio Zertifikat

Zertikfikat

Das Zertifikat steht nach einer langen intensiven Ausbildung über die Funktion des Gehirns und seiner Zusammenarbeit mit den Organen. Viele dieser Erkenntnisse wurden erst in den letzten Jahren in den Neurowissenschaften erforscht. Ein Teil dieser Erkenntnisse waren aber schon länger Bestandteil der osteopathischen Arbeit. Das Äußere des Körper beeinflusst das Innere und umgekehrt. Es wird der Blick auf alle Systeme wie Nervensystem, Skelett, Blutsystem, Immunsystem, Hormonsystem, Psyche, Biochemie genommen und seine vielfältigen gegenseitigen Wirkweisen.

Gründung der Berthold und Brigitte Hollering Stiftung

Gründungsflyer

Ich möchte Sie gerne auf ein Projekt aufmerksam machen, das gerade im Aufbau ist. 

Seit vielen Jahren habe ich an Fortbildungen Kinderosteopathie und Tiefencranio bei Norbert Neumann teil genommen. Er hat eine sehr tiefgreifende osteopathische Herangehensweise an schwierige Krankheitsbilder. Vom bayrischen Staat wurde er für seine Arbeit mit Down-Syndrom Kindern ausgezeichnet.

Mit diesem Projekt erfüllt er seinen Wunsch, sein großes Wissen weiter zu geben und die von ihm ausgebildeten Therapeuten mit einzubinden, um zum Wohle der betroffenen Familien mit ihren Kindern zu wirken. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit auch mit Professoren, soll die Wirksamkeit von Osteopathie darstellen. Dies ist nur in einem klinischen Kontext möglich.

Zu diesem Zweck gestaltet Bad Alexanderbad das Kurmittelhaus um, um Familien Unterkünfte zu bieten und Räumlichkeiten für die Therapie zu schaffen. Bad Alexanderbad liegt im Fichtelgebirge in einer schönen Natur und verfügt über mehrere Heilquellen. In den letzten Jahren wurde ein kleines attraktives Heilbad dem Kurmittelhaus angeschlossen.