Rückenprobleme – eine erweiterte Sicht

Mann mit Rückenschmerzen

Mann mit Rückenschmerzen (Foto: Fotolia.com)

Man hat Rückenprobleme und geht zum Arzt. Dieser lässt ein Röntgenbild machen und es wird eine Vorwölbung der Bandscheibe festgestellt, welche dann meist an den Rückenschmerzen Schuld sein soll. Wenn ein relevanter Bandscheibenvorfall vorliegt, ist dies meist schon sehr eindrucksvoll an der Schonhaltung des Patienten zu sehen und jede Bewegung und damit ein weiterer Zug auf die Gleitlager des Ischias z.B. löst heftige Schmerzen aus. In ganz vielen Fällen liegen jedoch andere Ursachen vor.

Ich möchte hier einige Beispiele geben:

Wie sehen die Hüften aus?

Jede Bewegungseinschränkung der Hüften führt zu Veränderungen der Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule. Wenn die rechte Hüfte in der Bewegung eingeschränkt ist und die Beugung schwer fällt, dann reagiert die linke Seite hinten, da diese bei der Beugung rechts zum Standbein wird. Hier verspannt sich das Darmbeingelenk und die Lendenwirbelsäule wird über die Drehung asymmetrisch. Dies führt zu Verspannungen der Muskeln zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule. Bei der betroffenen Hüfte schränkt sich zuerst die Drehung ein, bestimmte Muskelgruppen verspannen, was schließlich zu einer Fehlstatik des gesamten Beines führt.

Stauungen im Bereich der Wirbelsäule

Um das Rückenmark liegt ein großer Netzstrumpf aus Venen, der fast 300 ml venöses Blut speichern kann, das nicht am ständigen Austausch im Blutsystem beteiligt ist. Über die Venen des Beckenbodens, im Bereich der Rippen und der Schädelbasis wird das Blut ausgetauscht. Herrschen hier zu hohe muskuläre Spannungen, findet ein ungenügender Austausch statt. Das Blut verschlackt und Reizungen und Degeneration können hier Einzug halten. Die Symptome haben viele Namen wie z.B. Spinalkanalstenose. Durch ein Lösen des Beckenbodens, des Brustkorbs einschließlich Zwerchfell, der Schädelbasis und die Wiederherstellung der Gleitfähigkeit der Rückenmarkshäute, kann die Osteopathie Einfluss auf diese Stauungen nehmen und es kommt zur besseren Versorgung im Bereich der Wirbelsäule auf arterieller und venöser Ebene.

Die Eingeweide

Der Darm ist im Bereich der Darmbeine, der Rippen und über das hintere Bauchfell mit dem Rücken verbunden. Unter den Anheftungen des Darmes gehen die großen Blut- und Nervengefäße in Scheiden durch. Störungen im Bereich des Darmes mit Stauungen beeinträchtigen den Blutfluss, gleichzeitig kommt es aber auch zu Verklebungen und Bewegungseinschränkung der Darmbeingelenke und zur Einengung der Scheiden des Blut- und Nervensystems. Eng mit dieser Region ist ein kleiner Muskel an der Außenseite des Darmbeines und weiterführend in den Oberschenkel verbunden. Dies ist die Reflexzone des Darmes und ein Bereich, den der Körper als „Abfalleimer“ benutzt. Oft kommt es hier zu Verklebungen, die zu heftigeren Schmerzen führen und dadurch auch die Hüften in ihrer Beweglichkeit zusätzlich einschränken können.

Auch die Nieren haben eine enge Verbindung zum Rücken. Sie liegen unmittelbar unter dem Zwerchfell auf dem langen Hüftbeuger. Eine Störung der Nieren kann zu einer Bewegungseinschränkung der langen Hüftbeuger führen. Dieser Muskel setzt an der Innenseite der Hüften an und führt hier im Bereich des Schambeins, der Heranzieher (Adduktoren), des Beckenbodens, der Blase usw. zu Problemen.
Die chinesische Medizin spricht von Leere bei Erschöpfung, die sich oft im Nierenbereich ausdrückt. Auch Kälte stört die Nieren. Beides führt zu einer eingeschränkten Beweglichkeit im Übergang zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule. An diesem wichtigen Rotationspunkt des Körpers liegt die Nebenniere, die für unsere Immunität wichtig ist.
Im Yoga, im Qi Gong und Thai Chi wird die Rotation des Körpers auf diesem Niveau immer geübt, da sie für ein dynamisches und flüssiges Gangbild sorgt, die Nieren anregt,die Atmung verbessert und die Oberbauchorgane wie Magen, Leber und Milz „massiert“.

Unsere Psyche

Unser Sprachgebrauch kennt viele Ausdrücke wie: mir sitzt jemand im Nacken, das geht mir an die Nieren, das schlägt mir auf den Darm
Dies zeigt wie sehr unser Aufrichteorgan, die Wirbelsäule, mit unseren Emotionen verbunden ist. Schon der Anblick eines Menschen vermittelt einem den Eindruck, wie sich dieser Mensch fühlt. Der eine kommt erhobenen Hauptes daher, den anderen drücken die Lasten danieder. Die aufrichtende Arbeit mit dem Körper hilft auch den Menschen innerlich aufzurichten. In der Vergangenheit erlebte Verletzungen von Stürzen, Unfällen, aber auch Krankheiten drücken sich im Körper aus. Ein Lösen der Strukturen kann mit dazu beitragen, ein Trauma auf physischer oder psychischer Ebene zu lösen.

Es gibt sicherlich noch viele Zusammenhänge, die hier nicht alle dargestellt werden können. Es soll Ihnen einen Eindruck vermitteln, wie vielfältig die Ursachen von Rückenschmerzen sein können und wie spannend es ist, diese Hintergründe aufzudecken.

Was kann ich selbst tun:

Da das Gehirn keine Muskeln kennt, sondern nur Funktionen, daher sind sicherlich Übungen, die den ganzen Körper ansprechen sinnvoll. Neben der Kraft spielt aber auch das Gleichgewicht und die Koordination eine große Rolle. Das Training sollte daher vielfältig sein und sich an den täglichen Bewegungen orientieren. Wichtig ist, dieses Training regelmäßig zu machen.

Auf das fasziale System wirkt das Yin Yoga sehr positiv ein. Es ist ein eher stilles, achtsames Dehnen des Körpers, wo bestimmte Positionen lange gehalten werden ohne Muskelkraft.
Arend, Yin Yoga

Myers, Anatomy trails
Nils Thon, Stimmt unsere Vorstellung vom venösen System, Zeitschrift