Information zum Schlafverhalten und Schreien beim Baby / kleinen Kind

Baby

Baby (Foto: gettyimages.com)

Schlafen will gelernt sein

Bei der Geburt ist das Schlafverhalten des Säuglings noch unausgereift. Tag- und Nachtrhythmus sind noch nicht ausgebildet und das Schlafbedürfnis ist sehr individuell. Dabei muss das Schlafverhalten des Kindes langsam an die Bedürfnisse der sozialen Umgebung angepasst werden.
Man unterscheidet den zirkadianen Schlafprozess und die Schlafhomöostase.
Das Baby kennt noch keinen Tag- und Nachtrhythmus. Über den Kontakt mit Licht wird das Zentrum im Zwischenhirn geschaltet, das neben den Schlaf-Wachzeiten die Körpertemperatur, Herztätigkeit, Blutdruck, Hormonproduktion, kognitive Leistung und viele andere Mechanismen schaltet. Der zirkadiane Rhythmus wird in den ersten 3–4 Monaten erlernt.

Während der Wachphasen baut sich der Schlafdruck auf. Die Schlafhomöostase wird in den ersten 1–2 Monaten erlernt. Das kleine Kind unterliegt noch keiner Schlafschuld, deshalb ist ein längeres Wachhalten um einen tieferen Schlaf zu erreichen sinnlos. Das Baby kennt noch kaum REM-Schlafphasen (die Zeit, in der geträumt wird). Diese Traumphasen dienen der Gedächtnisbildung und Festigung des Gelernten. Das individuelle Schlafbedürfnis ist sehr unterschiedlich und muss dementsprechend individuell ermittelt werden. Kinder mit geringem Schlafbedürnis weisen einen raschen Abbau der Schlafschuld auf. Der Rhythmus wird noch stark vom Bedürfnis nach Nahrung geprägt.

Im Laufe des ersten Lebensjahres nähert sich das Schlafverhalten annähernd dem des Erwachsenen an. Die Störanfälligkeit nimmt ab und ist dem Tag- und Nachtrhythmus angepasst. Ab dem 3. Lebensjahr regelt sich die Hormonausschüttung von Cortisol und den Wachstumshormonen. Viele Kinder schlafen ab da erst wirklich durch. Bis zum Schuleintritt nimmt das Bedürfnis am Tag zu schlafen weiterhin ab. Der Schlaf konzentriert sich dann auf die Nacht.

Regulationsstörung, unermessliches Schreien

Aus biologischer Sicht ist das Schreien ein überlebenswichtiges angeborenes Signal. Das Schreien des Babys löst bei den Erwachsen sofort Stress aus und stärkt die Motivation, dem Kind Schutz und Sicherheit zu bieten. Das Schreien dient also der Befriedigung der existenziellen Bedürfnisse nach Nahrung, Nähe, Geborgenheit, Wärme und Pflege. Durch die Reaktion der Eltern lernt das Kind soziale Verhaltensweisen, Kommunikation und Selbstwirksamkeit. Eine verlässliche positive Reaktion auf sein Verlangen ist der Grundstein einer sicheren Bindung zwischen Eltern und Kind. Das kleine Kind ist ein Säugling und ein Tragling. Auch sollten übermäßige Reize vermieden werden. Der körperliche Kontakt beruhigt das Kind.

Die ersten drei Monate sind die Phase der relativen physiologischen Unreife. Danach kommt es meist spontan zu einer deutlichen Verbesserung.
Bei Störungen des Saug- und Schluckverhaltens sollte unbedingt nach der Ursache gesucht werden. Hier können ein verstärkter Rückbiss und Verspannungen im Nackenbereich eventuell die Ursache sein.
Zwischen dem 7.-9. Monat kommt es zu einem erneuten Entwicklungsschub. Durch die beginnende eigene Fortbewegung geht es jetzt um Nähe und Distanz, Abgrenzung und Zugehörigkeit. Dabei ist mit dieser ersten Selbsterforschung Ängste verbunden.

Was soll das Schreien signalisieren:

Hunger und Durst
hierauf deutet meist eine suchende Kopfbewegung hin oder auch klagendes, forderndes Schreien. Meist hat das Kind nach dem Schlafen Hunger. Zu enge Stillzeiten sollten wegen möglicher Blähungen vermieden werden. Hier hilft manchmal ein Schnuller.

Schmerzen
kurzatmige, hohe, schrille Schreie, geschlossene Augen. Dies kann auf Zahnen, Ohrenweh, Verstopfung und weitere Probleme hindeuten. Aber auch auf eine nasse Windel.

Kälte

Dies äußert sich eventuell durch Schluckauf. Die Kleinen kühlen sehr schnell aus. Zu warm sollte es aber auch nicht sein, damit sie wissen, dass sie geboren sind.

Unwohlsein

hierauf deutet quengelndes Schreien und ein sich winden z.B. aufgrund von Überforderung durch zu viele Stimulanzien. Das Kind ist eventuell auch müde. Auch hier hilft eine ruhige Umgebung und gestuftes Trösten.

Langeweile und Kontaktbedürfnis

Quengeln und ärgerliches Schreien. Das Baby kann sich noch nicht selbst unterhalten. Es möchte eventuell Ansprache, Vorsingen, Spaziergang, einfache Spiele.

Die Methode des gestuften Trösten

Stufe 1

aufmerksam anschauen und Blickkontakt ermöglichen. in den ersten 3 Monaten zirka 25 cm Abstand.

Stufe 2

ruhig ansprechen

Stufe3

anfassen, sanfter Druck auf das Brustbein oder Po

Stufe 4

Hände und Füße zusammenlegen, so dass es Begrenzung spürt

Stufe 5

hochnehmen und wiegen

Stufe 6

Schnuller, Flasche oder Brust anbieten

Literatur:
Barth R.: Was will mein Schreibaby mir sagen, Beltz Verlag