Tiefencranio

3D illustration male nervous system, medical concept.

Von 2011 bis 2016 habe ich in Bad Alexanderbad an der Fortbildung Tiefencranio und Organsprache bei Norbert Neumann DO. in Bad Alexanderbad teilgenommen. Diese Fortbildung wurde vom Gesundheitscampus der St. Elisabeth Universität Luzern zertifiziert.

Bekannter ist die Craniosakrale Therapie nach John Upledger aber auch die Craniale Osteopathie nach Gordon Sutherland. In den letzten Jahren haben Forschungen im Bereich der Neurowissenschaften erhebliche neue Erkenntnisse gebracht. Diese neuen Erkenntnisse sind in diese Ausbildung Tiefencranio eingeflossen.

Die Erforschung des Connecton (Gehirnkarte der Areale) zeigt immer mehr wo wir welche Funktionen verarbeiten und welche Areale wie verschaltet sind. In dieser Ausbildung wurde auch gezeigt, wie die vielfältigen Systeme sich aufbauen, wie das Kind Sehen, Sprechen und Motorik lernt. Da jeder Mensch unterschiedliche Erfahrungen in seinem Leben macht und unterschiedliches Wissen erwirbt, ist jedes Gehirn individuell wie ein Fingerabdruck. Der Aufbau der Gehirnwindungen und auch seine Strahlungen sind individuell. Hier gilt „Benutze es oder verliere es“. Ein Kind besitzt noch alle Laute (Phoneme) der Welt und wird nur die behalten, die es täglich hört. Um eine Fremdsprache akzentfrei zu lernen, müssen wir diese in den ersten Lebensjahren hören.
Mit einer geschulten Hand und mit Kenntnissen des Gehirnaufbaus kann man spüren, welche Bereiche Fehlspannungen oder Dysharmonien haben, ähnlich wie bei einem EEG. Osteopathisch kann man deren Harmonisierung unterstützen.

Damit all diese Areale sich gut aufbauen benötigt der Schädel eine ausreichende Mobilität. Die Entwicklung des Schädels ist eng mit dem Nervensystem verbunden, da die Schädelplatten aus dem gleichen Keimblatt (Ektoderm) wie das Nervensystem entsteht. Das Baby hat noch wesentlich mehr Schädelknochen als der Erwachsene, da sein Gehirn noch stark wächst. Der Hirnschädel verknöchert bis zum 7. Lebensjahr, der Gesichtsschädel am Ende der Zahnung, circa 20. Lebensjahr. So spielt vor allem für das kleine Kind, da hier die größte Entwicklung passiert, die intraossäre (zwischen den Knochenanteilen liegende Beweglichkeit) und die der Schädelknochen untereinander eine große Rolle.

Das Gehirn entwickelt sich nach außen und die inneren Hüllen, die Hirnhäute und die ganzen Einscheidungen der Areale, Gefäße, Hohlräume und Nerven begrenzen das Wachstum nach außen. Diese Spannungen agieren wechselseitig, man nennt das Tensegrity. Die Hirnhäute setzen sich als Rückenmarkshäute und in der Peripherie als Nervenhüllen bis ans Ende der Gliedmaßen fort. Eine gute Funktion des Nervensystems hängt von der Gleitfähigkeit dieses Systems ab. Bei der Suche nach der Ursache einer Spinalkanalstenose sucht man in der Osteopathie über die gesamte Länge z.B. könnte die Ursache eine starke Überstreckung der Kopfgelenke oder eine Steifigkeit der oberen Brustwirbelsäule sein.

Ein weiteres wichtiges System sind die Gefäße. Diese liegen in Scheiden, die vom Herz zum Gehirn führen und wieder zurück. Spannungen im Bereich des Thoraxeingangs und des Mundbodens führen zu Flussstörungen im arteriellen System. Diese Scheiden werden über fasziale Techniken gelöst. Der Schädel besitzt erst ab der Schädelbasis Venen, darüber fließt das venöse Blut in den Steigleitern, das Öffnungen der Trennhäute (Falxen) der rechten und linken Gehirnhälfte, aber auch von Groß- und Kleinhirn zum Schädel hin ab zur Schädelbasis, um sich im Bereich der Hypophyse zu sammeln und dort die Hormone mitzunehmen und im Körper zu verteilen. Durch diese Funktionen wird die Behandlung der Hirnhäute wichtig. Über kleine Venen in der Kopfschwarte, die durch die Schädelnähte in den Raum der Liquorflüssigkeit um das Gehirn gehen, wird das Flüssigkeitsvolumen und die Temperatur des Gehirn konstant gehalten. Daher ist die Gleitfähigkeit der Kopfschwarte von Bedeutung. Von den Augenbrauen über den Schädel, dem gesamten Rücken, der Rückseite der Beine, bis zur Fußsohle liegt eine zusammenhängende Muskelkette. Fehlspannungen in den faszialen Muskelketten beeinflussen sich wechselseitig.

Vor kurzem wurde dargestellt, dass die Gliazellen (Stützzellen und Immunzellen des Gehirns) eine Hülle um die Gefäße bilden in dem eine Art Lymphe fließt, die das Gehirn reinigt. Bisher ging man davon aus, dass das Gehirn kein Lymphsystem besitzt. Durch diese neueren Erkenntnisse muss man den Therapieansatz bei Alzheimer, MS usw. überdenken. Daher ist eine gute Funktion der Zu- und Abflüsse wichtig. Dies sind für den Kopf der Bereich des Mundbodens (Carotis) und der Kopfgelenke (Vertebralis).

Die freie Beweglichkeit im Bereich der Kopfgelenke und der Einscheidungen in diesem Bereich ist wichtig für den Liquorabfluss über den 4. Ventrikel. Die äußeren Hüllen wie die Kopfschwarte und die inneren Häute funktionieren wie eine Wippe und aktivieren sich gegenseitig. In all die Gewebe im Schädeleingangsbereich ist der lymphatische Rachenring eingelagert. Er ist unser erster Kontakt zu allem Fremden ob das Essen und Trinken oder Atmen ist. Hier liegen viele Lymphknoten. Durch die räumliche Nähe wirken all diese Prozesse auf die Entwicklung des Kauorgans ein. Störungen im Lymphfluss können zu Störungen der Zahnbildung und Sprache führen (Mundatmung).

Die chinesische Medizin ordnet den Organen Emotionen zu wie z.B. Zorn und Ärger, der die Leber stört. Auch hier in unserem Sprachgebrauch kennt man solche Kontexte wie: das schlägt mir auf den Magen, mir wird es eng uns Herz, das nimmt mir die Luft. Hier gilt dasselbe, dass sich das Außen,das Skelett, die Faszien usw. auf die inneren Strukturen auswirken und sich gegenseitig beeinflussen. Mit großer Schulung ist an der Spannung der Strukturen, diese wechselseitige Beeinflussung zu ertasten und auch zu erspüren, wo die Einschränkungen liegen, die zum Problem des Patienten führen. So kann eine erhöhte Spannung im Bereich des oberen Brustbeins, der Schlüsselbeine und der oberen Brustwirbelsäule bei dem einen Patienten zu Schilddrüsenproblemen führen, beim anderen zu Schulterproblemen, beim dritten zu Lungen- oder Herzproblemen. In der Osteopathie wird auch die Geschichte des Patienten betrachtet. So können Ereignisse, die im Laufe des Lebens passiert sind viel später zu Problemen führen und sich auch gegenseitig beeinflussen. Die Summe des Erlebten kann dann zur Einschränkungen und dem Verlust der Kompensationsfähigkeit führen und damit zur Erkrankung. Es gibt genetische Veranlagungen wie Körperform, einer Neigung zu bestimmten Erkrankungen wie z.B. Arthrose, Herz-Kreislaufprobleme. Man ist diesen Dingen aber nicht hilflos ausgeliefert, sondern kann sie beeinflussen. So ist es dem Osteopathen möglich zu spüren, ob ein Kind die Anlage der Eltern wie Trichterbrust, Skoliose in sich trägt. Über die osteopathische Behandlung kann man die Entwicklung der Strukturen unterstützen. Über die Behandlung des Thorax und der Wirbelsäule lassen sich innere Organe wie z.B. Lunge, Magen usw. im chronischen wie im akuten Zustand beeinflussen, was dann auf die Widerstandsfähigkeit des Menschen und auch auf seine Psyche Einfluss hat.

Meditation und Gehirn, Heinz Hilbrecht, Schattauer
Das Gesetz der Balance, Dr.med. Fritz Friedl, Gräfe und Unzer
Organwesen, Ewald Kliegel, Anne Heng, Ryvellus
Körperschmerz-Seelenschmerz, Hildegund Heinl, Peter Heinl, Kösel
Was uns krank macht was uns heilt, Christian Schubert, Fischer und Gann
Was geht da drinnen vor, Lise Eliot, Berlin Verlag
Myofasziale Leitbahnen, Tom Myers, Elsevier

Der Schädeleingang, das Nadelöhr im Körper

Funktionsbereiche des menschlichen Gehirns

Funktionsbereiche des menschlichen Gehirns (Foto: Fotolia.com)

Der Schädeleingang, das Nadelöhr im Körper
Dieser Bereich heißt auch der magische Zentimeter. In keiner anderen Region des Körpers wird so viel organisiert. Eine Behandlung dieser Region hat auf viele Systeme des Körpers Einfluss. Weiterlesen

Faszien, ein faszinierendes System

Nackenschmerzen

Nackenschmerzen (Foto: Fotolia.com)

In der letzten Zeit wurde von Seiten der Medien den Faszien immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt und die Wissenschaft erforscht dieses System immer weiter. In der Osteopathie und im Rolfing, deren Begründerin Ida Rolf war, wird den Faszien in der Behandlung eine große Bedeutung geschenkt. Weiterlesen