Die Bedeutung der Sinusse in der Osteopathie

Thieme Anatomie

Im Moment tauchen in den Medien die venösen Sinusse des Schädels immer wieder im Zusammenhang mit Thrombosen nach einer Impfung mit Astracenica als mögliche Impffolge auf.

Kaum ein Laie weiß wahrscheinlich so richtig was es mit diesen „Venen“ auf sich hat. In der Osteopathie kennt man sie und sie haben dort eine große Bedeutung. Eigentlich sind es keine Venen im eigentlichen Sinne mit einer Gefäßwand und Klappen. Das Gehirn besitzt „Trennscheiben“ zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte und dem Groß- und Kleinhirn. Das sind jeweils Doppelblätter, die sich zum Schädeldach hin öffnen wie ein Y. In diesen Öffnungen fließt das venöse Blut oberhalb der Schädelbasis. Es gibt ein vertikales System zwischen rechtem und linkem Gehirn. Von vorne reicht es von der Siebbeinplatte mit den Riechnerven in einem großen Bogen bis nach hinten in den Bereich des Hinterhauptbeines . Hier trennt es die Kleinhirnanteile . Dann gibt es das horizontale System zwischen Groß- und Kleinhirn. Im Bereich der Hypophyse kreuzt das äußere Ende des Blattes mit dem inneren und setzen jeweils an den Höckern des Türkensattes an. Auf diesem Sattel sitzt die Hypophyse. Hier öffnet sich ein Raum, in dem sich das venöse Blut sammelt und die Hormone der Hypophyse aufnehmen kann. Auf dieser Höhe entstehen dann die uns bekannte Form von Venen, die Vena jugularis, die im inneren Winkel des Unterkiefers mit den Halsschlagadern zum Thoraxeingang zieht.

Für einen guten Rückfluss Richtung Herz spielen die Beweglichkeit des Mundbodens und Kiefers und die Halsfaszien eine Rolle.

Da, wo das vertikale System der Trennscheiben mit dem horizontalen zusammentrifft liegt ein Fulcrum. von hier aus setzt sich die Spannung der Falxen (Trennscheiben) bis zum Ansatz der Rückenmarkshäute am Kreuz- und Steißbein forts. Die Hirnhäute sgehen in die Rückenmarkshäute über. Fehlspannungen im gesamten Bereich der Wirbelsäule können sich auf dieses membranöse System auswirken.

Der Körper besitzt ein tiefes venöses System, das vom Enddarm netzstrumpfartig um das Rückenmark liegt und bis in den Schädel zu den Sinussen Kontakt hat. Im Bereich des Enddarms hat das tiefe System mit dem oberflächlichen Richtung Leber einen Kurzschluss. Da die Leber gerne wie ein Schwamm ist, staut sich hier das Blut und behindert die Rückflüsse Richtung Herz.

Wo setzt die Osteopathie an.

– Eine der wichtigsten Ansätze ist der freie Fluss im gesamten Blutsystem, sowohl im arteriellen, venösen, Lymph- und im Liquor.

Im kranialen Bereich gibt es viele Techniken, um die Hirnhäute zu entspannen. Damit verbessert man den Lymph- und Liquorfluss im Bereich des Schädels. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse haben ein Lymphsystem entlang der großen Gefäße im Schädelbereich gefunden.

– Verbesserung der Spannungen im Bereich des Mundbodens und der Halsfaszien. Hiermit wird auch die Pumpwirkung im Bereich des lymphatischen Rachenbereich verbessert. Dieser hat eine wichtige Immunitätsfunktion.

– Behandlung des Ventrikelsystems des Schädels. Der Liquor ist ein Teil des venösen Systems und dient vor allem der Ernährung des Nervensystems bis in den Bereich der peripheren Nerven.

– Behandlung des Throraxeingang und der Rückflüsse Richtung Herz. Die Lymphe fließt im Bereich der Unterschlüsselbeinvene zurück ins venöse System. Fehlspannungen im Bereich der Schlüsselbeine können diesen Rückfluss behindern. Hier kehren auch die Venen des Schädels zurück zum Herzen.

Dieser Thoraxeingang ist ebenso für das arterielle System von Bedeutung. Fehlspannungen der oberen Brustwirbelsäule, der Bänder des Herzens zum Brustbein hin, Spannungen der Brustmuskeln, können den Fluss in der Aorta beeinflussen.

Ich habe hier sicherlich noch nicht alle Kontexte genannt, die in der Osteopathie gelehrt werden. Aber ich konnte vielleicht vermitteln, welchen Stellenwert dieser Bereich in der osteopathischen Therapie zugeordnet wird.